Von Westfalia Herne bis zum Wuppertaler SV

 

Breits vor ein paar Tagen hatten wir festgestellt: Das Leben als Fußballfan ist schon kein schönes. Denn eins der obersten Gesetze ist: „The natural state of the football fan is bitter disappointment, no matter what the score.", zumindest wenn es nach dem englischen Kultautor Nick Hornby geht. Und hoch bei uns im Nordern manifestiert sich sich dieses Misstrauen gegenüber dem Spiel mit dem runden Leder in den drei „Holsteinischen Gesetzen":


1. Reist Holstein als Spitzenreiter zu einem Verein im Tabellenkeller, so fahren die Störche mit null Punkten zurück nach Kiel. (Beweis: Hagenbeckstraße)
2. Spieler, die in Kiel eher enttäuschten, blühen bei ihren neuen Vereinen auf. (Beweise: Sören Brandy, Francky Sembolo, und und und)
3. Alle Vereine gegen die Holstein gespielt hat, spielen heute höher als die Störche.


Während die beiden ersten Gesetze anhand von Beispielen bereits bewiesen wurden, bedurfte das dritte noch einer genaueren Untersuchung. Hierfür sollten exemplarisch die Gegner aus den Zweitligaspielzeiten 1978/79, 79/80 und 1980/81 betrachtet werden. Ein Liganiveau, welches seitdem nicht wieder erreicht wurde. Insgesamt waren es 31 Vereine, mit denen sich Holstein in der 2. Bundesliga Nord messen durfte - 16 von ihnen wurden bereits untersucht - die restlichen 15 folgen heute:

(Den ersten Teil "Von Alemannia Aachen bis zum SC Herford" findet ihr hier.)

 

SCWestfaliaHerne

Sportclub Westfalia von 1904 Herne
(1978/79: 2:1 Heim, 0:2 Auswärts)
Mit Westfalia Herne begann im Holstein-Stadion eine neue Zeitrechnung, denn der Traditions-Elf aus dem Ruhrgebiet kam die Ehre zu, Gegner bei der Zweitliga-Heimpremiere der Störche zu sein. Insgesamt schloss Herne die Saison auf dem fünften Tabellenplatz ab, trotzdem musste der Verein zu Beginn der Saison 1979/80 den Rückzug in die Oberliga antreten. Grund hierfür: Die Tankstellenkette „Goldin", Hauptsponsor bei Westfalia (1977 wurde der Verein sogar in SC Westfalia Goldin 04 Herne umbenannt) war im Zuge des bis dahin größten Steuerskandals der Bundesrepublik Konkurs gegangen. Vom Mäzen komplett abhängig stand auch der Verein kurz vor dem finanziellen Aus, die Rückkehr in den Profifußball gelang nicht mehr. Zuletzt musste man einen weiteren Tiefpunkt verkraften: Beim Oberliga Heimspiel gegen Eintracht Rheine fanden nur 76(!) zahlende Zuschauer den Weg ins wunderschöne Stadion am Schloss Strünkede.
- heute: Oberliga Westfalen (5. Liga)

 

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Sportclub Fortuna Köln
(1978/79: 0:1 Auswärts, 0:0 Heim, 1979/80: 3:3 Heim, 4:0 Auswärts, 1980/81: 2:3 Auswärts, 2:1 Heim)
Dass die Kieler es alle drei Spielzeiten mit der Fortuna aus Köln zu tun bekamen ist kein Wunder, schließlich fühlte sich der Verein aus der Südstadt in dieser Spielklasse besonders wohl. Insgesamt 26 Jahre von 1974 bis zum Jahr 2000 spielte man zweitklassig und schaffte es weder aufzusteigen (1986 scheiterte man an in der Relegation an Borussia Dortmund) noch abzusteigen (1992 konnte man aufgrund der Insolvenz von Blau-Weiß 90 Berlin noch in die Relegation einziehen und da knapp die Klasse halten). Auch gelang es nie, die Vormachtstellung des 1. FC Köln in der Stadt ernsthaft infrage zu stellen. Zwar konnte die Fortuna den einen oder anderen Derbysieg einfahren, so auch in der Saison 1999/2000. Doch am Ende ging es für die Fortuna in die Regionalliga, während die Geißböcke in die Bundesliga aufstiegen. Einher mit dem sportlichen Niedergang ging die finanzielle Pleite: Präsident und Mäzen Hans „Jean" Löring, der den Verein immer in der 2. Bundesliga gehalten hatte, musste sich zurückziehen und hinterließ einen hochverschuldeten Verein, für den es bis in die fünftklassige Verbandsliga Mittelrhein runter ging. Seit Mitte der 2000er läuft die finanzielle Konsolidierung der Fortuna, bei der man zumindest wieder von der 3. Liga träumt.
- heute: Regionalliga West (4. Liga)

