Wo einst Trautman, Eusébio und Jaschin auf der Tribüne saßen, wuchern heute Brombeerbüsche...

 

Marl – circa eine Stunde von unserem eigentlichen Tagesziel (Auswärtsspiel der Störche bei Fortuna Köln) stand an diesem Sonntagmorgen noch ein kleiner Abstecher auf dem Plan. Es sollte mal wieder zu einem „lost place“ der deutschen Fußballgeschichte gehen: dem Jahnstadion, wo einst der TSV Marl-Hüls die Heimspiele austrug. Und das bis vor rund zehn Jahren.

 

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Der erste Bau an diesem Ort enstand bereits in den 1920ern, der allerdings in den 40ern und 60ern erweitert und umgebaut wurde. Zur Wiedereröffnung mit einem internationalen Jugendturnier fanden sich in Marl mit Bert Trautman, Eusébio und Lew Iwanowitsch Jaschin große Namen des Fußball ein.

 

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Auffällig beim „neuen“ Stadion war vor allem die von zwei Pylonen gehaltene Dachkonstruktion der Haupttribüne. Der Rest des Runds verfügte über Stufen, auf denen bis zu 35.000 Zuschauer Platz finden sollten. Der Zuschauerrekord lag mit 18.000 allerdings etwas niedriger und wurde schon 1960 gegen den Wuppertaler SV aufgestellt. In derselben Saison gelang dem TSV der Aufstieg in die erstklassige Oberliga West, wo man sich mal mehr (2:1-Sieg gegen Schalke 04 vor 15.000 Zuschauern), mal weniger erfolgreich (1:11-Niederlage bei Borussia Dortmund) mit den großen Namen des Reviers messen durfte.

 

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Die Nicht-Bewerbung für die neu geschaffene Bundesliga und der Abstieg läuteten dann allerdings auch schon den langsamen Niedergang des Vereins ein. Aufgrund massiver Schulden mussten zudem die meisten Leistungsträger verkauft werden – die meisten gingen nach Aachen, wo gesungen wurde: „Wir brauchen keinen Seeler, keinen Brülls, denn wir kaufen alle Spieler bei Marl-Hüls.“

Anfang der 2000er war der Verein in der Bezirksliga angekommen und war gezwungen, das bereits sanierungsbedürftige Jahnstadion zu verlassen. Dies wurde noch weiter für Baseball genutzt, doch der Verfall ging weiter. Heute wuchern Brombeeren und andere Büsche auf den Stufen, Wellenbrecher sind gebrochen – an eine Renovierung ist nicht mehr zu denken.

 

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In Zukunft sollen auf dem Areal Wohnungen enststehen, dies scheitert allerdings daran, dass eine Verfüllung des Runds zu kostspielig wäre. So bleibt ein sehr trauriger Anblick auf eine ehemals glanzvolle Sportstätte.

 

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