Was bewegt uns? Worüber ärgern wir uns, worüber freuen wir uns? Was gibt es Neues? Und wie war es eigentlich damals? Das alles und noch viel mehr findet der CCK-Leser hier:

 

 

Warum sollen für Holstein andere Regeln gelten als für andere Vereine? Das war doch lange bekannt, dass die mit dem Stadion nicht durchkommen! Die haben doch Millionen statt ins Stadion in ihren Kader gepumpt und sich damit einen sportlichen Vorteil verschafft.

 

Den "Störchen" werden im Moment genau so viele Expertenmeinungen zuteil, wie sonst nur der Nationalmannschaft. Diskussionen werden mit Leidenschaft, aber zu häufig ohne Wissen geführt. Ein nicht selten im Internet anzutreffendes Phänomen. Doch dieses Mal betrifft es eben meinen Verein. Deshalb freut die große Welle der Solidarität, trotz des wenig erfreulichen Anlasses. Tatsächlich geht es meiner Meinung nach aber um mehr als um Holstein Kiel. Vielleicht können das ein paar Menschen nach diesen Zeilen nachvollziehen.

 

Es sind schon höchst emotionale Zeiten, welche die Fans von Holstein Kiel derzeit durchleben. Gab es vor ein paar Jahren am Montagmorgen nur ein kurzes Gespräch über die Leistungen der KSV („Und, was sachst zu Holstein?“ - „Ja, müssen wir nicht weiter drüber reden.“) und das auch nur für den Fall, dass tatsächlich zwei Holstein-Fans auf einmal anwesend waren, hat sich der Verein von der Förde inzwischen zu einem 24/7-Thema gewandelt. Um es dahin zu schaffen, hätte der von der Teilnahme an der Relegation um den Aufstieg in die 1. Bundesliga gekrönte Offensivfußball der Störche schon ausgereicht. Diskussionen um den Trainer und sonstige kleine Störfeuer gab es gratis dazu – angekommen im großen Geschäft Fußball. Business as usual also?

 

Stadion

 

Nein, denn in den letzten Tagen wurde Holstein Kiel von einer so noch nicht erlebten Solidaritätswelle überrollt, als bekannt wurde, dass die Spielstätte am Westring nicht mit dem „Premiumprodukt Bundesliga“ kompatibel sei. Wohlgemerkt nur wenige Tage nachdem die Vereinsoberen mit der geplanten und glücklicherweise wieder zurückgenommenen Ausgliederung der Holstein Women nur knapp am potenziell größten Shit-Storm 2018 vorbei geschliddert waren. Nun aber zerschellte DER sportliche Höhenflug an den Auflagen der DFL. Zumindest sieht es derzeit so aus.

 

Sofort meldeten sich einige „Trolle“ im Netz. Holstein hätte sich verpokert, habe statt in Steine lieber in Beine investiert. Diese etwas irrwitzige Theorie ließ sich relativ einfach mit einem Blick auf die Etats der Liga widerlegen. Auch andere Kommentare strotzen von Unwissenheit (wobei in der emotionalen Debatte auch die andere Seite mit selbiger glänzte). Ironischerweise kamen die überflüssigsten Sprüche häufig von denjenigen, die sonst jede Gelegenheit nutzen, um ein „Scheiß DFB“ oder „Scheiß DFL“ irgendwo in den Sozialen Medien zu posten. Die Erklärung war in nicht wenigen Fällen im enttäuschenden Abschneiden des eigenen Zweitligateams zu finden.

 

Die überwältigende Mehrheit solidarisierte sich aber mit dem Traditionsverein an der Förde. Gerade deshalb, weil die KSV wirtschaftlich sich in der Vergangenheit nie überhoben hatte, kein neues Stadion „auf pump“ gebaut hatte. Die für die 2. Liga notwendigen Erweiterungen wurden auf den Weg gebracht, aber keine Luftschlösser gebaut. Dass Holstein nach nur einer Spielzeit bereits am Tor zur Bundesliga anklopfen würde, hätte realistisch keiner ahnen können.

