Seit dem letzten Interview mit Erik Cohen ist ne Menge passiert. Das stellt CCK im Gespräch Anfang Dezember 2019 gemeinsam mit dem Kieler Musiker fest.

 

„Der zwischenzeitliche Aufstieg in die 2. Liga war für mich total unglaublich. Ich verfolge das seit Anfang der 90er Jahre und bin quasi mit dem Abstieg aus der 2. Liga eingestiegen. Es folgte jahrelange Depression bei Holstein. In den 90er war es ja alles andere als trendy, zu Holstein zu gehen. Aber es war immer echt.“ Trotzdem fieberte er immer mit und hatte nie Zweifel daran, dass die Störche eines Tages in die Zweite aufsteigen. Trotz der Rückschläge, wie der direkte Abstieg in die Regionalliga nach dem Aufstieg im Jahr 2009 oder auch der verpasste Aufstieg in der Relegation gegen 1860. „Das war ein unglaubliches Loch, in das man gefallen ist. Davon musste man sich erstmal ein halbes Jahr erholen.“

 

Die Freude über den Aufstieg hält bis heute ab. Die Veränderungen, die mit einher gegangen sind, schmälerten diese nur vorübergehend. „Vor dem Bau der neuen Osttribüne fand ich es teilweise seht ätzend. Ich kann nachvollziehen, dass Leute teilweise echt genervt waren. Auf einmal standen vor einem neue Leute, die einem die Sicht geraubt haben. Ich muss offen zugeben, das hat mich damals auch genervt.“

 

Mit dem dann doch schnellen Bau der neuen Osttribüne hat sich das zum Glück wieder geändert. Seit dem hat man im Block J – wo er mit seinen Jungs bei den meisten Heimspielen anzutreffen ist – wieder etwas mehr Luft und es angenehmer dort zu stehen. Und auch, wenn es für Familien und besser betuchtes Publikum heute vielleicht sexier sein mag, ins Holstein-Stadion zu gehen, Erik Cohen empfindet die Atmosphäre im Stadion immer noch als authentisch. „Es ist letztendlich immer so gekommen, wie ich es mir immer gewünscht hab. Und deshalb gibt es auch keinen Grund zu jammern.“

 

 

Auch zum aktuellen Status Quo hat er seine Meinung: „Wir werden wahrscheinlich auch drin bleiben!“ Zwischendrin hatte Erik durchaus etwas Panik. Schließlich lief es unter dem bisherigen Trainer André Schubert nicht ganz so berauschend. „Was ist eigentlich, wenn wir wieder wieder in die 3. Liga absteigen? Wie finde ich das?“ Gedanken, die sicher nicht nur er zu Beginn der Saison hatte. Er hat versucht, sich den Abstieg schön zu reden. Das Stadion nicht mehr so voll, etwas ein bisschen luftiger – halt alles wieder ein bisschen kleiner. Doch ein Besuch bei Waldhof Mannheim im Rahmen der Tour öffnete die Augen. „Das war echt ätzend. Ein anderer Schnack und das hat echt nicht geschockt.“

 

 Mit den sportlichen Veränderungen ging auch eine Weiterentwicklung der musikalischen Landschaft bei Holstein einher. Zwar waren die Einlaufmusik mit 'Entre dos tierras' und der Tormusik 'Nelly the Elefant' bereits früher schon präsent, aber die existierenden und sicher auch kultigen vereinsbezogenen Lieder sind doch etwas angestaubt.

 „Es ist wahrscheinlich der Song zur richtigen Zeit gekommen, der auch hätte kommen müssen von den Denkedrans. Damit haben sie ins Schwarze getroffen. So einen Song schreibst natürlich auch nur einmal im Leben.“ Bei 'Keine andere Stadt, keine andere Liebe, kein anderer Verein' gerät er ganz neidlos ins Schwärmen. „Ein richtig geiles Lied, das schweißt die Leute noch mal richtig zusammen. Schade, dass er nicht von mir ist.“, fügt Erik augenzwinkernd hinzu und schickt direkt Grüße an seinen ehemaligen Praktikanten Matze, Sänger und Gitarrist bei den Denkedrans.

 

 Zeit, auch über das am 22.11.2019 erschienene Album „Live aus der Vergangenheit“ zu sprechen. Wie der Albumtitel verrät, kommen bereits bekannte Songs in einem neuen, live im Studio eingespielten Gewand daher. Klassiker wie Kapitän, Chrom oder Englische Wochen klingen dieses Mal nicht so clean und perfekt, sondern so echt und rau, wie die Fans es von den Konzerten können. Highlight des Albums ist dabei ganz sicher die Aufnahme von Joachim Witts „Goldener Reiter“ - auf den Konzerten schon längst eine Institution und nicht mehr wegzudenken. Jetzt für die Fans der Version verfügbar um es auf Dauerrepeat zu genießen. „Viele haben sich ein solches Album gewünscht.“, erklärt Erik den Gedanken hinter dem Album.

 

 Stillstand ist trotzdem nicht angesagt. Neben der aktuellen Tour arbeiten Erik und seine Mannschaft bereits an neuen Songs. Für Nachschub ist also gesorgt. Die Gefahr, dass dabei die Besuche im Holstein-Stadion zu kurz kommen könnten, besteht allerdings nicht. Der blau-weiß-rote Virus ist auch auf seine Jungs übergeschwappt, so dass regelmäßige Familienausflüge an den Westring 501 dazugehören

 

 
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