Bne Jehuda Tel Aviv FC vs. Hapoel Tel Aviv
Bloomfield-Stadium, 12. Januar 2020, Endstand 1:2



Das Fanprojekt Kiel plante mit dem Kasseler Fanprojekt eine Bildungs- und Kultur Reise nach Israel. Natürlich sollte dort auch Fußball geguckt werden. Die Reisegruppe bestand aus je zwei Fanprojekt-Mitarbeitern pro Stadt und je fünf reiselustigen Fußball-Fans. Trotz der Fanfreundschaft zum KSV Hessen Kassel kannten sich nicht alle Reiseteilnehmer, aber man kann vorweg nehmen das die Chemie stimmte.

Los ging es am Sonnabend mit dem Flug von Berlin nach Tel Aviv. Bei der Ausreise brauchten einige von uns etwas länger am Bundespolizei-Schalter, aber ausreisen durften wir alle und auch die Einreise in Tel Aviv war kein Problem. Mit Mietautos ging es dann vom Flughafen zu unserer Unterkunft. Der Verkehr in Tel Aviv oder besser gesagt in ganz Israel ist teilweise schon echt hart. Hier wird wie wild gehupt und gedrängelt. Wer vorhat, einmal in Neu Dehli Auto zu fahren, kann hier schon mal üben. Da der Tag schon so gut wie vorbei war, aber alle Hunger hatten, ging es von unserer Unterkunft nochmal raus. In direkter Nachbarschaft waren diverse Restaurants und so ließen wir uns im erst besten nieder. Bei leckerem Essen und Bier ließen wir den Tag ausklingen. Beim Bezahlen wurde uns dann eigentlich erst bewusst wie teuer dieses Land doch ist – so waren bei vielen die Scheckel für die nächsten Tage schon fast aufgebraucht.

 

 

 

Am nächsten Morgen ging es früh los, da einiges auf dem Terminplaner stand. Zu Fuß ging es quer durch die Stadt zur Independence Hall und zur “Weißen Stadt”, welches ein Viertel ist, in dem die Gebäude überwiegend im Bauhausstil errichtet wurden. Am Abend sollte es dann auch zum ersten Spiel dieser Tour gehen Da es wie aus Eimern goss, fuhren wir mit dem Taxi zum Stadion. Da dieses kein Dach besitzt, wurden wir doch ziemlich nass. Das Bloomfiel-Stadium teilen sich die drei Vereine Bne Jehuda, Hapoel Tel Aviv und Maccabi Tel Aviv. Heute war mit der Heimmanschaft Bne Jehuda und quasi Hapoel auswärts zuhause. Ende August 2019 wurde nach den Renovierungsarbeiten und der Kapazitätsaufstockung, das Stadion neu "eingeweiht". 29.125 Zuschauer finden hier Platz, an diesem Tag kamen aber nicht einmal 5.000. Bne Jehuda verfügt über keine große Anhängerschaft, obwohl man einmal Israelischer Meister wurde und dreimal den Pokal gewann. 3.000 bis 3.500 Zuschauer drückten aber dem Auswärtsteam die Daumen. Was bei einem Zuschauerschnitt von ca. 11.000 bei den Heimspielen auch nicht grad viel ist.

 

 

Da eine Taxi-Crew von uns die Ultràs von Hapoel beim begehen des Stadions beobachten konnten und sah, dass dort allerhand Fahnen und Trommeln ins Stadion getragen wurden, stieg die Vorfreude auf die Stimmung aus dem Gästeblock. Diese verpuffte allerdings schnell, da wieso auch immer keine Zaunfahnen hingen und auch keine Fahnen geschwenkt wurden. Zudem erklang keine Trommel zu den Gesängen. Wieso der ganze Kram mitgeschleppt, aber nicht eingesetzt wurde, wissen wir leider auch nicht. Auf Heimseite sah dies auch eher mau aus. Immerhin ging Spielniveau trotz der Wassermassen tatsächlich ok. Hapoel ging in der 36. Minute in Führung. Diese konnte Bne Jehude allerdings kurze Zeit später wieder ausgleichen. An Chancen mangelte es auf beiden Seite nicht, aber nur Hapoel konnte noch einmal netzten und gewann mit 2:1. Den Sieg feierte die Kurve zum Schluss noch gemeinsam mit der Mannschaft. Wir verließen relativ fix das Stadion und versuchten uns Taxen zu organisieren. An einer nahen Hauptstraße kam dann zum Glück alle paar Minuten ein leeres Taxi vorbei.



