Wo die Auswärtsfahrten länger werden und es dank des Wetters auch wieder mehr Abende auf der Couch geben wird, gibt es von uns uns in regelmäßigen Abständen wieder einige Leseempfehlungen. Schwerpunkt liegt dabei heute auf dem Mutterland des Fußballs:

 

The Victorian Football Miscellany
Paul Brown
ISBN 978-0956227058

 

victorian misc cover

 

Dieses Jahr feierte die FA, also das englische Pendant zum DFB, ihr 150jähriges Bestehen. Einen Blick auf die anekdotenreiche Frühphase des Fußballs auf der Insel wirft „The Victorian Football Miscellany" von Paul Brown, das dieses Frühjahr erschienen ist. Neben Statistiken, Fakten, und kleinen Biografien über die ersten Protagonisten des Sports mit dem runden Leder, sind es vor allem die skurrilen und für England typischen Geschichten, die glänzend unterhalten und den Leser das ein oder andere Mal zum Lachen bringen. So riefen zum Beispiel einige verärgerte Vereine 1888 nach der Gründung der Football League mit der Football Combination eine Konkurrenzliga ins Leben, welche ihrer Ansicht nach die englischen Werte viel besser repräsentierte. Hauptunterschied war, dass es in der Football Combination keinen vorgegebenen Spielplan gab, sondern die Vereine die Aufeinandertreffen eigenständig organisieren sollten. Ein Experiment, das gründlich misslang: Nicht einmal eine Saison konnte beendet werden.
Diese und andere kurzweilige Geschichten gibt es auf 179 Seiten, noch allerdings nur in englischer Sprache.

 

Football against the enemy
Simon Kuper
ISBN 978-3895336430

 

football against the enemy

 

Schon etwas älter, aber trotzdem immer noch unglaublich lesenswert ist „Fooball against the enemy", dass in der englischen Originalausgabe bereits 1994 erschienen ist. Das Fußballmagazin FourFourTwo jubelte damals: „Das beste Fußballbuch aller Zeiten". Trotzdem dauerte es insgesamt 15 Jahre, bis es ins deutsche übersetzt wurde und den Untertitel „Oder: Wie ich lernte, Deutschland zu lieben" erhielt. Der Untertitel bezieht sich dabei nicht, wie man zunächst auch vermuten könnte, auf das dank „The Sun" und „Bild" ausgezeichnete Verhältnis zwischen den Fans der Three Lions und den Deutschen, sondern vielmehr auf das zwischen unseren in orange gekleideten Nachbarn und uns Ende der 1980er/Anfang der 1990er.

Dies ist aber nur eine Station auf der Reise durch eine Vielzahl von Ländern auf der ganzen Welt, in denen Autor Simon Kuper die verschiedensten Menschen aus dem Spannungsfeld des Fußballs trifft und zeigt, dass Fußball eben doch viel mehr als ein bloßes Spiel ist und wie groß sein Einfluss auf die Gesellschaft ist, bzw. die Gesellschaft versucht den Fußball zu beeinflussen. Spannend und unterhaltsam geschrieben – eine Pflichtlektüre für alle, die etwas weiter denken, als bis zur Stadionmauer.

 

Unser Mann in London
Moritz Volz
ISBN 978-3499628344

Zwar so gesehen kein „englisches Fußballbuch" passt aber trotzdem prima in die Reihe ;)

 

unser mann in london

 

Wenn Fußballer plötzlich meinen Bücher herausgeben zu müssen, ist erstmal Skepsis angebracht. Wenn der Autor allerdings schon vorher von einer renommierten englischen Tageszeitung als Gastkolumnist geadelt wurde, sind diese Befürchtungen zum Glück unangebracht. Denn neben einer geistreichen und humorvollen Erzählweise über Beobachtungen und Probleme eines Nachwuchsprofifußballers in London (der zudem eine ausgesprochene Liebe zu Backwerk hat) besitzt Volzy das, was seinen Kollegen häufig abgeht: Eine große Portion Selbstironie, welche das Buch erst richtig lesenswert macht. Auch Londonfans, ohne besonderen Hang zum Fußball, können hier bedenkenlos zugreifen.

 

Ergänzend zum Buch sei auch die Internetseite empfohlen: www.volzy.com

 
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