Das Problem ist nicht neu, hat sich aber nach Ansicht vieler in den letzten Jahren verschärft: Während in den Profiligen immer wieder neue Rekordsummen aufgerufen werden, kämpfen die Clubs in den unteren Ligen, darunter auch einstige "große" Traditionsvereine ums Überleben, ja teilweise sogar einfach um Wahrnehmung.

Ähnlich wie bei der Kampagne "Non League Day" in England möchten einige Amateurfußballinteressierte der Republik nun auch in Deutschland den Fokus wieder mehr auf die unteren Spielklassen richten, welche bis auf einige Ausnahmen nicht gerade im Blickfeld des Medien- und Zuschauerinteresses stehen.

 

GaSaTestbildShirt

 

Zu diesem Zweck gründete sich vor einem halben Jahr die Initiative „Glotze aus, Stadion an", welche den gemeinen bundesligaerprobten Fußballfan mal wieder für den lokalen Verein sensibilisieren soll. Die CCK hat sechs Monate nach Gründung mal nachgefragt, was seitdem so passiert ist.

 

CCK: Seit wann gibt es eure Kampagne und welche Ziele habt ihr?

GASA: Gegründet wurde die Initiative quasi aus einer Online-Lawinenbewegung heraus im Juni 2013. Ursprünglich war es mehr eine Aktion für das Umfeld des 1. SC Göttingen 05, aber der Slogan GLOTZE AUS, STADION AN! fand schnell ein positives Echo bei anderen Fanszenen und hat sich als gemeinsame Idee ausgebreitet.


Die vorrangigen Ziele von GASA sind vor allem erst einmal das Schaffen von Öffentlichkeit für die Probleme des Amateurfußballs, die sich letztlich in geringen Zuschauerzahlen in den Stadien ausdrücken. Der Titel der Kampagne impliziert natürlich auch ein Kampfansage an das Pay-TV und die damit verbundene Unterwanderung der Amateursonntage. Im Konkreten soll GASA die Fanszenen dazu anregen, sich selber vor Ort Gedanken zu machen und Ideen zur Verbesserung der Situation ihres Clubs zu entwickeln.
Mittelfristig wollen wir gemeinsam Konzepte entwickeln, die die Situation der Amateurclubs verbessern und die auch von den Verbänden ernst genommen werden. Bei den Amateurclubs ist der Anteil aktiver Fans im Verhältnis zu den klassischen Stadionbesuchern wesentlich höher als bei den Profis. Das hat natürlich mit den geringen Zuschauerzahlen zu tun. Wir glauben, dass dieser Umstand aber auch unseren Stimmen sehr viel Gewicht gibt. Dieses Gewicht wollen wir gerne in die Waagschale legen.
Das sehnlichste Ziel von GASA ist, die kleinen Stadien wieder mit Fußballfans zu füllen. Wenn nur 50 Menschen mehr zum sonntäglichen Kick kommen, ist das für viele Clubs schon eine große Sache.

CCK: Gab es einen bestimmten Moment, den ihr als Initialzündung für die Kampagne nennen könnt?

GASA: Ja, der fand schon eine Woche nach Erwähnung der Idee im Forum statt und war wohl das Interview mit 11 FREUNDE Online. Da wusste wir, dass GASA als Sache mit Potential wahr genommen wird. Natürlich explodierte in diesem Moment auch die Unterstützerliste. Da gab es dann kein zurück mehr. Wäre ja sonst auch peinlich gewesen...

CCK: Welche Vereine/Fangruppen sind alles in GASA involviert?

GASA: Zuvorderst ist GASA eine Faninitiative, und darauf legen wir auch viel Wert. Wir glauben, dass die kleinen aber feinen Amateurszenen sehr viel für ihre Clubs bewegen und bewirken und wir wollen auch frei heraus über die hausgemachten Fehler der Vereine sprechen können. Selbige sind nämlich nicht selten ein Kern des Scheiterns. Clubs dürfen und sollen natürlich die Sache gerne bewerben, schließlich geht es letztendlich ja um sie, aber echte Unterstützer können nur Supporter sein. Für Vereine, die auf die Suche nach aktiven Fans gehen wollen, haben wir die Aktion VEREIN SUCHT FANS auf dem Blog installiert. Hier können sich Amateurclubs von ihrer besten Seite zeigen und für sich werben.
Inzwischen sind mehr als 40 Fanszenen und -gruppen Unterstützer von GASA.