 

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Sport-Club Viktoria 04 Köln
(1978/79: 0:2 Auswärts, 2:0 Heim, 1979/80: 1:3 Auswärts, 1:2 Heim, 1980/81: 3:3 Heim, 3:0 Auswärts)
Ähnlich wie auch die Fortuna trat Viktoria Köln Ende der 1950er Jahre an, die Dominanz des 1. FC zu brechen. Dies sollte nicht gelingen, trotzdem konnte der Verein auf einige Erfolge blicken. Gegen Ferencváros Budapest trat man in der Saison 1962/63 im Messepokal an, allerdings ein schwacher Trost dafür, dass man bei der Einführung der Bundesliga das Nachsehen gehabt hatte. Im DFB-Pokal konnte man 1974/75 bis in das Achtelfinale vordringen und scheiterte erst im Rückspiel gegen Borussia Dortmund. In der Liga pendelte man zwischen 2. Bundesliga und Amateurfußball. Genau wie Holstein konnte man 1978 wieder den Einzug in die zweithöchste Spielklasse feiern, scheiterte aber drei Jahre später an der Qualifikation für die „Eingleisige". Fortan blieb die Ober- bzw. Regionalliga die höchste erreichbare Spielklasse – rückläufige Zuschauerzahlen und wachsende Schulden zwangen den Verein 1994 zur Fusion.
- aufgelöst 30. Juni 1994, nachfolgend Neugründung als SCB Viktoria Köln (durch Fusion mit dem SC Brück, aufgelöst 22. Juni 2010, nachfolgend Neugründung als FC Viktoria Köln Regionalliga West (4. Liga)

 

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Turn- und Sportverein Bayer 04 Leverkusen
(1978/79: 1:2 Heim, 1:2 Auswärts)
Erst im Jahr 1976 war die „Werkself" in die 2. Bundesliga aufgestiegen und musste in der Premierensaison zunächst einmal gegen den Abstieg kämpfen. Allerdings gelang in den folgenden Spielzeiten eine kontinuierliche Steigerung, die in der souveränen Meisterschaft un dem Aufstieg in die 1. Bundesliga 1979 gipfelte. Auch hier musste man sich erst einmal wieder akklimatisieren, ehe man Mitte der 1980er unter Trainer Erich Ribbeck in die oberen Tabellenregionen vorstieß und sich 1986 für den UEFA-Cup qualifizieren konnte. In der darauffolgenden Saison durfte dann einer der größten Erfolge des Vereins gefeiert werden: Nachdem man das Hinspiel bei Espanyol 0:3 verloren hatte, konnte man das Ergebnis im Rückspiel durch Tore von Tita (damals brasilianischer Nationalspieler), Cha Bum-kun und dem späteren Holstein-Trainer Falko Götz egalisieren und im Elfmeterschießen dann den UEFA-Cup gewinnen. Der Gewinn bedeutete eine Zäsur, Leistungsträger verließen Bayer 04, genau wie der Erfolgstrainer Ribbeck. Gleichzeitig trat aber Reiner Calmund den Posten als Manager der Lizenzspielabteilung an, der zum einen immer wieder brasilianische Stars nach Leverkusen lenken und zudem nach der Wende mit Ulf Kirsten, Andreas Thom und Jens Melzig gleich drei DDR-Nationalspieler unter Vertrag nehmen konnte. Trotz des DFB-Pokalsiegs 1993 musste das Team um Rudi Völler, Ulf Kirsten und Bernd Schuster zwei Jahre später gegen den Abstieg kämpfen und konnte diese erst am letzten Spieltag mit einem 1:1 im „Endspiel" gegen Kaiserslautern abwenden. Unter Christoph Daum fand der Verein wieder in die Erfolgsspur zurück und wurde zum Stammgast in den europäischen Wettbewerben. Legendär dabei die Saison 2001/02, in der man sowohl in der Meisterschaft, im Pokal und in der Champions League den zweiten Platz erreichte und sich den Spitznamen „Vizekusen" verdiente. Ein Jahr später konnte man dagegen nur haarscharf den Abstieg verhindern, als „Feuerwehrmann" fungierte der bereits für die nächste Saison verpflichtete Klaus Augenthaler. Über die folgenden zehn Jahre gelang es fast durchweg, in der Abschlusstabelle im oberen Viertel zu stehen.
- heute: 1. Bundesliga

