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Coupe-de-France-plus-Aalst-Hopping
Geschrieben von: Martin   
Dienstag, den 10. Januar 2012 um 23:16 Uhr

 

In Paris und Umland soll es sicher einige Sehenswürdigkeiten geben, zum Besipiel in Versailles. Diese werden allerdings nur in rund 500m Luftlinie gestreift, wenn parallel ein französischer Amateurverein zum Spiel bittet. Doch der Reihe nach.

 

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Freitag Mittag, 13 Uhr, der Rest der Crew kam von direkt von der Arbeit zur Autovermietung, während andere noch den Luxus des Schülerlebens genießen durften und dank Ferien quasi erst eine Stunde vor Abfahrt aufstehen brauchten  und mehr oder minder im Jogger aus dem Bett in den sehr geräumigen Siebner fielen. Nach zwei kurzweiligen Fahrstunden sammelte man noch den letzten Mitfahrer in der einzig wahren Hansestadt Bremen am Weserstadion ein und machte sich somit vollzählig nach Paris auf. Die Stunden verflogen dank vorzüglichem Assi-Oi-Punk aus dem Hause Schloidergang und einem Antifa-Schlager-Tape ("Aber bitte Randale") wie im Flug, bis ein Anruf aus der Alsterdorfer Sporthalle für allgemeine Erheiterung und zusätzlich Spannung sorgte, da sowohl Hamburg schwarz-weiß-blau, als auch braun-weiß einen fleißig mit Infos versorgte.

 

Erst mitten in der Nacht erreichte man schließlich die Seine-Metropole, wo man einen Mitfahrer mit Pariser Vergangenheit ins Nachtleben entließ und selbst noch Freigetränke abstaubte. Danach ging es, ehe es zu spät oder früh geworden wäre, Richtung Hostel, nicht aber ohne dank der verdunkelten Scheiben und auffällig langsamer Fahrt einige Nachtschwärmer älteren Semesters "etwas" zu erschrecken". Nicht böse gemeint ;) Zum Abschluss des Tages versorgte man sich noch mit den letzten Neuigkeiten aus Hamburg und fiel in einen vierstündigen Schlaf, um nicht zu spät zum leckeren französischen Frühstück zu kommen, das an diesem wie an jedem Morgen aus einem Brötchen mit Marmelade bestand (was ist aus der französischen Backkunst geworden?).

Football Club de Versailles 78 vs. Dijon Football Côte d'Or
Stade Montbaron, 7. Januar 2012, Endstand 1:5


Nach der Besichtigung einiger Postkartenmotive sollte das erste Ziel des Tages Versailles heißen.

 

 

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Gerüchtehalber soll hier auch ein bekannteres Schloss stehen, für uns ging es aber in das Stade Montbaron, der Heimspielstätte des Football Club de Versailles 78, der allerdings anders als man es vermuten könnte, erst 1989 gegründet wurde als eine Fusion aus dem Racing Club Versailles und Companion Sports Versailles und zunächst in der Division 3 antrat. Höher hat man es ingesamt nicht geschafft, sondern pendelt vielmehr durch die regionalen Ligen und ist derzeit lediglich in der sechsten Liga (Division d'Honneur/Ligue de Paris Île-de-France de football) anzutreffen. Immer ist man noch im Coupe de France vertreten, wo man am heutigen Sonnabend auf den Erstligisten Dijon Football Côte d'Or, der in den letzten hundert Jahren gefühlte tausend Mal den Namen gewechselt hat und seinen jetzigen  seit 1998 trägt.

 Favoritenrollen sind also klar verteilt im Stade Montbaron, das rund 7.000 Zuschauern Platz bietet und neben einer großen, überdachten Haupttribüne, die bis zum letzten Platz besetzt war, eine etwas größere Stehtribüne auf einer Hintertorseite, während der Rest des Runds eher mäßig bis gar nicht ausgebaut ist.

 

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Kurz vor Anpfiff versuchte sich der Fanblock der Heimmannschaft (bestehend aus den Versailler Jugendteams) an einer kleinen Choreo aus Papptafeln, für die diverse Druckerpatronen ihr Leben geben mussten. Während des Spiels gab es des öfteren verbale Attacken in Richtung Gästeblock, der dies relativ lässig mit einigem Rauch beantwortete.

 

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Insgesamt dürften sich unter den rund 3.000 Zuschauern etwa 60 Gäste befunden haben, die sowohl auf der Haupttribüne, als auch auf der Gegengerade zu finden waren. Auf dem Platz hielt der Hausherr überraschend gut mit und besaß eigentlich sogar Feldüberlegenheit, ehe dem Heimkeeper nach gespielten 35. Minuten ein grober Schnitzer unterlief und es plötzlich 0:1 stand.