FC Hapoel Katamon Jerusalem - Beitar Tel Aviv
Teddy-Kollek-Stadium, 13. Januar 2020, Endstand: 2:0



Am nächsten Morgen ging es für uns dann nach Jerusalem. In dieser Unterkunft merkte man doch die etwas anderen Sicherheitsstandards als daheim. Eines unserer Zimmer war nämlich ein Luftschutzbunker mit dicker Stahltür sowie Stahlplatten vor den Fenstern. Da als Tagesprogramm nur noch das Zweitliga-Spiel zwischen Katamon Jerusalem und Beitar Tel Aviv anstand, hatten wir Zeit um uns Essen und Biervorräte anzuschaffen. In direkter Nachbarschaft befand sich ein großer Markt, sowie kleinere Supermärkte, in denen wir unsere Schekel gegen Brot und Bier tauschten. Eigentlich war noch geplant, die Altstadt zu besichtigen, aber da die Zeit schon wieder weit voran geschritten war, ging es wieder mal mit dem Taxi zum Stadion. Dort angekommen ging es einmal komplett um das Stadion bis wir den Eingang erblickten.

Heute war nicht mit einer großen Anzahl an Zuschauern zu rechnen, weshalb nur ein Eingang offen war. Direkt hinter dem Eingang hatten die Ultràs von Katamon einen Stand mit Aufklebern, Schals, Shirts und CDs aufgebaut. Wir deckten uns fleißig ein und schnackten mit den Jungs und Mädels noch ein paar Worte. Das Teddy-Stadion teilen sich gleich vier Vereine. Beitar Jerusalem, Hapoel Jerusalem, Hapoel Katamon Jerusalem, Beitar Nordia Jerusalem. Die beiden letzt genannten sind Vereine die durch Fans gegründet wurden. 2007 versuchten Fans mithilfe eines Journalisten und eines Politikers den Verein Hapoel Jerusalem zu kaufen, als dies scheiterte „gründeten“ sie den Verein Hapoel Katamon Jerusalem. Gestartet in der 4. Liga spielen sie seit der Saison 13/14 in der 2. Liga Israels. Heute vor 700 Zuschauern im 31.733 Plätze bietenden Teddy-Kollek-Stadion.

 

 

 

 

 

 

Da nur eine Tribüne überhaupt geöffnet war, saßen wir leider links hinter dem Stimmungsblock und konnten daher die Stimmung nicht ganz wahrnehmen. Gesänge hallten aber die gesamten 90 Minuten durchs leere Rund. Ein paar konnten kurz durch ein geöffnetes Tor auf die hinter Tor Tribüne schleichen um Fotos zu schießen. Das Spiel gewannen die Hausherren durch zwei Tore vom Spieler Awka Ashta. Seit Gründung des Vereins ist auch er Teil dessen und spielt seit Jungen Kindes Alters in den schwarz-roten Farben. Da das Stadion ziemlich abgelegen war und wir daher nicht davon ausgingen, dass zufällig vier Taxen um die Ecke biegen würden, ging es zu Fuß die Strecke zurück.

Die nächsten vier Tage sollte für uns erstmal kein Ball mehr rollen. Wir waren ja auch aus anderen Gründen hier anwesend. Am Morgen nach dem Hapoel-Katamon-Spiel ging es wie immer früh aus den Betten. Wir machten uns auf Richtung Altstadt, um die Grabeskirche Jesus, die Klagemauer sowie den Tempelberg zu besuchen.

 

 

 

 

 

Auch wenn ich mich keiner der drei Religionen zugehörig fühle, sind alle drei Orte wegen ihrer Geschichte imposant. Mit welcher Hingabe Christen, Muslime und Juden ihrer Religion hier nach gehen, ist schon sehr interessant.

