31. März 2019, Rheinenergiestadion, Endstand: 4:0

 

Köln - eine Auswärtsfahrt, die ihre Schatten vorauswarf. Schon im Vorfeld waren nahezu alle Gästekarten vergriffen. Gerade mal 180 Restkarten sollte es an der Tageskasse in Müngersdorf geben. Ganz Kiel freute sich auf diese Begegnung, die so zuletzt 1953 stattgefunden hatte. Und so wirkte es zuweilen auch, als wenn ganz Kiel sich auf den Weg in die Rheinmetropole gemacht hätte. Bereits am Sonnabend waren die holsteiner Farben regelmäßig im Kölner Stadtbild auszumachen.

 

Der letzte Schwung Kieler machte sich in aller Herrgottsfrühe am Sonntag auf den Weg. Die Umstellung auf die Sommerzeit machte das frühe Aufstehen zwar noch unangenehmer, als sowieso schon, aber das Ziel war es wert. Und vor allem zeigten sich die Straßen um diese Zeit angenehm leer. Somit war gutes Durchkommen angesagt. Während rund 60 Kilometer vor der Destination noch eher norddeutsches Wetter, mit Nieselregen und frischen Temperaturen, herrschte, empfing die Domstadt den Tross aus der schlewig-holsteinischen Landeshauptstadt mit strahlendem Sonnenschein.

 

Eingang

 

Fischbroetchen

 

 Der Anblick des Stadions auf dem linken Rheinufer ließ die Vorfreude auf das Spiel noch weiter steigen. Bereits 1923 wurde an dieser Stelle der Sportpark Müngersdorf errichtet. Seinerzeit die größte deutsche Sportanlage (1936 abgelöst durch das Berliner Olympiastadion). Der 1. FC Köln, bzw. dessen Vorgängerverein spielen seit jeher an dieser Stelle. Erst 1975 wurde ein bundesligagerechter Neubau eröffnet. Das Stadion in seiner heutigen Form wurde zur Weltmeisterschaft 2006 gebaut und 2004 fertiggestellt. Auch vor dem Stadion herrschte fast weltmeisterschaftliches Niveau - zumindest in Sachen Versorgung. Eine schöne Meile mit kulinarischen Köstlichkeiten lädt nicht nur CCK für einen Zwischenstopp auf dem Weg zum Spiel ein. Natürlich dürfen auch Fischbrötchen bei so einer Auwahl nicht fehlen. ¯\_(ツ)_/¯

 

Stadion

 

Kurve

 

Im Stadion herrschte bereits kurz vor Anpfiff beste Stimmung. Und die Kieler ließen sich nicht lumpen und waren trotz ausverkauftem Haus akustisch gut zu vernehmen. Da machte sogar Geißbock Hennes große Augen.

 

Haannes

15. März 2019, Endstand: 5:1

 

Der Feierabend ist spät, die Laune leicht genervt. Auf dem Weg nach Kiel trudeln konstant Nachrichten aus dem Stadion ein: Kronholm verletzt, der Wind weht Schilder um,... Viel zu spät wird das Auto in Flutlicht-Sichtweite geparkt. Aber Flucht in Sicht ist schon fast das Ziel. Und der Wind weht die Gesänge den Westring hoch. „Der Steiger kommt und er hat sein helles Licht bei der Nacht...“ - unüberhörbar ist der FC Erzgebirge zu Gast. Dann ein lautes und langgezogenes „Holstein Kiel“. Hallo, mein perfekter Freitagabend.

