Millerntor-Stadion, 26. August 2019, Endstand: 2:1

 

Nur ein paar Jahre zurück gedacht. Wie so oft bei der aktuellen Entwicklung. Auswärtsspiele an Orten, die man vorher kaum mit Fußball in Verbindung gebracht hat. Oft genug freute man sich über Auswärtsfahrerzahlen, die wenigstens knapp im dreistelligen Bereich waren und die Atmosphäre zumindest über der eines durchschnittlichen Dorfsportplatzes lag. Nicht alles war schlecht in der damaligen Zeit und die, die damals dabei waren, hatten trotzdem ihren Spaß und standen der KSV treu zur Seite. Im 2019 ist die Lage bekanntlich deutlich anders. Inzwischen in der dritten Zweitligasaison, gehören die Störche fest in die Reihen des DFL-Zirkus. Ein Umstand der hinsichtlich der einst familiären Stimmung manches Mal Wehmut herbeiruft. Auch die Fallhöhe scheint hier höher. Doch mäkeln wollen wir nicht. In Momenten wie diesen erkennt man das Besondere an dem, was Holstein und die dazugehörige, stetig wachsende Familie erreicht hat. Besuche am Millerntor gab es auch zu den schlechteren Zeiten beider Vereine regelmäßig. Doch, so verhasst der Montag als Spieltag auch ist, an diesem Abend, bei sommerlichen Temperaturen und unter Flutlicht, spürt man diese Atmosphäre, die den Fußball so besonders machen kann.

 

grillteller

 

Schon vor Anpfiff war in den Straßen rund um das Stadion beste Stimmung. Es wurde geklönt, gefachsimpelt, Bierchen getrunken und in einer der zahlreichen Cafés, Kneipen und Lokale gegessen. St. Pauli hin oder her – eine solche Atmosphäre steigert die Lust auf das Spiel. Auch im Stadion wurde man bereits weit vor Anpfiff mit Gesängen begrüßt. Und sobald der Gästeblock gefüllt war, hielten die aus Kiel mitgereisten Fans ordentlich dagegen. Mit so vielen Eindrücken und damit auch genug Argumenten, warum beim Blick zurück nicht zu viel Wehmut herrschen muss, kann man solche Spiele bestens genießen. Perfektion hätte die Kulisse nur noch durch den Hamburger Dom erreicht. Doch der endete am Sonntagabend zuvor und das noch stehende Riesenrad blieb dunkel.

 

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Holstein startete gegenüber dem Heimspiel mit drei veränderten Positionen. Statt Schmidt startete Ignjovski, Lauberbach für Atanga und der rot-gesperrte Meffert wurde durch den gerade erst ausgeliehenen Özcan ersetzt. Die erste Hälfte war allerdings keine leichte Kost. Holstein tat sich spielerisch schwer. Besonders Lauberbach konnte nicht die nötigen Akzente nach vorne setzen und es fehlte an der nötigen offensiven Durchschlagskraft. Bereits nach 27 Minuten musste Kiel Coach Schubert wechseln. Für den angeschlagenen Sander kam Serra. Doch auch er konnte nach vorne nichts ausrichten Auch defensiv konnten sich die Störche nicht auszeichnen. Einzig die fehlende Präzision im Abschluss der Gastgeber verhinderte einen Rückstand zur Pause.

 

sanderschmidt

 