 

 

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Rot-Weiß Lüdenscheid
(1978/79: 3:1 Auswärts, 5:0 Heim, 1979/80: 3:3 Heim, 1:2 Auswärts, 1980/81: 0:0 Heim, 1:2 Auswärts)
Als ein recht junger Verein entstand Rot-Weiß Lüdenscheid 1971 aus der Fusion der „Sportfreunde 08" und dem „RSV Höh", der in der Verbandsliga spielte. Zur Saison 1977/78 hatte es der neue Großverein in die 2. Bundesliga geschafft, in der man sich bis zur Einführung der „Eingleisigen" halten konnte. Dabei absolvierte in der Saison 1980/81 der junge Peter Vollmann seine einzigen beiden Spiele im „Profigeschäft". In den Spielzeiten 1982/83 und 1983/84 konnte man noch zweimal die Hauptrunde des DFB-Pokals erreichen, ehe die Elf vom Nattenbergstadion (immerhin ein recht schicker Bau mit einem Fassungsvermögen von 22.000 Zuschauern) nach und nach bis in die Bezirksliga durchgereicht wurde.
- heute: Bezirksliga Westfalen (8. Liga)

 

SC Preussen Muenster breit

Sportclub Preußen 06 Münster
(1978/79: 0:2 Auswärts, 1:0 Heim, 1979/80: 3:0 Heim, 1:2 Auswärts, 1980/81: 0:2 Auswärts, 3:1 Heim)
Ein erstes Aufeinandertreffen zwischen den Preußenadlern und den Störchen hatte es bereits in den 1950ern gegeben, damals war man im heute fast vergessenen DFB-Flutlichtpokal aufeinander getroffen. 3:1 siegten die Kieler im eigenen Stadion. Am 24. August 1963 kam den Münsteranern dann die Ehre zu, gegen den Hamburger SV das erste Bundesliga-Spiel überhaupt austragen zu dürfen. Allerdings musste sich das Gründungsmitglied nach nur einer Saison wieder aus dem neu geschaffenen Oberhaus verabschieden. Hätte der SCP in den 1970ern die durchaus vorhandenen Möglichkeiten für einen Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga genutzt, wäre es wohl nie zu einem Aufeinandertreffen mit der KSV in der zweiten Liga gekommen. Genauso wie die Störche machte die Einführung des eingleisigen Unterhauses auch dem SCP ein Strich durch die Rechnung, sodass man mit der KSV in die Drittklassigkeit musste. Es folgte ein kurzes Intermezzo im Unterhaus nach der Wende und nach einigen Jahren in der Regionalliga Nord der erstmalige Gang in die Oberliga bzw. viergleisige Regionalliga, die man 2011 wieder in Richtung bundesweiten Fußball verließ. heute: 3. Liga

 

