Viele kennen ihn: Den Kater am Morgen nach der Party. Der pelzige Geschmack auf der Zunge, die Kopfschmerzen und wenn es ganz dumm gelaufen ist, dreht sich einem der Magen um, sobald man sich etwas schneller bewegt. Ein ähnliches Gefühl scheint nun auch bei Holstein Kiel Einzug zu halten. Die letzten Jahre schienen für Verein und Fans eine einzige große Party. Spätestens mit dem Spiel in Großaspach vor genau zwei Jahren begaben wir uns in den endgültigen Partymodus. Es folgte eine sensationelle Saison mit großartigen Spielen und einem Finale, das keiner erwartet hatte.

 

Aufstieg 3

 

Aufstieg 2

 

Aufstieg 1

 

WOB 2

 

WOB

 

WOB 5

 

WOB 4

 

Anfang

 

Obwohl der Abgang einiger Leistungsträger und vor allem des Trainers feststand, wurde in der Relegation zur ersten Bundesliga nochmal ein Feuerwerk abgebrannt. Dass es am Ende trotzdem nicht reichte, störte irgendwie niemanden. Natürlich stellte sich in der Sommerpause ein leichtes Stechen in der Magengrube ein, als einem bewusst wurde, dass die zweite Saison durchaus schwieriger werden könnte und ja auch noch dieser ominöse Relegationsfluch im Hinterkopf war. Spätestens nach dem Auftakt im Volksparkstadion, bei dem wir den Hamburger SV entgegen der Erwartung vieler – vor allem Felix Magath (Wer erinnert sich nicht an seine Aussage auf dem roten Sofa beim NDR, wenige Stunden vor Anpfiff, der HSV würde das Spiel klar 4:0 gewinnen?) – drei Tore einschenkten und damit das offizielle Saisoneröffnungsspiel gewannen, war der Maschinentelegraf wieder auf Vollgas gestellt. Obwohl die Störche im Saisonverlauf nie in den Top drei mitmischten, behielten sie stets den Anschluss. Und so war es nicht verwunderlich, dass auch die Fans weiter euphorisch die Mannschaft anfeuerten und es nicht lassen konnten, zumindest auf den Relegationsplatz zu schielen.

 

 

HSV 1

 

HSV 2

 

HSV 3

 

HSV

 

FCSP

 

DD

 

AUe

  

Doch irgendwann im Laufe der Rückrunde stellte sich ein fades Gefühl ein. Im Winter gingen Dominic Peitz und Fußballgott Patrick Herrmann, der Abgang Kingsley Schindlers und David Kinsombis zum Saisonende wurde angekündigt, erste Wechselgerüchte um Kenneth Kronholm und die Begehrlichkeiten hochkarätiger Bundesligaclubs an unserem Trainer Tim Walter – all das begann an einem zu nagen. So ist das Geschäft, mag man sagen, aber das auch das eigentlich so hochgelobte und attraktive Spiel Holsteins unter dem ganzen Profi-Zirkus litt, war nicht von der Hand zu weisen. Die Störche schienen sich schwerer zu tun, wichtige Punkte blieben liegen und am 32. Spieltag ging auch die letzte kleine Chance auf das I-Tüpfelchen der Saison – die Chance auf eine erneute Relegation – dahin. Dazu verdichteten sich die die Wechselgerüchte hinsichtlich Walter und Kronholm zunehmend.

 

Herrmi

 

Kenny

 

Da war klar – die Party war vorbei. Wir wachten mit einem dicken Schädel auf dem nackten, kalten Boden der Tatsachen auf. Da half auch nicht der souveräne Sieg gegen Dynamo Dresden am vorletzten Spieltag. Schon da spürte man: Die Luft ist raus – drei Punkte hin oder her – es geht höchstens noch um die Ehre (also vor dem FC St. Pauli zu bleiben).

 

Zeit also, Bilanz zu ziehen. Heute vor zwei Jahren – um 15:18 Uhr - stieg Holstein nach 36 Jahren wieder in die 2. Bundesliga auf. Nicht wenige waren davon überzeugt, dass es schwer würde und Holstein nur gegen Abstieg spielen würde. Was folgte waren zwei tolle Spielzeiten mit großartigen Siegen, eine sensationelle Weiterentwicklung der Mannschaft, des Stadions, der Zuschauerzahlen. Wir haben zwei bis dahin nur eingefleischten Experten bekannten Trainern den Weg auf die große Fußballbühne geebnet. Spieler, haben sich bei uns weiterentwickelt und ihre Marktwerte vervielfacht. Der Fußball, den die Störche heute Spielen, ist nicht im Geringsten mit dem zu vergleichen, den wir noch vor weniger als zehn Jahren in der Regionalliga zu sehen bekommen haben. Die Gegner heißen nicht mehr BSV Rehden oder TSV Havelse.

 

Die Gegner heißen in der kommenden Saison Hannover 96, Hamburger SV und 1. FC Nürnberg. Müssen wir also diesen Kater haben? Müssen wir mit dem aktuellen Tabellenplatz oder dem vermeintlich verpassten Erfolg des Aufstieges hadern? Hierüber kann sich natürlich jeder eine eigene Meinung bilden. Aber die Saison ist noch nicht vorbei. Also warum nicht auf Bildungsreise nach Bielefeld gehen? Am kommenden Sonntag wollen wir nochmal den Gästeblock voll machen, uns bei der Mannschaft und dem Trainer bedanken, dass wir so viel Spaß haben durften und der 2. Bundesliga zeigen, warum wir genau hier hin gehören.

 

Danke

 
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok