Was bewegt uns? Worüber ärgern wir uns, worüber freuen wir uns? Was gibt es Neues? Und wie war es eigentlich damals? Das alles und noch viel mehr findet der CCK-Leser hier:

 

 

Dass Spieler den Verein irgendwann einmal verlassen, gehört zu den Mechanismen im Profifußball. Ich persönlich verüble es dem jeweiligen Spieler auch nicht wirklich, dass er sich beruflich weiterentwickeln will, das Maximum aus seiner Karriere herausholen möchte. Schließlich besitzt die Profilaufbahn mit Anfang Mitte 30 ein absehbares Ende. Solange es offen kommuniziert wird und der betreffende Spieler bis zum Schluss alles für seinen Arbeitsgeber gibt, ist es okay.

 

Trotzdem bekommen manche Transfers ein „Geschmäckle“, zum Beispiel, wenn eben nicht mit offenen Karten gespielt wird oder der Ex-Trainer reihenweise Spieler zu seinem neuen Verein lotst. Aber auch hier verüble ich es den Spielern immer noch nicht, wenn sie beim neuen Verein größeres Potenzial für die Steigerung ihrer Karriere sehen. Oder einfach mehr Geld verdienen.

 

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Im Fall David Kinsombi verhält sich die Sache noch ein wenig anders. Wie am Mittwoch bekannt wurde, übernimmt der Königstransfer der Hamburger einen Teil seiner Ablösesumme (immerhin zehn Prozent) selbst. Das ist aus Sicht des HSV sicher eine Klasse Sache und wenn David Kinsombi schon immer zum HSV wechseln wollte und als Kind in schwarz-weiß-blauer Bettwäsche geschlafen hat, auch für ihn selbst.

 

Allerdings ist David Kinsombi – trotz seiner Verletzung – immer noch der Kapitän. Wenn ein Mensch, der auch als Vorbild für jüngere Spieler dienen soll und im besonderen Fokus der Öffentlichkeit steht, mit einer besonderen Vehemenz zeigt, dass er alles dafür tut, um die Störche zu verlassen, muss die Frage erlaubt sein, ob er dieses Amtes würdig ist. Auf dem Feld ist David Kinsombi im positiven Sinne immer wieder vorangegangen. Neben dem Feld hat er sich nun disqualifiziert, länger Kapitän von Holstein Kiel zu sein - so zumindest meine Meinung.

Früher war alles besser/schlechter? Heute ist alles schlechter/besser?

 

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Als ich am Freitagabend nach dem Union-Spiel in die Projensdorfer Straße einbog, musste ich kurz daran denken, dass es in den früher 2000ern noch möglich war, das Stadion auch über die Kurve Richtung Hochhaus zu verlassen. Manchmal, bei nicht so unterhaltsamen Spielen, wurde schon die komplette zweite Hälfte auf dieser Stadionseite verbracht, um möglichst schnell nach Abpfiff draußen zu sein. Selbst bei Spielen, wo Gästefans anwesend waren, war es fast immer möglich. Es ist nichts, was ich großartig vermisse, aber es ist ein Beispiel, wie sehr sich Holstein in den letzten 20 Jahren verändert hat. Und das, trotz allem Erfolgs, irgendwie nicht nur zum Guten.

 

Es ist sicherlich auch nicht alles besser gewesen. Der Fußball war zur damaligen Zeit häufig alles andere als attraktiv. Wenn es etwas zu bejubeln gab, dann war es ein Tor oder der Sieg. Über schöne Spielzüge wurde sich nach Abpfiff nur selten unterhalten. Einfacher war hingegen die Ticketsituation, im Normalfall reichte es, zehn Minuten vor Anpfiff am Stadion zu sein. Eintrittskarte geholt, immer noch fünf Minuten vor Spielbeginn auf dem gewohnten Platz. Nur in ganz seltenen Fällen wurde in der Woche vor dem Spiel sicherheitshalber schon mal eine Karte bei Rubin am Dreiecksplatz geholt. Tat aber meistens nicht Not. Denn nur selten wurde es auf den Stufen des alten Runds so voll, dass es ausverkauft hieß. Eher war das Gegenteil der Fall.