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Sportclub Rot-Weiß Oberhausen-Rheinland
(1979/80: 0:3 Auswärts, 0:1 Heim, 1980/81: 3:0 Heim, 0:1 Auswärts)
Obwohl gute Chancen bestanden, schaffte es der Club aus dem Ruhrpott nicht den Sprung in die Teams der ersten Spielzeit der Bundesliga, erst 1969 durfte man sich wieder mit den großen Nachbarn messen. Kurz danach der negative Höhepunkt der Vereinsgeschichte: 1970/71 war RWO in den Bundesliga-Skandal verwickelt, Trainer Günter Brocker wurde vom DFB für zwei Jahre gesperrt und RWOs Torschützenkönig Lothar Kobluhn erhielt die Torjägerkanone deshalb erst 2008 vom kicker. Nach dem Abstieg aus der 1. Bundesliga musste man mitte der 1970er sogar den Weg in die Drittklassigkeit antreten, stieg aber 1979 wieder in die 2. Liga auf, wo man sich bis zum Abstieg 1981 einige Male mit der KSV maß. 1983 schaffte man den Wiederaufstieg, die Zweitklassigkeit endete erst 1988 mit dem Lizenzentzug. In den Folgejahren konnte man den Sturz bis in die Sechstklassigkeit gerade so verhindern und schaffte dann sogar einen Durchmarsch bis in die 2. Liga im Jahr 1998. Die nächsten Spielzeiten schaffte man jeweils knapp den Klassenerhalt, und stand 2004 kurz vor einer Senstion, als der Verein den Bundesligaaufstieg um nur zwei Punkte verpasste. Es folgten ligentechnische Achterbahnfahrten, bei denen man inzwischen im Mittelfeld der Regionalliga West angekommen ist.
- heute: Regionalliga West (4. Liga)

 

VfBemblem

Verein für Bewegungsspiele von 1897 Oldenburg
(1980/81: 1:2 Auswärts, 2:1 Heim)
Nach langen Jahren in der Oberliga Nord schafften die Jungs vom Donnerschwee 1980 den kurzen Sprung in die 2. Bundesliga , mussten aber genau wie die Störche dank der neuen eingleisigen 2. Liga die Spielklasse schnell wieder verlassen. 1986 schaffte man wiederum die Meisterschaft in der Oberliga, konnte den Wiederaufstieg dank einer schwachen Aufstiegsrunde aber nicht realisieren. Immerhin konnte man 1988 das Finale um die Deutsche Amateurmeisterschaft erreichen, musste sich dort aber im Elfmeterschießen der Eintracht aus Trier geschlagen geben. Im Jahr der Wiedervereinigung gelang dann der Schritt in die bundesweite Spielklasse, an dessen Ende man kurz vor dem Sprung in die Bundesliga stand und gleichzeitig das Stadion Donnerschwee in Richtung Marschweg verließ - heute steht an alter Stelle der „Hölle Nord" nur noch ein Supermarkt. Anschließend musste man den Gang in die Oberliga antreten, fand sich einige Jahre später wieder in der 2. Liga wieder, welche man aber schon wieder nach einem Jahr wieder verließ (und das, obwohl noch den Ex-Nationalspieler Mirko Votava nachverpflichtet hatte). 2000 wurde ein Insolvenzverfahren eingeleitet, Folge waren lange Zeiten in der Oberliga und nach Einführung der neuen Oberliga Nord sogar die NDS-Liga West. 2009 musste man dem Goslarer SC den Vortritt in die Regionalliga Nord lassen, 2012 sollte es aber mit dem Aufstieg in die NFV Regionalliga klappen.
- heute: Regionalliga Nord (4. Liga)

 

Osnabrück VfL ab 1976-1977

Verein für Leibesübungen von 1899 Osnabrück
(1978/79: 3:2 Heim, 0:0 Auswärts, 1979/80: 0:1 Auswärts, 7:1 Heim, 1980/81: 0:3 Auswärts, 1:2 Heim)
31. Mai 1980: 7:1 lautet am Ende das Ergebnis. Holstein Kiel hat seinen höchsten Zweitligasieg ausgerechnet gegen den alten Nordrivalen eingefahren. Zwischen den Pfosten debütiert bei den Störchen dabei ein gewisser Andreas Köpke. Anders als es das Ergebnis vermuten lässt, war es aber der VfL, welcher sich für die eingleisige zweite Liga qualifizieren konnte. Nach zwei Jahren in der bundesweiten Liga war aber dort Schluss. Der direkte Wiederaufstieg gelang aber postwendend nach umfangreichen Investitionen, man konnte sich bis 1993 halten. 1995 gewann man die deutsche Amateurmeisterschaft im Finale gegen die Stuttgarter Kickers. 1997 half nur ein 1,2 Millionen DM Kredit um den Verein vor der Insolvenz zu bewahren, in der Folgespielzeit wurde der Aufstieg in die zweite Liga in der Aufstiegsrunde gegen Offenbach verspielt. 2000 sollte es dann gegen den 1. FC Union in einem dramatischen Elfmeterschießen gelingen, seitdem pendelt das Team zwischen der drittklassigen Regionalliga Nord bzw. der 3. Liga und der zweiten Bundesliga.
- heute: 3. Liga

