Gerhard-Hanappi-Stadion, 8. August 2013, Endstand 3:1

 

Wenn man schon mal auf dem Weg in den Süden zum Auswärtsspiel der Störche in Stuttgart ist, darf es doch auch gerne noch etwas weiter sein. Da Zugfahrten in die Hauptstadt der Alpenrepublik doch etwas schlauchen, wählte man die bequeme Anreise mit dem Flugzeug (inkl. Kronenzeitung und Christina Stürmer – Hallo Austria!) und besserte so am Nachmittag die Bilanz von Hamburg-Fuhlsbüttel etwas auf. In bequemen 75 Minuten ging es über Tschechien nach Wien. Schnell raus aus dem Flieger, rein ins Flughafengebäude. Da merkte man schon, dass man heute wohl viel trinken sollte, insgesamt war es laut Medien mit über 41 Grad der wärmste Tag in Wien seit den Aufzeichnungen, das war schon ein Unterschied zum Norden, wo es gerade wieder auf 18 Grad abgekühlt war. Das Gepäck schnell gefunden, ab in die S-Bahn, sodass man bald den Bahnhof Hütteldorf erreichte, der direkt neben dem Stadion liegt.

 

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Die Flutlichter waren bereits eingeschaltet, der Schreiber musste aber erstmal unnötigen Ballast loswerden. Nachdem der erste Taxifahrer mit dem Namen Hostel Hütteldorf nichts anfangen konnte, ganz nebenbei wohl eines der bekanntesten in Wien, war der nächste schon kompetenter. Sachen nach oben gebracht und ab ins Hanappi!

 

Die Straßen waren bereits völlig in grün getaucht, es war Warm mit leichtem Wind, Karte auf der Geraden für unter Wert erstanden – Europapokal! Das Stadion besteht aus zwei kleineren Hintertortribünen und zwei Großen auf den Geraden und fasst um und bei 18.000 Zuschauer, macht aber insgesamt einen deutlich größeren Eindruck. Das Ganze ist nur mit Sitzplätzen bestückt und ist sicher kein Meilenstein der Stadionarchitektur, ein wenig in die Jahre gekommen (Mitte der 70er eröffnet), aber auf jeden Fall charmant und sehenswert.

 

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Hanappi war übrigens zum damaligen Zeitpunkt neben Rapid-Legende und Rekordnationalspieler Österreichs auch Architekt des Stadions.
Das Stadion füllte sich heute ganz ordentlich (ca. 15.000 Zuschauer im Rund), davon waren auch ca. 50 Anhänger aus Griechenland anwesend, immerhin, kommt man doch aus einer ca. 50.000 großen Kleinstadt in Südgriechenland. Die Ausgangslage sollte außerdem ein wenig Spannung versprechen, im Hinspiel trennten sich beide Clubs 1:1.

 

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In der letzten Zeit schwiegen die Ultras Rapid auf der Westtribüne oft aufgrund einer ihrer Meinung unfähigen Vereinsführung und zahlreichen Stadionverboten, heute war der Block West gewohnt laustark. Früher gab es nahezu zu jedem Heimspiel eine aufwendige Choreo, heute gab es diverse Fahnen und ein Spruchband für die Freunde von Panathinaikos Athen. Ein kleiner Fetzen bestätigte auch die Anwesenheit von Ultras Nürnberg. Neben dem Block West gibt es auf der Gegenseite rund um die Lions Rapid einen weiteren Stimmungsblock, wo immerhin noch mal um die 200 Gestalten den Verein unterstützen. Nicht nur die gute Stimmung, auch das Spiel wusste sofort zu gefallen. Rapid mit dem Drang nach vorne (und in der Liga noch unbesiegt), aber auch die Griechen bewiesen, dass sie durchaus internationale Klasse haben und nicht nur von finanziellen Katastrophen der griechischen Konkurrenz (AEK und Panathinaikos letzte Saison schwach) profitiert haben.

Der Block West zog stimmungstechnisch geschlossen mit und fand eine gute Mischung zwischen Standard und Individuellem, vor allem war man aber immer lautstark, echte Europacup Stimmung.
Nach 25 Minuten drehte der Heimanhang das erste Mal richtig durch.

 

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Aus kurzer Distanz das 1:0 für Rapid! Mit diesem Ergebnis ging es auch in die Pause, wo man für 2€ erstmal einen halben Liter Austria-Gespritzter (Apfelschorle) bekam. Fair!

Rapid danach weiter am Drücker, das Tor machten jedoch die Griechen. Im Anschluss kam dann der junge Louis Schaub (btw: geboren in Fulda, aber Österreicher), dem wirklich 50 Sekunden später der Ball vor die Füße fiel und im zweiten Europa League Spiel sein erstes Tor erzielte. Das Publikum klatschte wenige Minuten später die obligatorische Rapid Viertelstunde ein, das ganze Stadion nun am Singen, das erlebt man in Deutschland auch nicht wirklich häufig.

Fünf Minuten war es wiederum ein Schaub-Schuss, der zur Vorentscheidung den Weg die Maschen fand. Kurt danach war Schluss, Rapid steht damit in den Play-Offs der Europa League, wo man nach Georgien muss. Schnell ging es danach in die Sauna Hostel Hütteldorf, wo man doch noch Schlaf fand. Im Nachhinein war man wirklich glücklich über die Entscheidung dieses Spiel gewählt zu haben, bei der anderen Option (Wiener Derby am Sonntag) hätte man nur ein müdes 0:0 gesehen.