 

DFB-Pokal kein Problem, 2. Bundesliga geht auch – nur für das Oberhaus des deutschen Fußball ist die Spielstätte nicht geeignet. Wohl gemerkt geht es nicht um Sicherheitsaspekte, nicht um die Kabinen, nicht um das Flutlicht, sondern einzig und alleine um die Anzahl der Plätze. Zugegeben, die 15.000 Plätze, wovon 8.000 Sitzplätze sein müssen, werden nicht einmal nach dem Neubau der Osttribüne erreicht. Dieser Fakt kann nicht wegdiskutiert werden. Trotzdem bleibt es aber diskussionswürdig, warum ein Stadion exakt dieses Fassungsvermögen haben muss. Der AFC Bournemouth freut sich bei 11.464 Zuschauern über „sold out“ in der Premier League, das Estadio Municipal de Ipurua vom SD Eibar mit seinen 6.285 Plätzen bereitet den Offiziellen der Primera División ebenfalls keine Sorgen. England und Spanien sind natürlich nicht Deutschland, doch zeigen die Beispiele, dass der große Fußball auch mit einem „gallischen Dorf“ leben kann, vielleicht sogar um eine interessante Geschichte reicher wird.

Falls irgendjemand es für „normal“ hält, was da gestern passiert ist: Vor sechs Jahren befanden sich beim letzten Auswärtsspiel 120 Kieler und ein Fuchs im Gästeblock des Berliner Poststadions. 2018 sind es 4.000 blau-weiß-rote Schlachtenbummler, die den Einzug in die Relegation um die Bundesliga feiern. Kann mich mal einer kneifen?

 

wowirherkommen

 

Fuckin unbelievable...

5. Mai ist Weltfischbrötchentag. CCK und 1912FM fordern: Fischbrötchen fürs Holstein-Stadion!

 

Weltfischbrötchentagflyer

 

...denn ein Stadion ohne Fischbrötchen ist kein norddeutsches Stadion!

*Calcio Culinaria sucht den Markus-Anfang-Nachfolger

 

Seit Mittwoch ist es nun offiziell, dass Markus Anfang die Störche mit Ende der Saison verlassen wird. Spästens damit ist die Suche und Diskussion um den potenziellen Nachfolger auf den Trainerposten an der Förde ausgebrochen. Wir haben uns einmal einige prominente und vielleicht auch den einen oder anderen überraschenden Namen vorgenommen.

 

1. Holger Bachthaler

 

Einst für die Mannschaft des FV Illertissen in der Regionalliga Bayern und ihrer Etablierung in der Spitzengruppe der Liga verantwortlich, war der Fußballlehrer bereits nach der Beurlaubung von Karsten Neitzel ein Kandidat für den Trainerposten an der Förde. Derzeit trainiert der gebürtige Schwabe die U18 des FC Red Bull Salzburg, u.a. recht erfolgreich in der UEFA Youth League. Doch während diese Zeilen geschrieben werden, spuckt das Internet den baldigen Wechsel Bachthalers zum Regionalligisten SSV Ulm auf. Pech gehabt! 

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2. Hannes Drews

 

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Hannes Drews ist an der Förde noch bestens bekannt, sein Wechsel ins Erzgebirge liegt schließlich erst einige Monate zurück. Mittlerweile haben sich die Veilchen unter seiner Regie stabilisiert und werden wohl auch nächste Saison in der 2. Bundesliga anzutreffen sein. Fraglich, ob er seinen dort erarbeiteten Respekt schon wieder aufgeben möchte. Außerdem setzte Holsteins sportliche Leitung in der kurzen Phase zwischen Neitzel und Anfang ihn trotz Fußballlehrer-Lizenz nur auf den Posten des Co-Trainers hinter U23-Coach Ole Werner. Kein allzu großer Vertrauensbeweis.

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3. Jens Keller

 

Die Beendigung der beiden letzten Arbeitsverhältnisse Kellers erfolgten unter eher unglücklichen Umständen. In Gelsenkirchen wurde sein Job trotz der Qualifikation für Europa beendet, bei Union feuerte man ihn trotz der kleinen Distanz zur Spitzengruppe in der 2. Liga. Die Entwicklungen seiner Teams unter oft widrigen Umständen dürfte den Coach eher ins Blickfeld einiger etablierter Bundesligisten rücken und ihm im Sommer oder Herbst wieder in die oberste Spielklasse spülen. Ob sich Keller daher ernsthaft mit Holstein beschäftigen oder die sportliche Leitung ihn in Betracht ziehen würde, darf bezweifelt werden.

