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Benjamin Schüßler – ein Name, der einem auch als Holsteinfan bekannt ist. Der heute 34-jährige schnürte von Januar 2010 bis Sommer 2011 seine Fußballschuhe für die KSV Holstein.

 

Seine Karriere begonnen hat der Mittelfeldspieler beim 1. FC Magdeburg. Dort erreichte der talentierte Nachwuchsspieler das Halbfinale um die Deutsche B-Jugend-Meisterschaft und gewann den DFB-Junioren-Vereinspokal. Über Borussia Mönchengladbach, VfL Osnabrück, SC Paderborn und Rot-Weiß Oberhausen führte ihn sein Weg dann an die Kieler Förde. Doch der Wechsel in den Norden brachte ihm kein Glück – nach nur vier Einsätzen bremste ein Kreuzbandriss seine Karriere bei den Störchen. Insgesamt sollten es in anderthalb Jahren 18 Ligaspiele werden.

 

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Ein positiver Moment aus dem März 2011: Benjamin Schüssler als Storch feiert den Auswärtssieg bei der Zweiten des FC Energie Cottbus.

 

Bevor er im Anschluss in Velbert und nachfolgend beim Niederrheinligisten SV Hönnepel-Niedermörmter einen neuen Verein fand, folgte eine Spielzeit bei der VDV – der Spielergewerkschaft. Ohne neues Engagement hielt er sich hier gemeinsam mit den ehemaligen Kielern wie Christian Mikolajczak und Julian Lüttmann unter Trainer Christian Wück fit. Über die Kicker des „FC Arbeitslos“ erschien in diesem Jahr der Film „Zweikämpfer“. Eine gute Gelegenheit sich mal wieder beim gebürtigen Magdeburger zu melden.

 

CCK: Moin Benjamin, wie geht es Dir - und haben sich aufgrund der zu erwartenden Filmkarriere schon Agenten gemeldet?

Benjamin: Moin. Mir geht es sehr gut. Arbeit läuft, Fußball nur noch nebenbei. Ein Agent hat sich noch nicht gemeldet. Das wird aber, glaube ich, auch nicht mehr passieren (lacht).

 

Aber immerhin bist Du unter anderem beim 11mm-Filmfest in Berlin im Dokumentarfilm „Zweikämpfer“ zu sehen.

Ja, das stimmt. Ein Film, in dem auch mal eine andere Seite des Sports gezeigt wird, den wir alle so lieben.

 

Konkret beginnt „Zweikämpfer“ mit dem VDV-Camp, das vom Juli bis zum September 2011 stattfand, direkt nach deiner Zeit bei Holstein. Für Nicht-Profifußballer ist das sicher nicht ganz einfach nachzuvollziehen, wie man sich in der Situation fühlt...

Schwer zu sagen, auf jeden Fall ein komisches Gefühl. Mein Vertrag wurde bei Holstein nicht verlängert und über den Sommer kam auch nicht anderes. Dann kam das Camp, wo eigentlich keiner hin will. Schließlich ist das für viele das erste Zeichen, dass es mit der Karriere so langsam zuende geht.

 

Und in dieser Situation solltet ihr dann noch gefilmt werden. Wie kam es dazu – und vor allem wie war Deine persönliche Reaktion?

Mehdi (Benhadj-Djilali, der Regisseur von „Zweikämpfer“, Anm. der Redaktion) fand das VdV-Camp interessant. Er kannte es vorher noch gar nicht und hatte sich gedacht, es könnte ganz interessant sein, das mal zu dokumentieren. Die VDV war einverstanden damit, wir wurden gleich Beginn gefragt, ob das okay sei. War es auch für alle.

 

Ich selbst hab das zunächst recht nüchtern gesehen und die Kamera eigentlich gar nicht wahrgenommen. Mehdi war auch wie einer von uns, dadurch dass er immer da war. Wir waren ja auch teilweise verkabelt, das habe ich nachher auch gar nicht mehr wahrgenommen. Am Anfang hatte man sich immer noch ein bisschen zurückgenommen.

 

Wie hat man sich so ein Camp eigentlich vorzustellen? Wie ein normales Trainingslager? Ich kann mir vorstellen, dass zumindest die Stimmung schon etwas anders ist, wenn es sich nicht um ein bewusst zusammengestelltes Team handelt und man als Spieler lieber woanders wäre...