 

Union Solingen SG

Sport-Gemeinschaft Union Solingen 97
(1978/79: 1:1 Auswärts, 0:1 Heim, 1979/80: 0:4 Auswärts, 4:1 Heim, 1980/81: 2:1 Heim, 1:4 Auswärts)
Bereits in der Saison 1975/76 schaffte man zwischen Ruhrpott und Köln gemeinsam mit Bayer 04 Leverkusen den Sprung in die zweigleisige 2. Bundesliga. Nach einem soliden ersten Jahr hielt man in der Folgesaison nur dank des Zwangsabstiegs des Bonner SC und dem Verzicht anderer Teams die Spielklasse. 1981 sollte man sich sogar für die neue eingleisige Zweite Liga qualifizieren, wo man nach einigen sportlichen Zitterpartien auch dank eines gewissen Daniel Jurgeleits 1983/84 mit Platz 5 die beste Saison der Vereinsgeschichte absolvierte. Nach einigen knapp geschafften Klassenverbleiben musste man 1988/89 als Tabellenletzter absteigen, immerhin bewirkte die lange Zweitligazeit den Platz 24 in der „Ewigen Tabelle". Daran hatte vor allem auch Wolfgang Krüger seinen Anteil. Der Mittelfeldspieler absolvierte 428 Spiele für die Solinger und hielt dem Team über die gesamte Zweitligazeit die Treue. Aus der zweiten Spielklasse folgte ein weiterer Abstieg und der Konkurs, an dessen Ende 1990 der Verein als „1. FC Union Solingen" neu gegründet wurde, welcher es aber nur noch in der Oberliga zu Erfolgen brachte und nach einigen Querelen 2012 im Anschluss an eine Insolvenz aufgelöst wurde.
- 1990 aufgelöst, als 1. FC Union Solingen neugegründet, 2012 nach Insolvenz aufgelöst

 

Pauli-Logo

Fußball-Club St. Pauli von 1910
(1978/79: 2:1 Heim, 0:4 Auswärts)
​Bereits 1934/35 kreuzte die KSV im Rahmen der „Gauliga Nordmark" das erste Mal mit dem FCSP die Klingen und sollte mit 2:0 und 3:1 die Oberhand behalten. Bis zum Höhenflug Mitte der 1970er Jahre sollte man sich auf dem Kiez weiter nur noch mit lokalem und regionalem Fußball begnügen müssen. Nach dem Aufstieg aus der Regionalliga 1974 verbrachte man drei Jahre in der zweithöchsten Spielklasse, teilweise mit nur mäßigem Erfolg und vor allem mit unter vor heute undenkbaren Minuskulissen (beim Heimspiel gegen Westfalia Herne waren gerade einmal 600 Zahlende am Millerntor zugegen. So setzte man alles auf eine Karte und investierte kräftig, um 1977 erstmals Bundesligaluft zu schnuppern. Nach nur einem Jahr musste man die Eliteklasse wieder verlassen (Gründe hierfür waren Verletzungspech, undurchsichtige Personalpolitik und vor allem die Entscheidung, für die meisten Spiele in den ungeliebten Volkspark umziehen zu müssen), die folgende Saison mit der KSV gestaltete sich dank Zwangsabstieg (der DFB verweigerte aufgrund des drohenden Finanzkollapses die Zweitligalizenz) ebenso wenig erfolgreich. Mitte der 1980er vollzog sich der Wandel zum linksalternativen Club, maßgebliche Symbolfigur dafür sollte Volker Ippig sein, der trotz Profianstellung immer noch in der Hamburger Hafenstraße wohnte. Es folgten lange Jahre des Pendelns zwischen 1. und 2. Liga, wobei man 2002/03 bis in die Regionalliga durchgereicht wurde und wieder einmal mit einem angewachsenen Schuldenberg kämpfen musste. Retter-Spiele und Shirts und vor allem die treue Fangemeinde brachten die Rettung – insgesamt konnten 1,95 Millionen DM „gesammelt". Bis 2006/07 musste man noch in der Regionalliga ausharren, ehe es wieder bergauf geht. 2010/11 durfte man sogar wieder ein Jahr im Oberhaus spielen, der Abstieg nach einer Saison wurde allerdings durch den Derbysieg beim HSV versüßt.
- heute: 2. Bundesliga