 

Doch war es fehlende Komfort und die fehlende Stadionshow, der die Menschen vom Stadion fernhielt? Nein. Ein Freund, der damals eine Dauerkarte für die gerade neugebaute AOL-Arena besaß, freute sich immer, wenn ich ihn in das rumpelige Holstein-Stadion mitnahm. Die Mädels, die von der alten Laufbahn aus dem Bollerwagen Bier durch den Zaun verkauften, waren für ihn ein wahres Highlight und neben Fußball das einzige, was notwendig war, um ihn glücklich zu machen. Es war, wenn auch nicht perfekt, eine kleine heile Welt. Der „große Fußball“ fühlte sich selbst in der Spitzengruppe der Regionalliga (damals die dritthöchste Spielklasse) ganz weit weg an, wenn der Schneeregen, vor dem kein Dach Schutz bot, einen frösteln ließ – oder war es doch das Geschehen auf dem Rasen? Aber: Je erfolgreicher die KSV wurde, desto mehr Menschen kamen und auch die aktive Szene und die Choreos wuchsen.

 

Rumpelfußball wird inzwischen seit einigen Spielzeiten nicht mehr im Holstein-Stadion geboten. Klar, das eine oder andere Spiel ist immer dabei, aber unter dem Strich erfreut das auf dem Feld Gebotene doch sehr. Die Entwicklung des Vereins ist beachtlich und ohne ein gewisses Maß an Kommerzialisierung wäre sie nicht möglich gewesen. Wer dabei sein will, muss in einige saure Äpfel beißen – sei es zum Beispiel die Zerstückelung von Spieltagen. Daran wird ein kleiner Verein wie Holstein Kiel nichts ändern können, die Frage ist nur immer mit wie viel Vergnügen in den Apfel gebissen wird. In der Vergangenheit gab es immer wieder positive Beispiele einzelner Vereine, die sich offensiv für Fanbelange einsetzten. Der Gegner vom vergangenen Freitag, Union Berlin, ist da ein positives Beispiel. Aber es sind nicht nur die großen Dinge, die zur vermeintlichen Entfremdung zwischen Fans und Fußball führen. Manchmal wäre es einfach, Ärger zu vermeiden, wenn das Ohr für die Fans etwas offener wäre. Und der überwiegende Teil derjenigen, die jede Woche heim- und auswärts für akustische und optische Unterstützung sorgen, braucht nicht vieles – nur ein wenig Raum.

 

Wer eine Kurve mit Emotionen möchte, muss diesen Emotionen auch ihren Platz gewähren. Und dies passiert im Holstein-Stadion nicht immer. Dies begann beim Neubau der Westtribüne, als geeignete Zaunfahnenplätze schlichtweg vergessen wurden. Ärgerlich, den hätte der Verein damals die Fans gefragt, wäre dieses Problem gar erst entstanden – noch ärgerlicher ist allerdings, dass sich bis heute an diesem Zustand grundsätzlich nicht viel verändert hat. Es wurde lediglich ein nicht funktionierendes Seilzugsystem konstruiert, mit dem die Zaunfahnen unter dem Dach platziert werden sollten. Diese in Deutschland einmalige Konstruktion setzte sich zurecht auch in Kiel nicht durch. Ansonsten wird die Größe der Zaunbeflaggung durch die Höhe der Werbebanden diktiert.

 

Vor dem Heimspiel gegen Fürth präsentierte die KSV den neuen Standort für die Anzeigetafel: Unter dem Dach auf der Westtribüne hatte sie einen neuen Platz gefunden. Sicherlich von der Haupttribüne und der Gegengerade gut zu sehen – doch auch mitten in dem Bereich, von dem aus supportet wird. Der Einsatz von großen Schwenkfahnen ist durch die Konstruktion unmöglich geworden, optische Unterstützung wird es bis auf weiteres zuhause wohl nicht mehr geben. Die Fahnen der aktiven Gruppen hingen am Freitag aus diesem Grund verkehrt herum. Vielleicht mag der ein oder andere Außenstehende denken, dass die Platzierung einer Videotafel doch kein so großes Ärgernis sein kann – für diejenigen, die mit den Choreos aber immer wieder optische Highlights schaffen, die in den sozialen Medien auch von offizieller Seite gerne geteilt werden, ist es allerdings ein gefühlter Schlag ins Gesicht gewesen. Und auch hier hätte sich das Problem durch Gespräche relativ einfach verhindern lassen.

Das böse Wort mit K ist da. Nein, nicht Köln, sondern die Krise. Zumindest wenn es nach einer Zeitung aus der komischen Stadt an der Trave geht. Denn die titelte am Montag tatsächlich „Holstein Kiel in der Krise?“ und hatte auch gleich die Antwort: „Störche nur noch Siebter.“ Nur noch Siebter. Und das nur in der Zweiten (!) Bundesliga. Eigentlich ist es ein Wunder, dass der Verein nach dieser Talfahrt noch am Trainer festhält.