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In der Halbzeit tauschte Schubert den blassen Lauberbach gegen Atanga ein. Eingeschlagen hat der Ball nach nicht mal fünf Minuten allerdings hinter Reimann. Nach einem Freistoß kann der Kieler Schlußmann nicht die nötige Entschlossenheit aufbringen und ermöglicht dem Neuzugang Lawrence, den Ball ins Tor zu köpfen. Das schien der Startschuss für eine Tempoerhöhung gewesen zu sein. Zunächst drängte der FCSP darauf, das 2:0 direkt nachzulegen. Doch Holstein konnte sich zunehmend besser befreien und schaffte es aus zwei Kontern direkt hochprozentige Chancen zu kreieren. Doch zunächst scheiterte Lee an Himmelmann, der sich lang machte und den Ball ins aus klären konnte, drei Minuten später setzt Serra den Ball an den Innenpfosten. Das metallene Geräusch schmerzte nahezu in den Kieler Ohren. Die 29.546 Zuschauer sahen inzwischen eine gegenüber dem ersten Durchlauf qualitativ deutlich gesteigerte zweite Hälfte. Endlich schienen die Störche im Spiel angekommen zu sein und die Gastgeber hätten sich nicht über einen Ausgleich beschweren müssen. Doch diesen schien es ein probates Mittel, einfach zu erhöhen. Nach einem Ballverlust der Kieler im Mittelfeld können die Hamburger zügig aufs gegnerische Tor laufen, mit dem Ball am Fuß sprintet St. Paulis Conteh Ignjovski davon und trifft zum 2:0.

 

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Hinsichtlich der Stimmung war dieser Treffer für den Gästeblock ein kleiner Dämpfer. Die bis dahin laute und unentwegt singende blau-weiß-rote Ecke der Nordtribüne brauchte eine Moment, während das Heimpublikum dem Spielstand entsprechend ordentlich Alarm machte. Doch der Schreck wurde abgeshcüttelt, es wurde weiter gesungen und die Mühen wurden belohnt. Kapitän Wahl fand mit Baku einen dankbaren Abnehmer für seinen langen Flugball, den der Kieler Neuzugang mittels Schlenzer zum Anschlusstreffer verwandelte.

 

baku

Es ist eigentlich kaum zu glauben, dass dieses Flugblatt, das auf dem "Holler" verteilt wurde, aus den 1950er Jahren stammt...

 

flugblatt

 

...denn man kann den Eindruck bekommen, dass es immer noch aktuell ist. Man muss ja nicht alles gut finden und ein schlechtes Spiel bleibt ein schlechtes Spiel. Nur sollte einer Mannschaft immer die nötige Zeit gegeben werden. Und wenn ein junger Spieler mal einen Fehlpass spielt, muss man nach fünf Minuten nicht gleich seinen Unmut bekunden. Insofern: Gemeinsam Grundlagen für gute Leistungen schaffen!

 

18.08.2019, Endstand 2:1

 

Dezember 1978 - Holstein Kiel empfängt in der 3. Runde des DFB-Pokals den Karlsruher SC. In der Kieler Aufstellung damals heute noch bekannte Namen wie Jochen Aido, Berndt Jordt, Dietmar Tönsfeld und natürlich Immo Stelzer. Es ist ein munteres Hin und Her. Am Ende geht den Gästen aus Baden aber die Luft aus und die Störche ziehen mit einem 5:2 in die nächste Runde ein. Danach herrscht Funkstille zwischen den beiden Vereinen. Während der KSC in den Folgejahren hauptsächlich in der ersten und zweiten Bundesliga seine Bahnen zieht, sieht es für die KSV mehr als 30 Jahre weniger rosig aus. Erst nach dem Aufstieg in die 3. Liga näherte man sich zwar langsam wieder an, ging sich jedoch immer geschickt aus dem Weg. Und während Holstein 2017 den Schritt zurück in die 2. Bundesliga machte, ging es für den KSC runter. Wieder hatte man sich verpasst. Glaubt man also den Statistiken, ist die Begegnung an diesem Sonntagnachmittag das erste Pflichtspiel gegen den KSC nach mehr als 40 Jahren.

 

Dabei verbindet die KSV mit der Stadt Karlsruhe in Sachen Fußball eine deutlich ältere und vor allem erfolgreiche Geschichte. 1909 noch Deutscher Meister, gab der Karlsruher SC Phoenix, Vorgänger des heutigen KSC, den Staffelstab an den Stadtkonkurrenten ab, dem Karlsruher FV, ab. Im Jahr 1910 ging der Titel zwar erneut nach Karlsruhe. Im Weidenpescher Park in Köln holte jedoch der FV den Meistertitel gegen - genau Holstein Kiel. Zwei Jahre später lief es bekanntlich anders. Wieder traf die erfolgreiche Elf aus Baden gegen die Störche an, unterlagen ihnen im Stadion Hoheluft in Hamburg jedoch. Somit ist der größte Titel der KSV eng verknüpft mit der Stadt Karlsruhe.