 

Das Setting passt, doch was wird das Spiel bringen? Der Auswärtsauftritt am Böllenfalltor hatte offenbart, dass Holstein vielleicht noch nicht reif für die Spitzengruppe von Liga zwei ist. Dabei spielten sicher die längerfristigen Ausfälle von Kinsombi und Schindler eine Rolle – und nun war Tim Walter gezwungen, noch weiter umzubauen. Kronholm fiel mit Hüftproblemen aus, für ihn kam Dominik Reimann, die gesperrten Schmidt und Meffert wurden durch Thesker und Bénes ersetzt, außerdem lief Okugawa für den kränkelnden Serra auf. Die Chancen, sich für die 1:2-Niederlage aus dem Hinspiel zu revanchieren waren gefühlt eher so mittel, zudem Aue in den letzten Wochen mehrere Sieg einfahren konnte.

 

mannschaften

 

gästeblock

 

Vor 8666 Zuschauern, davon gut 250 Wismut-Anhänger (für einen Freitagabend und bei der Distanz eine respektable Zahl) ging es gleich voll zur Sache. Bereits in der 3. Minute verpasste Mathias Honsak die frühe Führung, nur drei Minute drückte der Österreicher einen perfekt durch den Wind gezirkelten Freistoß aber mit dem Kopf zum 1:0 über die Linie. Es blieb stürmisch in Strafraum der Gäste, und nach neun Minuten konnte ein grandios aufspielender Laszlo Bénes den Ball im Kasten von Martin Männel unterbringen. Mit dem 2:0 im Rücken konnte Holstein den Ball laufen lassen, allerdings wollte das dritte Tor nicht fallen. Eigentlich nichts, was besorgniserregend wäre, doch der Anschlusstreffer aus dem nichts durch Hochscheidt (26.) wirkte auf den Rängen wie ein kleiner Dämpfer. Aber nur kurz und schon gar nicht auf dem Feld, wo die KSV weiter marschierte. Auch nach dem Seitenwechsel wurden immer wieder schöne Chancen herausgespielt, das Sturmduo Bénes/Honsak funktionierte an diesem Abend fast perfekt. Die slowakische Leihgabe erzielte dann auch das 3:1 mit einer wunderbaren Mischung aus Wille und Ballgefühl, gegen die die Gästeabwehr einfach kein Mittel fand.

 

jubel1

 

benes

 

Nach einer Honsak-Flanke gelang Masaya Okugawa das entscheidende 4:1, allerdings sollte das Spiel noch seinen emotionalen Höhepunkt bekommen. Aaron Seydel kehrte nach ewiger Verletzungszeit zurück auf den Rasen des Holstein-Stadions, nachdem er am letzten Wochenende bereits bei der U23 Spielpraxis gesammelt hatte. Und als wäre das nicht schon Grund genug zum Feiern, erzielte Seydel nur wenige Sekunden nach der Einwechslung dann auch noch das 5:1 - irgendwie mit so einer Mischung aus Rücken und Schulter, aber 100 Prozent gewollt. Da muss ein Stürmer halt stehen. ;) Wäre dieses Spiel ein Drehbuch gewesen, wäre dieses Finale wahrscheinlich als zu kitschig abgelehnt worden. 

 

9. März 2019, Stadion am Böllenfalltor, Endstand 3:2

 

„Kiel sieht rot“ – diese Werbekampagne, die seit einigen Wochen in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt von Plakaten prangt, fasst das Heimergebnis vom vergangenen Wochenende gut zusammen. Holstein ohne Zugriff verhilft Union Berlin dazu, einen Abstand zwischen Kiel und der Bundeshauptstadt zu schaffen.

 

So galt es im Vorfeld der Partie in Südhessen „Mund abputzen und weitermachen“. Immerhin wurde das Spiel mal auf einem Samstag angesetzt, so dass die rund 630 Kilometer keine unüberwindbare Hürde darstellten. Dementsprechend versammelten sich gut 300 Unterstützer der Störche im Gästeblock. Im Gegensatz zum heimischen Stadion konnten hier auch die großen Schwenker ausgepackt und in den Wind gestellt werden, der über die Baustelle Böllenfalltor pfiff.