 

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Wie heißt es so schön? „Ironiemodus aus“ - nur damit es dann auch alle verstehen. Natürlich war das Spiel gegen die Fürther kein Augenschmaus. Zum Ausfall einiger Spieler, gesellte sich ein sandig-holpriger Rasen und der eine oder andere individuelle Fehler. Trotz des erkämpften Last-Minute-Ausgleichs fiel es schwer, in ganz große Begeisterungsstürme auszubrechen. Das kann Holstein einfach besser. Mit ein paar Tagen Abstand ist es zwar immer noch kein grandioses Spiel, aber immerhin ein weiterer Punkt auf der Habenseite.

 

Bei einer Zeitung aus der Stadt des Derbyrivalens (der wohl wieder eine weitere Saison in der Regionalliga rumdümpeln wird) lassen sich solche Interpretationen vielleicht mit ein wenig Neid erklären. Die letzten Jahre boten ja auch nicht so viele Möglichkeiten negativ über Holstein zu schreiben. Da wurde Aufstieg gefeiert, da durchpflügten die Kieler die 2. Bundesliga mit erfrischendem Offensivfußball, da sprachen Experten nach dem Führungstor gegen Magdeburg gar vom perfekten Fußball, während die Realität für das heimische Team Jeddeloh und Egestorf-Langreder heißt. Wenn Krise bedeutet, in der Formtabelle der 2. Bundesliga mit zwei Siegen, drei Unentschieden und 10:6 Toren auf dem vierten Rang zu stehen, was soll dann erst der Hamburger SV (zwei Siege – ein Unentschieden – ein Niederlagen) sagen? Oder der 1. FC Köln? Nun ja, da ist wohl schon Krise...

 

Irgendwie sind solche Schlagzeilen aus der Marzipanstadt nicht überraschend. Allerdings haben auch einige Menschen an der Förde eine (seltsame) Erwartungshaltung entwickelt. Dabei geht nicht explizit um das letzte Spiel, sondern um das, was in dieser Saison geleistet wurde. Denn 36 Punkte nach 22 Spieltagen standen auch im letzten Jahr auf der Habenseite – und die Tordifferenz von plus elf ist ebenfalls fast exakt gleich. Wohlgemerkt immer noch mit einem im Sommer komplett neu zusammengebastelten Team, bei dem die verbliebenen Spieler zudem ein neues System erlernen mussten. Realistische Wünsche bewegten sich zu Saisonbeginn zwischen „nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben“ und „einstelliger Tabellenplatz“. Derzeit sind noch ganz andere Szenarien denkbar. Und selbst wenn „Holstein im Mittelfeld der Tabelle versinkt“ - wer hätte das noch vor ein paar Jahren gedacht?

Kurz gesagt: Wer Krise sagt, ist Lübecker. ;) Alle Kieler feiern am Sonnabend im Ruhrstadion!

Dass ein Spieler ewig bei einem Verein bleibt, kommt im modernen Fußball eigentlich nicht mehr vor. Trotzdem gibt es in jedem Team diesen einen, wo jeder hofft, dass es doch noch möglich ist. Für alle Holstein-Fans, so auch für CCK, war dies Patrick Herrmann. Das "war" schmerzt, aber ist seit gestern Realität. Der Fußballgott hat das Holstein-Stadion verlassen. Ohne dass es ein Abschiedsspiel für Herrmi gegeben hätte oder wenigstens eine Ehrenrunde - einfach weg. Es ist nicht einfach ein Spieler der gegangen, für viele ist ein Stück Holstein weggebrochen. Es fühlt sich ein bisschen so an wie der 2. Juni 2015, 90. Minute plus 1 - es lässt alle Holstein-Fans mit einer unangenehmen Leere zurück.

 

Das was bleibt, ist mehrere Zentner schwerer Dank für hunderte wunderbarer Grätschen, die Erinnerung an einen der Besten im Holstein-Trikot und Respekt an einen absolut korrekten Menschen. Mach es gut, Herrmi! Wir beginnen dann mal mit dem Bau der Statue.

 

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Als Erinnerung gibt es das Kapitel 73 aus "111 Gründe, Holstein KIel zu lieben": 

Weil ich dann nicht mehr gegen Patrick Herrmann spielen muss...“

 

Als Milad Salem 2015 nach Kiel wechselte, wurde er von einem Journalisten gefragt, was der Hauptgrund für den Wechsel an die Förde gewesen sei. Statt den üblichen Standardfloskeln „tolle Perspektiven“ und „großartige Bedingungen“ sorgte der Afghane mit seiner Aussage für Schmunzeln bei den Anwesenden: „Damit ich nicht mehr gegen Patrick Herrmann spielen muss.“ Die Duelle mit dem Rechtsverteidiger der Kieler seien immer die unangenehmsten gewesen. Für einen Defensivspieler war dies natürlich ein kleiner Ritterschlag. Vom Kieler Publikum hatte er schon vorher die höchste Auszeichnung von allen erhalten: Fußballgott.