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4. Alexander Nouri

 

Alexander Nouri Oktober 2016

(Quelle: Wikipedia)

 

Der Buxtehuder hatte in Kiel unter Falko Götz nicht die beste Zeit in seiner aktiven Karriere, machte es als Trainer danach beim VfB Oldenburg, Werders U23 und der ersten Mannschaft des SVW umso besser. Anders als Markus Anfang bevorzugt er eher das schnelle Umschaltspiel mit raschem Abschluss. Nach seiner Beurlaubung an der Weser reiste Nouri zur Weiterbildung sportartenunabhängig um die Welt. Das ganz große Angebot aus der Bundesliga dürfte ihn nicht erwarten. Versucht er sein Glück demnächst an der Förde, vielleicht sogar mit Rafael Kazior als Assistent? Zumindest gab der Deutsch-Iraner an, ab Sommer wieder aktiv in Business einsteigen zu wollen. Und bei seinem "Praktikum" bei der SG Flensburg-Handewitt könnte vielleicht ja ein Kontakt zu Wolfgang Schwenke zustande gekommen sein.

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5. Christian Preußer

 

Bereits in ganz jungen Jahren trug Preußer Verantwortung für die Drittligamannschaft des FC Rot-Weiß Erfurt, vorher war er bereits in der Jugendabteilung der Thüringer aktiv. Auch bei seiner Beurlaubung sprach man ihm das großer Trainertalent nicht ab. In der Folge übernahm der Berliner die U23 der Talentschmiede des SC Freiburg, stieg mit seinem Team in die Regionalliga Südwest auf und mischt dort aktuell die Spitzengruppe auf. Sein Vertrag bei den Breisgauern läuft aus - bekommt der 34-jährige eine Chance im hohen Norden?

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6. Jess Thorup

 

Seit einigen Jahren mischt der FC Midtjylland mit Thorup in der Spitze der dänischen Superliga mit und stellt für Brøndby IF und den FC Kopenhagen eine echte Konkurrenz dar. Vieles davon hängt auch mit Trainer Jess Thorup zusammen, der als Spieler auch in Uerdingen und Innsbruck aktiv war, (somit der deutschen Sprache mächtig sein müsste) in Tirol sogar nur knapp vor Holsteins Trainer Markus Anfang. Als Coach war er unter anderem Förderer von Mikkel Vendelbo in Esbjerg und weißt tatktisch Ähnlichkeiten zum Kieler Noch-Coach auf. Sollte der Club aus Herning den Meistertitel holen, wäre das Ende der Fahnenstange erreicht. Versucht Thorup dann sein Glück in Schleswig-Holstein?

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7. Christian Titz

 

Noch steckt Titz mitten im wohl aussichtslosen Abstiegskampf mit dem HSV, seine Fähigkeiten stellte er aber bereits in den Monaten zuvor unter Beweis, als er aus der U23 der Hamburger ein echtes Spitzenteam mit tollem Fußball formte. Genau wie Markus Anfang bevorzugt er das 4-1-4-1 mit dominantem, offensivem Spiel. Die Ausrichtung transportierte er auch in die Bundesliga und hinterließ dort einen besseren Eindruck als Gisdol und Hollerbach, stellte eiskalt seinen Regionalliga-Sechser im Oberhaus auf. Ob der HSV mit ihm einen Neuanfang starten wird, ist ungewiss - als Nachfolger für Markus Anfang eine Stunde weiter nördlich wäre der mit Ralf Becker bekannte Mannheimer sicher nicht. Und die Ausstrahlung eines Versicherungsvertreters der Hamburg-Mannheimer sollte nicht stören sein. Als Inhaber des Dienstleistungsunternehmens "Coaching Zone – Portal für Trainingslehre und Spielkultur" und Autor mehrerer Taktikbücher ist er in der "Szene" als echter Fachmann geschätzt.

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...die Saison ist zu kurz für doofe Diskussionen.

Holstein gelang mit dem 4:0 in Dresden der höchste Auswärtssieg der Zweitliga-Geschichte. Der Fanblock feierte ausgelassen, die Freude der Mannschaft war bis in den Raum der Pressekonferenz zu hören. Weitere drei Punkte auf dem Konto in einer grandiosen Saison, deren Ausgang immer mehr Potenzial für eine ganz große Überraschung inne hat. Genau wie das sonnige Wetter, war die positive Stimmung rund um das Thema „Holstein“ bei Rückankunft in Kiel allerdings fast schon wieder gänzlich verflogen. Denn in den sozialen Medien wurden andere Dinge diskutiert.