 

FC Bayer 05 Uerdingen

Fußballclub Bayer 05 Uerdingen
(1978/79: 0:3 Auswärts, 1:1 Heim)
Im Jahr 1953 schloss sich der FC Uerdingen 05 mit der Betriebssportgruppe der Bayer AG zusammen – eine Liaison die bis 1995 halten sollte. Mit dem potenten Sponsor im Rücken gelangen mehrere Aufstiege: 1956 in die Landesliga, 1963 in die Verbandsliga Niederrhein und 1971 in die Regionalliga West (damals die zweithöchste Spielklasse). Dank guter Platzierungen gehörte man 1974 zu den Gründungsmitgliedern der 2. Bundesliga Nord, und durfte am Ende der ersten Saison nach dem Sieg im Aufstiegsspiel gegen den Süd-Vertreter FK Pirmasens bis in die 1. Bundesliga hoch. Dort hielt man sich allerdings zunächst nur eine Spielzeit auf, konnte aber im darauffolgenden Jahr im DFB-Pokal durchstarten: Erst im Halbfinale fand man mit der Hertha aus Berlin seinen Meister. 1979 bis 1981 war man wieder erstklassig, ehe nach einem Jahr in der 2. Bundesliga die erfolgreichste Periode der Vereinsgeschichte folgen sollte. Mit einem Finalsieg über den FC Bayern holte man 1985 den DFB-Pokal, Grundstein für das „Wunder von der Grotenburg": Mit 0:2 hatte man das Viertelfinal-Hinspiel im Europapokal der Pokalsieger bei Dynamo Dresden verloren und lag zur Halbzeit beim Rückspiel scheinbar aussichtslos mit 1:3 hinten. Am Ende stand auf der Anzeigetafel das Ergebnis von 7:3. An der Seitenlinie stand beim laut 11Freunde „besten Fußballspiel aller Zeiten" Kalli Feldkamp, der den Verein 1987 in Richtung Eintracht Frankfurt verließ. Anfang der 1990er entwickelte sich der Verein zur Fahrstuhlmannschaft. 1994/95 hatte man sportlich zwar den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga geschafft, musste aber den Rückzug des Hauptsponsors Bayer verkraften. Als KFC Uerdingen kämpfte man mit einer angespannten finanziellen Lage und konnte nur unter Mühen die Drittklassigkeit halten. 2004 entzog der DFB den Krefeldern die Regionalliga-Lizenz, weshalb man fortan nur noch in der viertklassigen Oberliga spielen durfte. Immer wieder stand der Verein kurz vorm Bankrott (auch hier sprang der FC Bayern zu einem Retterspiel ein), sportlich ging es hinab bis in die sechstklassige Niederrheinliga. Aktuell zeigt das Formbarometer wieder etwas nach oben: In der Saison 2012/13 meisterte man die Hinrunde in der Oberliga ohne Niederlage und stieg am Ende vorzeitig in die Regionalliga auf.
- heute: Regionalliga West (1995 umbenannt in KFC Uerdingen 05)

 

