Dank eines guten Zeitpolster auf dem Weg nach Köln, war ein Abstecher, der fast als Pilgerfahrt bezeichnet werden konnte, drin. Nördlich des Zentrums befindet sich der Kölner Stadtteil Weidenpesch. Heute ist die Ecke bekannt für die Pferderennbahn. Doch auch wenn es sich auf dem Gelände der Reitsportanlage befindet, das Objekt unser Begierde war natürlich ein Ground. Oder was von dem Ground noch übrig ist. Das Stadion Weidenpescher Park beheimatete einst den VfL Köln 1899. Dieser zog 2002 jedoch aus der traditionsreichen Spielstätte, deren letztes Highlight wohl die Dreharbeiten zu Sönke Wortmanns 'Das Wunder von Bern' waren, aus.

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Das Stadion galt mit einem Fassungsvermögen von 16.000 Zuschauern einstmals als eines der größten Fußballstadien Deutschlands. 1905 und 1910 fanden hier die Endspiele um die Deutsche Meisterschaft statt. Moment... Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1910? Hat da nicht....? Richtig, unsere altehrwürdige KSV, bzw. der Vorgängerverein FV Holstein Kiel spielte, bevor 1912 der große Meisterschaft-Wurf gelang, zwei Jahre früher vor 5.000 Zuschauern auf eben jenem Grund und Boden, auf dem wir uns bei unserer Erkundungstour befanden (übrigens: 2 von 3 verlassenen Stadien haben Löcher im Zaun... ;) ). Von dem damaligen Glanz ist inzwischen allerdings nicht mehr viel zu erkennen. Die 1920 errichtete und damit älteste Fußballtribüne des Landes verfällt zusehendst. Trotz Denkmalschutz. Und wo einst 22 Mann um das runde Leder kämpften, finden nur noch gelegentliche Flohmärkte statt.

 

Es gibt Orte, die stimmen einen traurig. Zum zweiten Mal nach dem Marienthal hat sich die CCK auf einen Abschiedsbesuch aufgemacht, wieder zu einem Ground, auf dem einst auch Holstein Kiel als Gastmannschaft auflief. Die Vereine, deren Heimspielstätte das Stadion am Hermann-Löns-Weg einst war, existieren bereits nicht mehr. Die SG Union Solingen existierte von 1974 bis 1990, der Nachfolgeverein 1. FC Union Solingen ging 2012 in die Insolvenz.

In diesem Jahr kommt nun das Ende der 1929 entstandenen Spielstätte, die 1976 komplett renoviert und in den 1980er Jahren um eine Flutlichtanlage erweitert wurde. Die Gesamtkapazität lag bei 16.000 Zuschauern, diese Besucherzahl wurde am 16. Februar 1985 beim DFB-Pokalspiel gegen Borussia Mönchengladbach auch erreicht. Zu diesem Zeitpunkt spielte auch ein gewisser Daniel Jurgeleit in der Klingenstadt.

Im Jahr 2006 musste dann die Zuschauerkapazität auf 5.000 gesenkt werden, eine Begehung hatte gravierende Verstöße gegen die Versammlungsstättenverordnung offenbart. Ohne Nutzer (der OFC Solingen nutzt nur den Kunstrasen-Nebenplatz) begann der langsame Verfall. Auf den Stufen und vor der Haupttribüne ist inzwischen eine teilweise undurchdringliche Vegetation zu finden. Nur die Rasenfläche ist immer noch frisch gemäht, was fast ein wenig skurril anmutet, da der Abrisstermin wohl nur noch eine Frage von Wochen ist. Irgendwann werden dann nur noch Wohnungen da stehen, wo einst an Spieltagen Tausende 90 Minuten mit ihrem Team mitfieberten.

 

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Mit unserem Touri-Führer N., dem von ihm als "skillful driver" angekündigten I., einem Pärchen aus Frankreich und zwei Litauern ging es gegen 09:00 vom Treffpunkt am Maidan aus gen Norden, Richtung belarussischer Grenze. Tagesziel: Kernkraftwerk Tschernobyl und die Stadt Prypjat. Die knapp 2-stündige Hinfahrt wurde mit einer englischsprachigen Doku über das Reaktorunglück von 1986 kurzweilig überbrückt bis der Checkpoint der 30km-Sperrzone erreicht wurde. Namensliste gecheckt, kurze Passkontrolle durch einen Uniformierten und dann öffnete sich der Schlagbaum.

Erster Stop war die Stadt Tschernobyl, die auch heute noch von Arbeitern, Wissenschaftlern und Sicherheitskräften des Kraftwerks bewohnt wird.

 

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Es folgt eine kleine Stadtrundfahrt durch einen (größtenteils) verlassenen Ortsteil Tschernobyls, vorbei an im Fluss Prypjat versenkten Schiffen ...

"Seine Bilder sind von einer solch erstaunlichen Mischung aus Melancholie, großer Geschichte, Ruhe und doch auch Veränderung, dass wir sie euch selbstverständlich nicht vorenthalten wollen."

 

Warme Worte von der 11Freunde-Redaktion. Und wer die Bilder, von der die Rede ist, seinerzeit bei uns verpasst hat, kann sie sich hier nochmal ansehen:

 

Vollbildaufzeichnung 02.02.2014 120447.bmp

(klick aufs Bild)

Wo einst DFB-Pokal gespielt wurde, man sich Freitags unter Flutlicht traf, ist heute nur noch ein trauriger "lost place" der norddeutschen Fußballgeschichte. :(

 

 

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