Man kann es sich im Prinzip so vorstellen wie eine ganz normale Fußballmannschaft, die sich auf die neue Saison vorbereitet. Natürlich mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass diese Truppe sich für neue Vereine empfehlen will. Die Bedingungen im Camp sind absolut professionell. Die Stimmung hängt immer von jedem Einzelnen ab.

 

Ich glaube wir hatten in dem Jahr charakterlich eine sehr starke Gemeinschaft, so dass wir die Gesamtsituation eher mit Humor aufgenommen haben, als Trübsal zu blasen. Aber natürlich gab es auch den ein oder anderen depriemierenden Moment. Vor allen Dingen zum Ende hin, wenn einem bewusst wird, dass es wahrscheinlich nichts mehr wird mit einem Engagement im Profigeschäft.

 

 

Inwiefern wurdet ihr dann im Anschluss noch begleitet?

Der Kontakt ist eigentlich nie abgerissen. Direkt nach dem Camp ging es für einen Teil von uns, auch für mich, nach Vietnam zu einem Jobcasting. Als feststand, wer mitfliegt, hat Mehdi diejenigen begleitet. Auch privat. Zum Beispiel war er auch bei meinem Umzug in Kiel dabei. Näher dran geht wohl wirklich nicht.

 

Klingt so, als wenn zu Beginn noch gar nicht wirklich feststand, wo „die Reise“ hingeht.

Ja, genau. Schließlich war nie vorauszusehen, was passieren wird oder wo der Film enden wird. Das war für den Regisseur natürlich auch ein gewisses Risiko.

 

 

ZWEIKÄMPFER – TRAILER from Mehdi Benhadj-Djilali on Vimeo.

 

Von 2011 bis 2016 sind ja auch immerhin fünf Jahre. Wie war es dann, als Du das Ergebnis das erste Mal gesehen hast?

Komisch – aber ehrlich gesagt auch ein cooles Gefühl, sich das erste Mal auf Leinwand zu sehen. Klar, als Fußballer hat man sich natürlich schon öfter Mal im Fernsehen gesehen, aber Kino war doch was anderes. Wir hatten zwar ne Kopie bekommen, ich habe mir den Film aber nicht vorher angesehen. Ich wollte ihn im Kino sehen. Allerdings musste ich ihn auch zwei bis drei Mal schauen, um alles zu begreifen.

 

Und wie würdest du, ohne zu sehr ins Detail zu gehen, den Film beschreiben? Tragisch, unterhaltsam oder vielleicht sogar ein kleiner „Warnhinweis“ an junge Spieler?

Tragisch, so weit würde ich jetzt nicht gehen. Aber „Warnhinweis“ trifft es vielleicht sogar ganz gut. Das ist es auch, was den Film für viele interessant macht. Wie viele junge Spieler werden darüber aufgeklärt, werden darauf vorbereitet, wie schnell alles vorbei sein kann? Egal ob Oberliga, Regionalliga oder 3. Liga, aber auch 2. Bundesliga. Wer ist denn nach der Karriere in der Situation ausgesorgt zu haben? Der Großteil definitv nicht.

 

An das Karriereende denkt man als junger Mensch mit dem ersten Profivertrag vielleicht noch nicht..

Da spielt natürlich die Familie eine riesen Rolle und das soziale Umfeld, was dich erdet. Aber gerade mit 18 oder 19 gibt es so viele Einflüsse, die auf dich einprasseln, wenn es mit der „großen Karriere“ losgeht. Von daher ist es auch wichtig zu zeigen, wie schnell es vorbei sein kann.

 

Und für Nicht-Fußballer zudem ein Blick „hinter die Kulissen“?

Ja, wie ich schon sagte: Ein Blick auf eine andere Seite des Fußballs. Schließlich sind immer noch Menschen. Und egal, ob du gewinnst oder verlierst, es ist immer noch derselbe Mensch. Das vergessen viele.

 

Eigentlich ein schönes Schlusswort – aber als Magdeburger mit KSV-Vergangenheit kann ich Dich nicht ohne einen Tipp für den Sonntag entlassen.

Oh, da halte ich es doch mit meinem Heimatverein. Zuhause ist der FCM auch wirklich eine Macht. Obwohl Holstein die Punkte sicher im Moment bessser gebrauchen kann, tippe ich dennoch auf einen knappen 2:1-Heimsieg.