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Deutscher Sport-Club Wanne-Eickel
(1978/79: 3:1 Heim, 1:1 Auswärts, 1979/80: 1:3 Heim, 2:4 Auswärts)
1971 entstand die Fußballabteilung des erst 1969 gegründeten Vereins. Dank einer Fusion konnte man bereits auf einem höheren Niveau beginnen und schaffte nach einem steilen Aufstieg schließlich gegen 1. SC Göttingen 05 und dem VfL Wolfsburg den Sprung in die zweithöchste Spielklasse. Trotz für einen Aufsteiger guter Resultate entschied man sich, aus finanziellen Gründen auf eine Lizenz für eine eventuelle Spielzeit 1980/1981 zu verzichten und ging den Weg in die drittklassige Oberliga, wo man sich in den Folgejahren etablieren konnte. Größter Erfolg war in dieser Zeit die Finalteilnahme an der Deutschen Amateurmeisterschaft, was man dann gegen Werder Bremens Amateure verlor. Man rutschte bis in die 5. Liga ab. Durch einige Ligenreformen und einem aus bürokratischen Gründen nicht realisiertem Oberligaaufstieg findet man sich heute in der Westfalenliga wieder. Dort musste man zuletzt Niederlagen zum Beispiel gegen Langscheid/Enkhausen hinnehmen, was den eigenen Trainer zur Aussage veranlasste, man spiele „desolat und peinlich."
Heimspielstätte des DSC ist übrigens der Sportpark Wanne-Süd, der inzwischen auf den Sponsorennamen „Mondpalast-Arena" hört und damit das erste Stadion in Deutschland ist, welches nach einer Theater benannt ist.
- heute: Westfalenliga (6. Liga)

 

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Sportgemeinschaft 09 Wattenscheid
(1978/79: 0:2 Auswärts, 1:0 Heim, 1979/80: 1:3 Auswärts, 2:1 Heim, 1980/81: 2:0 Heim, 2:4 Auswärts)
Die heutige SG Wattenscheid 09 wurde unmittelbar nach Kriegsende gegründet, das 09 im Namen übernahm man von einem der Vorgängervereine, dem Ballspiel-Verein 1909 Wattenscheid. Bis Ende der 1960er pendelte man zwischen Zweit- und Drittklassigkeit, ehe 1969 durch den Aufstieg in die Regionalliga eine Aufbruchstimmung in der damals noch selbstständigen Stadt ausgelöst wurde. Zusätzlich stieg Mäzen Klaus Steilmann bei den Schwarz-Weißen ein. 1972 übernahm Kalli Feldkamp das Traineramt, damals noch ein Neuling auf dieser Position und führte den Verein in die 2. Bundesliga Nord. Dort musste man sich zunächst ein wenig einleben, schaffte 1981 aber die Qualifikation für die „Eingleisige". Diese konnte man die gesamten 1980er hindurch halten (1985-87 unter der Regie des späteren Holstein-Trainers Hans-Werner Moors), allerdings ohne große Ausreißer nach oben. Die Vizemeisterschaft und der damit verbundene Aufstieg in die 1. Bundesliga gelang in der 1989/90 unter Trainer Hannes Bongartz. Dieser Aufstieg wurde vom damaligen Manager des FC Bayern, Uli Hoeneß, mit den Worten kommentiert, es sei „das Schlimmste, was der Bundesliga passieren konnte." Grund: Das Image einer „grauen Maus" und äußerst überschaubare Zuschauerzahlen. Ein Jahr später versaute die „graue Maus" den Münchnern die Meisterschaft. Noch drei weitere Jahre konnte der Verein sich auf dem höchsten Liga-Level halten, dann konnte auch Britta Steilmann, Tochter des Club-Mäzens und zwischenzeitlich Managerin der Wattenscheider den Abstieg nicht mehr verhindern. Zunächst pendelte man zwischen der 2. Bundesliga und der Regionalliga, nach dem Ausstieg Steilmanns bewegte man sich dauerhaft unterhalb der zweiten Liga. 2007 drohte dem Verein sogar die Insolvenz, die allerdings abgewendet werden konnte. Inzwischen setzt man sich sogar wieder etwas höhere Ziele, vielleicht auch wegen der hervorragenden Jugendarbeit, der unter anderem Pierre-Michel Lasogga, die Altintop-Brüder, Yildiray Baştürk, Marius Ebbers oder auch ein Michael Skibbe entstammen.
- heute: Regionalliga West (4. Liga)