 

tunnel

 

ultras

 

gästeblock

 

Den Nostalgikern unter uns blutete bei dem Anblick das Herz. Von der einst so hohen und steilen Betongegengerade stand nur noch der Bruchteil, in dem die Gäste untergebracht waren. Der Rest nur noch ein braungelber Sandhaufen. Der Profifußball fordert nunmal seine Opfer. Als Kieler ist einem das sehr bewusst. Immerhin flatterte unter der Woche die Baugenehmigung für das Langzeitprovisorium bei der Holstein ins Haus. Hier ist man guter Hoffnung, bereits am 6. April gegen den FC St. Pauli 15.000 Zuschauer begrüßen zu können.

 

fliegenklatsch

 

herrmi1

 

Bereits beim Aufwärmen gab es ein Wiedersehen mit Patrick Herrmann. Der im Winter zu den Lilien gewechselte Fußballgott stand nach seiner Verletzungspause erstmal wieder im Kader von Holsteins Gegner. Es schaut immer noch komisch aus.

1. März 2019, Endstand: 0:2

 

Die Vorfreude auf Heimspiele ist ja schon irgendwie immer da. Aber es gibt so Spiele, da fiebert der Fan ganz besonders drauf hin. Die Konstellation an diesem Freitagabend gab alles dafür her, richtig heiß auf die Begegnung zu sein. Flutlicht, ausverkauftes Haus, Spitzenspiel – das alles hielt der 24. Spieltag für die Kieler Anhängerschaft bereit. Darüber hinaus wurde dank der sangesfreudigen Reisegruppe aus Berlin auch eine großartige Stimmung erwartet. Von der sportlichen Perspektive – ein Sieg würde die KSV mindestens für eine Nacht auf den Relegationsplatz befördern - mal ganz abgesehen. Wer als Holsteinfan da keine Vorfreude empfand, dem ist auch nicht zu helfen. Vor dem Fest wurde es allerdings nochmal andächtig. Zu Ehren des letzte Woche an Krebs verstorbenen Holstein-Fans Björn fand ein Trauermarsch statt, vor Anpfiff wurde eine Schweigeminute abgehalten.

 

björn

 

rifbjörn

 

fcublock

 

Dementsprechend war die Stimmung heimseitig anfangs noch etwas gedämpft. Auch die Gäste aus der Bundeshauptstadt brauchten etwas, um warm zu werden. Auf dem frisch verlegten Rasen hingegen ging es direkt zur Sache. Die KSV mit dem ersten angriff noch in der ersten Minute, Union mit der passenden Antwort. Es sah zunächst danach aus, dass es das erwartete hochklassige Spiel werden könnte. Doch bereits nach wenigen Minuten schienen die Störche in ihrem Vorwärtsdrang ins Stocken zu geraten. Die Eisernen klar zweikampfstärker und defensiv ein Bollwerk. Holstein hingegen defensiv mit Unsicherheiten. Das wurde in der 27. Minute bestraft. Felix Kroos trofft zum verdienten 1:0 für die Gäste. So ein richtiger Weckruf für die KSV war das Tor allerdings nicht. Zwar schien sich das Spiel gegen Ende der ersten Hälfte etwas zugunsten der Kieler zu stabilisieren, so richtig Fahrt nahm es allerdings nicht auf. Zu stabil stand die gegnerische Defensive.

 

okugawa

 

lenz_lee

 

meffert

 

Ruhrstadion, 23. Februar 2019, Endstand 1:3

 