 

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Bei seinem Wechsel zu den Störchen hätten wohl nur wenige damit gerechnet, dass sich der Mann, der seine ersten fußballerischen Schritte beim TSV Wipshausen gemacht hatte, zum absoluten Liebling des Publikums entwickeln würde. Beim VfL Osnabrück war Herrmann in die Zweite abgeschoben worden und wechselte am 1. Juli 2011 ablösefrei an die Förde. „Damals hatte ich persönlich eine schwere Zeit“, erzählte Herrmi rückblickend. „Eigentlich wollte ich nie weiter runter als 3. Liga, wusste aber vom Potenzial. So war Kiel mein Auffanglager“.

 

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Und dort gehörte er aber von Beginn zur Stammformation der Störche, sein Debüt im Holstein-Stadion gab er am 30. Juli 2011 – DFB-Pokal gegen Energie Cottbus. Das Publikum fand schnell großen Gefallen, an dem Mann mit der vorbildlichen Einstellung auf dem Platz. Und der schaffte gegen Energie gleich etwas, was sonst nicht zu seinen Spezialitäten zählte: ein Tor! Ansonsten war sein Trumpf Zuverlässigkeit und Beständigkeit. In seiner ersten Saison an der Förde musste er nur ein Spiel pausieren. Auch in der Folgesaison war er aus dem Defensivverband der Stammformation nicht mehr wegzudenken. Und auch offensiv drehte er für seine Verhältnisse richtig auf. Mit einem Treffer gegen seinen alten Verein Hannover 96 II und einem gegen den BSV Schwarz-Weiß Rehden brachte er es auf zwei Saisontore. Keine Frage, dass der Zwei-Jahres-Vertrag verlängert wurde – zudem ging es hoch in Liga 3, das was er mindestens wollte.

 

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Und auch dort brauchte Herrmi keine Abtastphase. Ganz im Gegenteil: Nach 37 Partien in der Saison 2013/14 wählte ihn der kicker zum besten Rechtsverteidiger der Liga. Kompromisslos, aber nie unfair – so unbeliebt er bei den gegnerischen Spielern war, so sehr begann das eigene Publikum ihn zu feiern und zu „vergöttern“. Inzwischen war ihm ein besonderes Privileg zuteil geworden. Wenn immer der der Stadionsprecher ausrief: „Mit der Nummer 19, Paaatrick...“, kam prompt die Antwort der Fans: „Herrmann, Fußballgott.“ Ein Titel, der an der Küste wahrlich nicht inflationär vergeben wird. Gerade gegen vermeintliche Topteams drehte der Defensivmann mit der windschnittigen Frisur besonders auf. Die Sprechchöre mit seinem Namen schallten dann immer wieder durch das Holstein-Stadion. Er lief Spiel für Spiel auf, brachte einfach immer wieder seine Leistung und räumte einen nach dem anderen Gegenspieler ab.

 

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Auch wenn er selbst kompromisslos zu Werke ging. Ließ er sich von seinen Gegenspielern niemals provozieren oder griff gar zu „dreckigen“ Mitteln. Das unterstreicht auch eine Statistik, die den Spieler Patrick Herrmann hervorragend beschreibt: In seiner gesamten Karriere erhielt er bis dato 47 Gelbe Karten, 2 mal Gelb-Rot, aber niemals eine Rote Karte. Dies brachte ihm ebenfalls den Respekt seiner Gegenspieler ein. Und abseits des Platzes? Da ist über den Familienmenschen und Hobbypianisten nicht viel zu hören. Skandale? Fehlanzeige.

Großer Respekt an alle, die mitgemacht und gespendet haben. Rund 50 Säcke und Taschen prall gefüllt mit warmer Winterkleidung, sowie Hundefutter und Essensgutscheine wurden heute von den Initiatoren der Aktion, Compagno Kiel und Block 501, an Andrea Wigger und Björn Albrecht von der Initiative "Hilfsaktion für Kieler Obdachlose und ihre Vierbeiner" übergeben. Die Spenden hatten Holstein-Fans beim Heimspiel gegen Sandhausen und in der Woche danach beim Kieler Fanprojekt abgegeben. 

 

Holstein gemeinsam für Kiel!

 

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