 

Doch die Zeit meinte es nicht gut mit dem damaligen Endspielgegner. Ein letztes Aufbäumen gab es noch in den 50er-Jahren in der 2. Bundesliga Süd. Danach verschwand der einstige Meister in den Untiefen des Amateurfußballs. Heute ist die Kreisklasse die Heimat des einst erfolgreichsten Vereins Badens. Der Karlsruher SC hingegen hat sich in der Neuzeit zu einer klassischen Fahrstuhlmannschaft entwickelt. Unzählige Spielzeiten in der 2. Bundesliga, Ausflüge in die 1. Bundeliga und Abstürze in die 3. Liga. Dabei wurde der KSC begleiten von bekannten Namen wie Thomas Häßler, Dirk Schuster und nicht zu vergessen Eigengewächs Oliver Kahn.

 

 

 

Während der Karlsruher SC mit zwei Siegen in die Liga gestartet ist, scheint es bei Holstein mit einem Unentschieden und einer Niederlage noch etwas zu stottern, einzig in der ersten Pokalrunde am vergangenen Sonntag, siegte man mit einem souveränen 6:0. Der KSC setzte sich übrigens ebenfalls durch und gewann das Heimspiel gegen Hannover 96 mit 2:0.

 

 

 

Mit der Euphorie im Rücken reisten runde 1000 Karlsruher an die Kieler Förde, die sich wettertechnisch allerdings mal wieder von ihrer typischen Seite zeigte. Das machte sich auch bereits nach wenigen Minuten bemerkte. Der nasse Rasen ließ den einen oder anderen Spieler auf dem Rasen rutschen.

Salmtalstadion, 11. August 2019, Endstand 0:6

 

Am Tag der Auslosung hatte es auf beiden Seiten auch enttäuschte Gesichter gegeben. Beim FSV Salmrohr hatte man sich für die erste Runde im DFB-Pokal einen größeren Namen, wie Bayern oder Dortmund gewünscht – und auch im Lager der Holstein-Fans gab es sicher einige, die auf etwas anderes gehofft hatten, als den einzigen Sechstligisten im Lostopf. Die Ansetzung an einem Sonntag war dann auch nicht wirklich optimal für eine Auswärtstour von dieser Distanz.

 

rotzdem gab es auch etliche Kieler, die genau dieses Partie feierten. Die Reise ins Salmtal sollte so etwas wie ein Ausflug in noch gar nicht so lange vergangene Regionalliga-Zeiten werden. Holzbänke, Flatterband, Kuchen und die Wurst im Brötchen für zwei Euro – das alles gepaart mit einer freundschaftlich-entspannten Atmosphäre ergaben ein Wohlfühl-Gefühl, in dem ganz viel „alter Fußball“ enthalten war.

 

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Auch der Anblick des Salmtalstadions löste bei einigen Auswärtsfahrern nostalgische Gefühle aus. Erinnert der Bau mit der überdachten Haupttribüne und den Betonstufen doch ein wenig an das alte Holstein-Stadion. Und immerhin gab es hier in der Saison 1986/87 auch schon Zweitliga-Fußball zu sehen. Bekannte Namen aus dieser goldenen Ära im Salmtal: Klaus Toppmöller, Edgar Schmidt oder Wolfgang Kleff.

 

Auf einen schleswig-holsteinischen Vertreter traf Salmrohr bereits einmal im DFB-Pokal (1989/90 setzte sich der TuS Hoisdorf mit 3:1 gegen die Rheinländer durch), zwischen Holstein und dem FSV war es hingegen das erste Aufeinandertreffen. Dafür hatte die Fanszene das Motto „Sommer, Sonne, Holstein Kiel“ ausgegeben. Ein Motto dem, das Wetter mal ausgenommen, erfreulich viele KSV-Supporter folgten.