Bochum ist Kult. Keine Diskussion. Seien es die Pottoriginale, die leider inzwischen in Rente gegangenen Unikate Pommes-Horst und seine Gisela oder die Pinkelrinnen, die aussehen und riechen, als wären es noch immer die, die beim Bau des Stadions errichtet wurden (und sie sind es vermutlich auch). Plus die Distanz ist relativ entspannt für Kieler Verhältnisse. Trotzdem geht es für einen Teil von CCK früh auf die Autobahn, einfach ein wenig Zeitpuffer haben für eventuelle Exkursionen durch die Pott-Kultur, sie es, was den Ballsport oder den Bergbau betrifft. Eine kaputte Bus-Frontscheibe führt dann allerdings zu einem kurzen Umweg über Quickborn, wo dann einige Bagaluten eingesammelt werden. Denn zu diesem Zeitpunkt steht es nicht wirklich fest, ob und wann der Bus weiterfahren kann. Mit voller Besatzung geht es dann weiter Richtung Westen. Trotz allem immer noch mit guter Zeitreserve, weshalb es dann doch noch zu einem „Hot Spot“ geht, der den Pott bestens repräsentiert: Den Profi-Grill in Wattenscheid. Hier hat CCK schon mehrfach gestoppt und kann von daher eine Empfehlung aussprechen. Denn auch dieses Mal mundet Currywurst & Pommes, begleitet von einem lecker Fiege.

 

profigrill

 

Im Stadion hagelt es allerdings erst einmal Kritik: „Wir haben in Bochum auch gute Imbisse.“ Denn auch wenn Wattenscheid inzwischen offiziell ein Bochumer Stadtteil ist, mag man sich nicht so wirklich. Als Geste der Versöhnung wird dann noch die „Echte“ von Dönninghaus verspeist, also die Currywurst der Herbert Grönemeyer einst ein musikalisches Denkmal setzte (haben wir schon letztes Mal erwähnt, wurde uns aber auch dieses Mal erzählt).

 

curry

 

Die Soße hat gut Wums, der Kreislauf ist wach, also kann es mit dem Hauptevent losgehen. Der Blick auf die Tabelle hat, was die Vorzeichen betrifft, eher wenig Aussagekraft. Denn auch wenn der VfL nur einen Platz hinter der KSV steht, spricht der Trend eine andere Sprache. Bis auf einen Sieg gegen Duisburg läuft bei Bochum seit der Winterpause überhaupt nicht mehr. Holstein hingegen hat lediglich nach Ansicht der Lübecker Nachrichten eine Krise. Einzig ein paar mehr Tore stehen auf der Wunschliste der Störche und ihrer Fans. Auffällig ist auch die Körpersprache der beiden Trainer, Dutt und Walter.

 

dutt

 

walter

 

Nach seiner Gelbsperre für das Heimspiel gegen Fürth am vergangenen Wochenende kehrte Alexander Mühling wieder zurück in die Startelf. Auch Okugawas Muskelfaserriss ist wieder ausgeheilt und so nahmen Kammerbauer und Evina zunächst wieder auf der Bank Platz.

 

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Die elf Störche auf dem Feld gaben vor 13.398 Zuschauern gleich von Beginn an Gas. Mühling und Serra prüften Bochums Keeper Riemann, der zunächst allerdings noch Sieger blieb. Die Offensivbemühungen der Hausherren blieben eher ungefährlich, zunächst gelang Holstein aber auch kein Treffer. Dann nach einer halben Stunde setzte Alexander Mühling kurz hinter der Mittellinie zu einem Sprint mit Ball an, dem Dominik Baumgartner nicht folgen konnte. Abschluss flach ins lange, rechte Eck – war wunderschön anzuschauen. Nur zwei Minuten danach konnte Serra dann per Strafstoß auf 2:0 erhöhen, Lee war zuvor im Strafraum gefoult worden. Die Führung war zu diesem Zeitpunkt mehr als verdient, denn gegen das Holsteiner Offensivspiel fand Bochum überhaupt kein Mittel. Die Chance, das Ergebnis noch hochzuschrauben, vergab zunächst Atakan Karazor mit einem Lattenschuss. Kurz vor der Halbzeit konnte Masaya Okugawa dann nach einem Serra-Schuss zum 3:0 abstauben. Damit durfte Okugawa sich endlich auch in die Liste der blau-weiß-roten Torschützen eintragen.

 

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