Am Abend sollte es noch ein Treffen mit dem zweiten Fanverein der Stadt geben. Von Beitar Nordia Jerusalem empfingen uns die Vereinspräsidentin und zwei weitere Vertreter des Vereins auf dem Trainingsgelände. 2014 wurde dieser Verein gegründet, da man sich mit dem teils sehr rechten Fans von Beitar Jerusalem nicht mehr identifizieren konnte und der Verein auch eher wenig gegen diese getan hat. Heute spielt man in der 3. Israelischen Liga, ebenfalls im Teddy-Stadion. Allerdings ist der Zuschauerschnitt noch einmal etwas geringer als bei Hapoel Katamon.

Nach einer durchzechten Nacht mit wenig Schlaf, ging es am fünften Reisetag ins Nationalmuseum von Israel. Dieses erzählt von der Geschichte Israels und den Menschen, die seit über 3000 in diesem Gebiet leben. Archäologische Funde wie Schmuck, Kunstwerke und Kleidung werden hier ausgestellt. Da wir aber nicht viel Zeit hatten, huschten wir mehr oder weniger durch das Museum. Mit dem Bus ging es nämlich noch ins Palästina-Gebiet. Die Geburtskirche Jesus in Bethlehem stand auf dem Plan. Der Busfahrer schmiss uns am Stadtrand raus. Der Taximafia gekonnt aus dem Weg gegangen, begaben wir uns zu Fuß auf den Weg durch die wuselige Stadt. In der Geburtskirche gerieten wir in einen Gottesdienst samt religiösem Ritual, bei dem wir mit reichlich Weihrauch eingenebelt wurden. Im feinsten Gedrängel ging es in die Katakomben der Kirche um den Geburtsort Jesus anzugucken. Dieser ist in Form eines Sterns auf dem Boden Markiert. Ich nahm das ganze eher nüchtern wahr und beobachtete lieber die Menschen drumherum. Der Stern wurde geküsst und angebetet. Und man selber wurde schnell beiseite geschoben, da die Flut an betenden doch immer größer wurde.

 

 

Neben der Geburtskirche ging es nebenan in die Römisch-katholische Katharinenkirche, in dessen Kellergewölbe gerade ein Gottesdienst auf Mandarin durchgeführt wurde. Dachte man, man hätte schon alles gesehen – aber ein Gottesdienst in Bethlehem auf Mandarin vor zig Asiaten war dann doch überraschend. Unser nächster Halt sollte dann die Seperation-Wall zwischen Israel und Palästina, samt Banksy Graffiti sein.

 

 

 

Die Mauer wurde nach und nach mit reichlich Graffitis besprüht, die das Thema Israel und Palästina aufgriffen. Leider wurden viele der Kunstwerke durch Toys „zerstört“. Mit dem letzten Bus des Tages ging es dann wieder über die Grenze nach Israel. Diesmal mit Kontrolle. Als der Grenzer aber unsere Roten Pässen mit dem Bundesadler drauf sah, winkte er uns durch, ohne zu kontrollieren.

Am sechsten Reisetag ging es in die bedeutendste Holocaust-Gedenkstätte der Welt. Im Museum „Yad Vasehm“ teilten wir uns auf und jeder ging in seinem Tempo durch die Ausstellung.

 

 

Angefangen über die ersten Propaganda Plakate der Nazis bis zu den Todesmärschen und dem Ende der Nazizeit, gab es hier allerhand Zeitzeugen Berichte, Ausstellungsstücke und Berichte. Ziemlich heftige Angelegenheit, die im Nachhinein zu vielen Gesprächen untereinander führte. Den Besuch kann man aber wirklich jedem Israel-Reisenden nur empfehlen. Mit gedrückter Stimmung ging es dann mit den Mietwagen Richtung Toten Meeres. Hier übernachten wir auf einem Berg mit Blick aufs Tote Meer.

Das Besondere an diesem Berg war, das wir trotz einer Höhe von über 400 Metern nur knapp 10 Meter über dem eigentlichen Meeresspiegel lagen, denn das Tote Meer befindet sich rund 400 Meter unter dem Meeresspiegel. Bei reichlich alkoholischen Getränken ließen wir den Abend ausklingen. Da nicht alle den Absprung rechtzeitig geschafft hatten, ging es für die meisten ziemlich verkatert auf die Wanderung den „Ein Gedi Nationalpark“.