 

Wuppertaler SV

Wuppertaler Sport-Verein
(1978/79: 0:5 Auswärts, 0:0 Heim, 1979/80: 2:3 Auswärts, 1:1 Heim)
Drei Jahre Bundesliga von 1972 bis 1975, Teilnahme am UEFA-Pokal 1973/74 (Erstrunden-Aus gegen Ruch Chorzów) – mit Abstand die erfolgreichste Zeit eines Vereins, der heute finanziell angeschlagen nur noch fünftklassig ist. Auf die „große Zeit" folgten in den 1970ern immerhin noch fünf Jahre in der 2. Bundesliga Nord. Danach blieb man, von einem kurzen Intermezzo in der 2. Bundesliga Anfang der 1990er abgesehen, drittklassig. Zur Jahrtausendwende stieg Wuppertal sogar bis in die vierte Liga ab, dies hatte aber weniger sportliche Gründe. Der Verein hatte vergessen Beiträge für die Berufsgenossenschaft zu leisten. Trotz vehementer Versuche sollte die Rückkehr in die 2. Bundesliga bis heute nicht gelingen, immerhin durfte sich der Verein aber zu den Gründungsmitgliedern der 3. Liga zählen. Doch brachte auch dies dem WSV kein Glück und man stieg weiter ab in die Regionalliga. Die Schuld an dieser Misere wurde von Fans unter anderem dem langjährigen Präsidenten Friedhelm Runge gegeben, der auch gleichzeitig der Geschäftsführer des Hauptsponsors war und zusätzlich Geld aus seinem Privatvermögen investierte. Mit seinem Rücktritt im Winter 2013 fehlte dem Verein von Stadion am Zoo nachfolgend ein Hauptsponsor, weshalb man im Sommer des gleichen Jahres Insolvenz beantragen musste.
- heute: Oberliga Niederrhein (5. Liga)

 

Damit wäre geklärt, wo Holsteins Gegner aus Zweitligazeiten so abgeblieben sind. Von insgesamt 31 Teams spielen nur sieben höher als die KSV, mit zwei Mannschaften gibt es derzeit ein Wiedersehen in Liga 3 - der mit 18 Teams größte Anteil spielt allerdings in der Regionalliga oder niedriger, womit das eingangs erwähnte "3. Holsteinische Gesetz" wiederlegt wäre. 

 

Ligalevel Mannschaften Anzahl
1. Bundesliga Hertha BSC, Eintracht Braunschweig, Werder Bremen, Hannover 96, Bayer Leverkusen 5
2. Bundesliga Arminia Bielefeld, FC St. Pauli 2

3. Liga

logo holstein

Preußen Münster, VfL Osnabrück 2
Regionalliga Alemannia Aachen, Rot-Weiss Essen, Fortuna Köln, Rot-Weiß Oberhausen, VfB Oldenburg, KFC Uerdingen (Bayer 05), Wattenscheid 09 7
Oberliga Spielvereinigung Erkenschwick, Westfalia Herne, Wuppertaler SV 3
6. Liga Tennis Borussia, 1. FC Bocholt, OSC Bremerhaven, Arminia Hannover, OSV Hannover, DSC Wanne-Eickel 6
7. Liga SC Herford 1
8. Liga Rot-Weiß Lüdenscheid 1
aufgelöst Wacker 04 Berlin, 1. SC Göttingen 05, SC Viktoria Köln, SG Union Solingen 4

 

Vier Vereine sind sogar inzwischen komplett Geschichte, bzw. werden nur noch durch Nachfolgevereine repräsentiert. Eigentlich kann man als Holstein-Fan mit der 3. Liga ziemlich zufrieden sein. Angesichts (ehemaliger) großer Namen, die auf Ligalevel vier bis sechs in Wartestellung stehen, sollte man das "Zurückrutschen durch den Flaschenhals" aber auf jeden Fall verhindern.

 

In diesem Sinne: Auf ein erfolgreiches 2014! 

 
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