 

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Unterstützung auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn

 

Deren Vereine sind größtenteils in der nördlichen Hälfte Deutschlands zu finden sind, aber dort vom Pott bis nach Berlin. Im Süden sind wir kaum vertreten, dafür haben wir sogar Supporter eines Schweizer Vereins an Bord. Nennen möchte ich hier keine ausgewählten Gruppen; einen Einblick in alle unterstützenden Szenen kann man sich auf der Seitenleiste unserer Blogs verschaffen.

CCK: Wie funktioniert die Vernetzung untereinander?

GASA: Die Vernetzung ist tatsächlich eher schwierig. Amateurfanszenen sind sehr klein und die Ressourcen eingeschränkt. Es gibt befreundete Gruppen, die sich öfter sehen und natürlich das überaus beliebte Groundhopping, das immer wieder Vertreter von Gruppen in andere Stadien führt und dort Kontaktaufnahmen ermöglicht. Zugegebenermaßen hat GASA aber bis jetzt nur dezentral Blüten getragen. Das heißt, dass die Gruppen vor Ort bei sich im Stadion und auf der Straße die Initiative als gemeinsamen Nenner genutzt hat, um auf die Situation ihres Clubs aufmerksam zu machen.
Dankenswerterweise haben aber NordKaos von Victoria Hamburg ihre Energie und Schaffenskraft ins Rennen geworfen, um am 28.12. das erste Vernetzungstreffen auszurichten. Da freuen wir uns schon sehr drauf. Wir erwarten etwa 30-40 Leute.

CCK: Inwieweit ist GASA in den Medien präsent?

GASA: Tatsächlich haben schon einige Fußballmedien über GASA berichtet. Das österreichische Fußballmagazin ballesterer hat uns im November einen Artikel gewidmet und die regionaler Zeitschrift nordvier sogar ganze 8 Seiten in der aktuellen Ausgabe. Darüber hinaus haben wir online an vielen Stellen Aufmerksamkeit gefunden. Das geht hin bis zur Webseite des DFB und dem englischen Blog von „When Saturday comes".
Das große Interesse zeigt uns vor allem, dass die Schwierigkeiten der Amateurclubs als zeitgemäß gesehen und die Initiative daher mit großem Wohlwollen aufgenommen wird. Wir sehen das natürlich als Antrieb auch mehr sein zu wollen, als ein unterhaltsames Phänomen. Hoffentlich können wir diesem Anspruch gerecht werden.

CCK: Spürt ihr schon positive Auswirkungen der Kampagne?

GASA: Dass GASA jetzt konkret etwas am Zuschauernotstand in den Stadien geändert hätte, kann man nicht sagen. Vielleicht ist es ja auch noch zu früh, um das abschätzen zu können. Für derart massive Auswirkungen hat die Initiative aber wohl auch noch nicht genug öffentlichkeitswirksamen Druck.
Die positivste Auswirkung derzeit ist wohl, dass einige Fanszenen und Clubs die Initiative genutzt haben, ihr Selbstverständnis zu hinterfragen und den Impuls genutzt haben, um sich öffentlich stärker zu präsentieren. Dabei ist GASA aber wohl mehr ein Funke, als ein Flächenbrand. Aber wenn dieser Funke hier und da reicht, um das Potential zu entwickeln, ist das ein großer Erfolg. Es wird über die Schwierigkeiten der Amateurligen gesprochen und die Initiative trägt vielleicht dazu bei, dass dies öfters geschieht.
Ein besonderer Erfolg ist sicher auch das Stattfinden des Vernetzungstreffens, bei dem sich sehr unterschiedliche Supportergruppierungen treffen, um gemeinsam über Ziele und Ausrichtung der Initiative zu beraten. Wir wollen das Treffen nutzen, um die Kräfte zu bündeln. Im Januar werden wir GASA dann auch auf dem Fankongress in Berlin präsentieren.
Spüren können wir in jedem Fall die Zustimmung, die GASA entgegen schlägt. Wenn ein Fan mit dem Initiativen-Shirt im Zug von Menschen darauf angesprochen wird und sich lange Gespräch entspinnen, über die „gute alte Zeit", als das kleine Stadion in der Stadt noch gefüllt war und Erinnerungen an eine Kindheit in der Kurve geweckt werden, dann ist das ein Zeichen für eine Bedürfnis. Und dann ist am nächsten Heimspielsonntag eigentlich nur eine ganz unspektakuläre Maßnahme erforderlich: GLOTZE AUS,STADION AN!

 

Vielen Dank an Dirk für das kleine Interview!

GLOTZE AUS, STADION AN!

weitere Infos: Glotze aus, Stadion an

 
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