 

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Drei Minuten vor der Pause dann noch das 0:2, was eigentlich schade war, da so die Chancen auf eine spannnende zweite Hälfte gegessen waren. Und wo wir gerade beim Essen sind: Das bestand beim FCV78 aus einer Art Hot-Dog, bei dem ein Würstchen mit viel viel Mayo zwischen ein Baguette gequetscht wurde. Schmeckte durchaus passabel (wobei das Brot deutlich besser war als das etwas seltsame Würstchen) und mit 2 € auch definitiv nicht überteuert. Nach der Pause zeigte  es sich, dass ein Erstligist auch mit dürftigem Niveau gegen einen Amateurklub bestehen kann. Highlight für die Hausherren nebst Anhang gab es in der Nachspielzeit in Form eines höchst zweifelhaften Elfmeters, der zwar nicht nicht mehr am Ausgang des Spiels änderte, dafür aber das Stadion komplett durchdrehen ließ.

Danach mit Umweg über Prinzenpark (leider ohne geöffneten PSG-Fanshop) und Supermarkt ging flux zum Nationalstadion Frankreichs, wo die zweite Partie des Tages auf dem Programm stand.

Red Star Football Club 93 vs. Olympique de Marseille
Stade de France, 7. Januar 2012, Endstand 0:5


Ehe man allerdings das Stadion erreicht hatte, erfreute man sich an der "hervorragenden" Parkplatzsituation am größten Stadion Frankreichs, da man vorher keinen Stellplatz reserviert hatte und so 1 1/2 Stunden durch die Umgebung irren durfte. Schließlich machte man es den Franzosen nach und parkte einfach eine Einfahrt an einer Schnellstraße zu. Zum Glück stieß der am Vorabend in einer Kneipe abgesetzte Mitfahrer wieder zum Rest der Gruppe und hatte sich vorsorglich in eine der Schlangen am Ticketcenter eingereiht.

 

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Erwerb eines Begegnungsschals scheiterte leider und so ging es ohne Farben für nur sensationelle 8 € in den obersten Rang mit bester Sicht auf den unterhalb liegenden Gästeblock von OM, wo man sogleich anderes hoppendes Volk aus Offenbach erspähte, die man bereits in Versailles gesehen hatte.

 

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Die dreistöckigen Tribünen des zur Weltmeisterschaft 1998 eröffneten Nationalstadions wussten durchaus zu gefallen, auch wenn die Kapazität von 80.000 nicht ganz erreicht wurde und ca. 35.000 Plätze frei gewesen sein durfte. Trotzdem wahrscheinlich ein Zuschauerrekord für den Red Star Football Club 93, die ansonsten im Stade de Paris, das vor allem bei den Supportern auch als Stade Bauer bekannt ist, austragen. Die Nummer im Vereinsnamen ist übrigens keineswegs das Gründungsjahr (das ist 1897), sondern ist die Ordnungszahl des Departements Seine-Saint-Denis, in dem der Club beheimatet ist. Gründer des Vereins war kein geringerer als Jules Rimet, französischer Fußballpionier und Begründer der Weltmeisterschaft, weshalb die ursprüngliche Trophäe auch nach Rimet benannt wurde. Der große Glanz des Vereins ist inzwischen allerdings etwas verblasst, erfolgreichste Epoche waren die 1920er, als man gleich viermal den Coupe de France gewinnen konnte (insgesamt bringt es Red Star auf fünf Pokalsiege). Letztmalig erstklassig spielte der Verein in der Saison 1974/75, seitdem schaffte man nie die Rückkehr ins nationale Oberhaus, konnte im letzten Jahr aber immerhin eine kleine Auferstehung mit der Rückkehr in die dritte Liga feiern.

 