 

 

Hawaiihemden, Fischerhüte und Plastikflamingos grüßten aus dem Gästeblock. Ein gelungener Auftritt, für den sich auch noch André Schubert nach dem Spiel bedanken sollte.

 

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27. Juli 2019, Endstand 1:1

 

Das war er also, der Saisonauftakt. Letzte Saison war dieser für zwar deutlich fulminanter von statten gegangen, aber wer sich an die erste Zweitligasaison der Kieler Neuzeit erinnert, weiß, dass ein Unentschieden gegen Sandhausen kein schlechtes Omen für den Verlauf der Spielzeit sein muss.

 

Mast

 

Bei schönstem Kieler Sommerwetter steife Brise und strahlender Sonnenschein, versammelten sich insgesamt 10.103 Zuschauer im Holstein-Stadion. Gerade am gestrigen Freitag trafen heiße News hinsichtlich des Neubaus ein. So kann man sich 2024 auf eine neue, moderne Arena freuen. Soll natürlich nicht heißen, dass unser kleines Flickwerk keinen Charme versprüht, aber angesichts der geforderten Auflagen, nunmal erforderlich. Hoffen wir mal, dass sich auch jemand findet, der sie baut. ;) Dabei kann auch gleich eine „Hasenklappe“ eingebaut werden, um verirrten Langohren den Weg aus dem Stadion zu erleichtern. Die Westtribüne startete mit einem die gesamte Breite umfassenden blau-weiß-rotem Meer aus Fahnen, aufblasbaren Folienstäben, Flitter-Glitter und Wurfrollen.

 

HaseKSVSVS

 

 

Choreo

 

Einlauf

 

Die Verletzung von Jannik Dehm, die aller Wahrscheinlich nach bis zur Wintervorbereitung außer Gefecht setzen wird, wog schwer. Zwar hatte die KSV mit Todorovic zwar einen vielversprechenden Ersatz ins Nest geholt, dennoch war ihm die knappe Vorbereitungszeit anzumerken. Auch für ihn sich eine schwierige Situation. Umso unglücklicher, dass der frühe Treffer für die Gäste nach vier Minuten durch einen missglückten Klärungsversuch der Leihgabe aus Salzburg resultierte. Insgesamt schien zuweilen noch die Bindung zum Team zu fehlen. Ein Umstand, den eine weitere Trainingswoche hoffentlich beheben wird.

 

Mühling

 

Bereits wenige Minuten nach dem Treffer wurde klar, dass die Führung der Sandhäuser eher ein glücklicher Zufall gewesen ist. Das von Trainer André Schubert aus alten und neuen Spielern geformte Team funktionierte offensiv hervorragend. Schnell, trickreich und mutig stürmten Lee und seine beiden Flügel Serra und Neuzugang Iyoha. Besonder ein Alutreffer von Serra in der 8. Minute stach ins Auge. Die zuvor ausgeführte Ecke könnte so in jedem Lehrbuch stehen. Etwas, dass man aufgrund von Walters Liebe zu kurzen Ecken, zuletzt bei Holstein vermisst hatte. Nach gut einer Viertelstunde zog sich die Gastmannschaft deutlich zurück und versuchte, das Kieler Offensivspiel in den Griff zu bekommen. Alleine die noch fehlende Präzision im Abschluss verhinderte den Ausgleich. Die Kieler Verteidigung ließ allerdings noch deutlich zu oft zu wünschen übrig. Das Wort „Hühnerhaufen“ fiel auf der Tribüne – zuweilen traf das gut auf die Unordnung im eigenen Strafraum zu. Einzig die seelenruhig an der Torauslinie und im Strafraum pickende Taube schien konzentriert und ließ sich auch nicht nur wenige Zentimeter an ihr vorbei rauschende Stollenschuhe aus der Ruhe bringen.

 

Taube

 

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