 

Vor etwa vier Monaten tauchte das Gerücht auf: Markus Anfang wechselt nach der Saison zum 1. FC Köln. Klar, das passte irgendwie. Schließlich wohnt die Familie des Trainers in der Domstadt am Rhein und, völlig unabhängig von der Liga-Angehörigkeit, sind die Geißböcke immer noch eine größere Nummer als die Störche. Um die Konzentration auf die aktuelle Spielzeit nicht zu gefährden, wurde sich von offizieller Kieler Seite aber „nicht an Spekulationen beteiligt“. Weiter hieß es, „von Spiel zu Spiel denken“. Die Mannschaft bekam kein Alibi für etwaige schlechte Leistungen geliefert.

 

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Die Ruhe stellte sich aber nur bedingt ein, denn Gerüchte haben viel mit Pop-Up-Fenstern gemein. Der Blick soll eigentlich auf etwas anderes gerichtet sein, geht aber nicht, weil immer wieder so ein nerviges Teil erscheint. Es wird weggeklickt, doch beim nächsten Mal ist es wieder da. Brauchen tut es dabei niemand. Und genau so tauchten in schöner Regelmäßigkeit die neuesten Anfang-News auf, die Erklärung für die Sieglos-Serie war unter anderem das fehlende Dementi des Trainers.

 

Nun könnte die Schuld bei der „Sensationsgeilheit“ der Medien gesucht werden, jede Zeitung möchte hinterher sagen können: Seht ihr, bei uns habt ihr es als erstes gelesen. Doch in Zeiten von Social Media sind die Übergänge fließend und so beteiligte sich auch der „Rest der Bevölkerung“ ebenfalls an den Spekulationen und machte schon Störfeuer aus dem Westen aus – für den Fall einer möglichen Relegation zwischen Kiel und Köln sollte der Rivale aus dem Norden geschwächt werden (wobei hier immer die Frage ist, ob das nicht viel destruktiver für den 1. FC gewesen wäre). Einerseits wurde sich immer wieder über die „Lügenpresse“ aufgeregt, andererseits wurde jedes kleine Teilchen eines Gerüchts willig aufgegriffen, waren die Facebook-Timelines immer wieder gut gefüllt mit Markus Anfang, Markus Anfang, Markus Anfang. Dabei regierte gerne mal das „Stille-Post-Prinzip“.

 

„Anfang wechselt nach Köln“
„Anfang kriegt Fünf-Jahres-Vertrag“
„Anfang nimmt fünf Innenverteidiger von der Förde mit“
„Anfang tauscht das Kölner Maskottchen gegen einen Storch aus“
„Anfang und Cichon auch in Köln eine WG“

 

Was die Spatzen nicht alles vom Dom pfiffen – oder war es doch nur Rainer Calmund? Der sorgte in der vergangenen Woche zumindest noch einmal für mächtig neuen Wirbel. Holstein reagierte wieder mit dem üblichen: „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen.“ In der Endphase einer Saison, die sportlich herausragend ist, sollte auch nur das Sportliche wichtig sein. Zwischen den Zeilen darf jeder das lesen, was er oder sie will, nur sollte die Leistung des Teams eigentlich den größeren Platz einnehmen. Die Mannschaft hat es am Sonnabend beeindruckend vorgemacht: Aufs Wesentliche konzentrieren und Großes erreichen.

 

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Holstein steht vor einer riesigen Sensation (eine „normale“ Sensation ist die Saison sowieso schon) und alles worüber gesprochen wird, ist was in der Sommerpause passieren könnte? „So ist das Geschäft“, wird gerne angemerkt – so muss es aber nicht sein. Auf dem Platz heißt es „von Spiel zu Spiel denken“ - nehmen wir uns doch alle ein Beispiel daran. Oder um es mit dem alten, römischen Ausspruch zu sagen: „Carpe diem“ - genieße den Tag. Denn in einer Woche steht ein weiterer Festtag im Holstein-Stadion an. Und die Saison ist zu kurz für doofe Diskussionen.

 
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