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Bereits kurz nach Entern des Grounds machten die Gäste aus Marseille auf sich aufmerksam, einige Bengalos konnten gesichtet und einige Böller gehört werden. Insgesamt konnten im eigentlichen Gästeblock um die 600-700 Südfranzosen gezählt werden, welche im Laufe des Spiels durchgehend zu hören waren und mit gutem Materialeinsatz auffielen. Das Spiel glich wohl eher einem Heimspiel des Champions-League-Teilnehmers, circa 3/4 drückten Olympique die Daumen, was besonders bei den Toren gut zu erkennen war. Red Star konnte sich vereinzelt durch Schlachtrufe bemerkbar machen,  der Stimmungskern dürfte bei 200 Fans gelegen haben. Das Spiel selber begann wie das vorherige äußert vielversprechend, zwar hatte Marseille ein deutliches Übergewicht, dank der schnellen Stürmer konnte Red Star so einige Nadelstiche setzen und kam so zu einigen guten Torchancen. Doch kurz vor der Halbzeit nutzen die Gäste eine Orientierungslosigkeit des Heimkeepers und verwandelten eiskalt zum 0:1. Inzwischen hatte sich die Hoppingcrew einen neuen Platz suchen dürfen, nach einigen Hassgesängen gegen die Hauptstadt fühlten sich wohl einige Halbstarke dazu berufen, vom nahen Oberrang gegen die Gäste zu pöbeln, was die Polizei jedoch nach einiger Zeit beendete und den Teil des Blockes räumen ließ. Mit dem knappen Rückstand ging es in die Pause, wo man am Getränkestand für fünf Getränke über 30€ berappen durfte, ein echter Schnapper also, der uns aber nicht vom Alkohol abhielt ;-). In der zweiten Halbzeit übernahm Marseille die komplette Kontrolle, wobei durch tolle Tore eine am Ende vielleicht zu hohe Führung von 0:5 herausgespielt wurde. Ansehnlich vor allem ein direkter Freistoß sowie ein Distanzsschuss mit schöner vorangegangener Kombination.


Anschließend verschwand der besagte Mitfahrer trotz Erschöpfung wieder in das Etablissement seiner Wahl, während der Rest sich auf den Weg ins Hostel machte und dort sich nach kurzem Schnacken in die Betten fallen ließ. Nach dem gewohnten Frühstück verließ man schnell die Hauptstadt, um womöglich DAS Highlight der Tour in Form eines belgischen Zweitligaspiels anzusteuern.

Sporting Club Eendracht Aalst vs. Koninklijke Voetbal Klub Tienen
Het Pierre Cornelisstadion, 8. Januar 2012, Endstand 0:0


Nachdem der Großteil die ersten Kilometer verschlief, wurde man ausgerechnet durch deutschen Schlager im belgischen Radio wieder geweckt. Aalst selber wurde bereits am Ortseingang von Großteil der Besatzung aufgrund des fehlenden Sinns nur noch gefeiert, die Stadt war auch gewohnt belgisch eher runtergekommen und über die Bevölkerung und ihre Vorlieben wurden so einige Vermutungen angestellt ;-). Nach kurzer Fahrt erreichte man das Stadion, wo man bereits die ersten Fans antreffen konnte, die es sich vor einer Bühne bequem gemacht hatte, wo man ständig mit Techno beschallt und einiges zum Teil sogar live zum Besten gegeben wurde.

 

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Alles in allem eine prima Zeitvertreibung bis zum Anpfiff. Eine halbe Stunde vor diesem holte man sich noch Tickets, mit 12€ fürn Steher sogar die teuersten der Tour. Dieser Preis wurde aber durch zwei Baracken legitimiert, wo sich nahezu die gesamte Anhängerschaft zum Komsumieren alkoholischer Getränke traf.
Eendracht Aalst wurde 1919 gegründet und konnte zwanzig Jahre später erstmals erstklassig spielen. Danach ging es bergauf und bergab, 1994 gelang erneut der Aufstieg in die erste Liga und spielte sogleich international, wo man auf den AS Rom traf, 2002 musste man sich dem Konkurs beugen, wurde aber anschließend wiedergegründet. Das Stadion fasst ca. 10.500 Zuschauer, wobei eine große Haupttribüne und eine kleine Hintertribüne Sitzplätze bieten, während hinter dem anderen Tor nur Platz für eine große Werbewand ist.

 

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Heute wohnten sich ca. 2000 dem Spiel bei. Der Rasen glich eher einem Acker, dementsprechend sahen auch die ersten Minuten der Begegnung aus. Die besserte sich jedoch mit der Zeit und Aalst übernahm das Kommando - zu Toren kam es aber nicht, wobei besonders in der zweiten Halbzeit Pfostentreffer auf beiden Seiten zu sehen waren. Hingucker war auf jeden Fall noch das örtliche Maskottchen: Nachdem man es erst Halloween zuordnete, erkannte man die wahre Identität der Zwiebel, sodass während des Spiels diese Tatsache Stoff für zahlreichen geistigen Ergüsse war, oder wo kommen die Begriffe Aalsterwasser oder veraalsten her?

 

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Nach Abpfiff steuerte man nach dem Verzehr von belgischen Pommes im stilechten Döner den Heimweg an, sodass man nach ein paar Stunden wieder Deutschland erreichte und sich durch das Ruhrgebiet in Richtung Bremen bewegte, wobei man sich in Niedersachsen wieder am seinem Lieblingssender (NDR1) nebst Hitparade erfreute. Kurz nach Mitternacht erreichte man so nach einem kurzweiligen Trip wieder die Landeshauptstadt.

NUR AALST!

 
 

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