 

 

 

Hier hätte ich gerne mehr Zeit verbracht, da die Natur und das Wetter zum längeren Verweilen einlud. Aber da noch der Besuch der Felsenburg Masada anlag, mussten wir quasi auf halben weg wieder umdrehen. Die Felsenburg Masada liegt auf einem Hochplateau und galt lange Zeit als uneinnehmbar, bis die Römer den Berg bezwangen und die Festung dann eben doch einnahmen. Dies gelang uns heute schneller als den Römern, da uns eine Seilbahn hinauf und später wieder runter bringen sollte. Heutzutage stehen hier nur noch ein paar Gemäuer. Für mich eher wenig interessant, nur der Ausblick war grandios.

 

 

 

 

 

Nun stand nur noch das Baden im Toten Meer an. Mit einem Salzgehalt von 35% (zum Vergleich: Der Salzgehalt der Ostsee beträgt lediglich 0,3 – 1,8%) treibt man dort einfach an der Oberfläche. Geiles Erlebnis. Am Abend ging es dann einmal quer durchs Land zurück nach Tel Aviv.

 

Maccabbi Haifa F.C. – Sektzia Nes Tziona
Haifa Municipal Stadium, 18. Januar 2020, Endstand 4:0

 

Am nächsten Tag sollte dann auch noch einmal ein Fußballspiel besucht werden. Aber zuerst ging es bei herrlichem Wetter nach Jaffa, welches früher einmal eine eigene Stadt war, nun jedoch zu Tel Aviv gehört.

 

 

Wir schlenderten durch die Gassen der Altstadt und ließen uns am Hafen in der Sonne nieder. Für zwei Autobesatzungen sollte aber es aber noch nach Haifa in den Norden Israels gehen, um dort die Fußballsucht zu befriedigen. Leider war hier keine Zeit für Sightseeing. Kurz vor dem Anstoß betraten wir erst das Stadion. Hier kam endlich mehr Fußballstimmung als bei den vorangegangenen Partien auf, denn mit 18.253 Zuschauern war es mal halbwegs voll, auch wenn das Stadion hier nur etwas über der Hälfte gefüllt war. Das Haifa-Municipal-Stadion wird natürlich ebenfalls nicht nur von einem Verein bespielt. Neben Maccabi Haifa spielt hier Hapoel Haifa. Obwohl man sogar im Wappen des Vereins einen Davidstern vor findet, sind die Zuschauer hier weniger religiös angehaucht. Ich konnte im Stadion auch nur eine Kippa entdecken und unter den Zuschauern waren viele muslimische Fans.

 

 

 

 

 

Unser Blick hing heute fast die ganze Zeit auf dem Block der Ultràs Haifa. Diese boten uns eine astreine Show: Schöner Fahneneinsatz, viele Klassiker, aber auch noch nie gehörte Melodien klangen in unseren Ohren. Außerdem wurde im Block viel gesprungen und geklatscht. Der Support ging natürlich leichter vonstatten, da die Mannschaft auf dem Rasen sich einen entspannten 4:0-Heimsieg erspielte.

Zurück am Hotel wurden die letzten Biere geleert und es ging zeitig ins Bett, da es früh zum Flughafen ging. Das Ausreisen aus dem Land war dann doch schwieriger als gedacht. Da wir nach der Abgabe der Mietkarren unterschiedlich an der Sicherheitskontrolle ankamen, aber nicht mehr so viel Zeit war, ging es getrennt durch die Kontrollen. Jeder einzelne wurde befragt, wieso man im Land war. Wir spulten unsere Story runter – es gefiel den Grenzern aber nicht, dass sich unsere 14-köpfige Truppe getrennt durch die Kontrollen begab. Man wird nach der ersten Befragung in verschiedene Kategorien eingeteilt und unsere Reisegruppe wurde so ziemlich mit den schlechtesten Bewertungen zur Kontrolle geschickt. Dies zog dann einen Komplettcheck der Taschen und Koffer samt Sprengstofftest nach sich. Jeder von uns schaffte es aber rechtzeitig durch die Kontrolle und nach 3 ½ Stunden Flug landeten wir wieder in Berlin, wo sich unsere Wege trennten. Reisegruppe Kassel fuhr mit dem Auto zurück in die Fullestadt und wir mit dem ICE nach Kiel. Am Hauptbahnhof endete eine großartige Reise .

An dieser Stelle nochmal ein fettes Dankeschön an die Fanprojekte aus Kassel und Kiel für die Organisation!

Kassel & Kiel!

 

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