Grau, nasskalt, ungemütlich – die kalte Jahreszeit an der Küste ist selten das, was man sich im Allgemeinen unter Winterromantik vorstellt. Um dem Anflug von Depressionen vorzubeugen, tut es da gut, die heimischen Gefilde in Richtung Süden zu verlassen. Die Wahl der Destination wird dabei vereinfacht, wenn das eigene Team das Wintertrainingslager am Mittelmeer aufschlägt.

 

Nachdem es Holstein vor einiger Zeit noch an die türkische Riviera zog, ist inzwischen Spanien zum Ziel der Störche geworden. Der Ort La Manga dürfte einigen Holstein-Fans noch bekannt sein, fand hier doch vor zehn Jahren das „legendäre“ Testspiel gegen Jerez Industrial CF statt, bei dem der Gegner eher an ein Kneipenteam erinnerte und erst 15 Minuten nach geplantem Anpfiff zu elft war.

 

Für die Mannschaft ging es schon zu Beginn der Woche los, für die Touristen am Donnerstag hinterher. Neben der Verbindung eines irischen Billigfliegers war mit TAP auch die Route über Lissabon eine Option. Vorteil hierbei die Ankunftszeit, die nicht mitten in der Nacht lag und die Aussicht auf die „Blädderteichdinger mit Pudding“ (O-Ton eines Hamburgers an Bord des Flugzeugs). Und natürlich sind die Pastéis de Nata definitiv den Umweg wert.

 

Pasteis

 

Prop

 

Propeller

 

Weiter geht es mit Propellermaschine nach Alicante und von da aus per Mietwagen in Richtung Mar Menor. Das „kleinere Meer“ ist eine Salzwasser-Lagune in der Region Murcia, die das salzhaltigste Binnengewässer Europas ist und von der Nehrung „La Manga“ vom Mittelmeer abgetrennt wird. Auch wenn das Gebiet natürlich an vielen Ecken sehr touristisch geprägt ist, gibt es immer noch den einen oder anderen authentischen Fleck Spanien zu entdecken. Bis auf die ganzen Serrano-Schinken, die im Supermarkt hängen, ist davon nach Sonnenuntergang aber zunächst noch nicht viel zu sehen. Dafür entschädigt der Blick am nächsten Morgen aus dem Hotelzimmer - „Hallo Mittelmeer, hier sind wir!“

 

Sonnenaufgang Tag 2

 

Testspielfreitag

 

Es ist nicht nur die Sonne, welche die Laune steigen lässt, es ist die ganze Natur mit Hibiskusblüten, Zitrusfrüchten, usw. Nach ausgiebigem Frühstück (das im Hotel sehr „englisch“ daher kommt, allerdings mit kleinen Chorizowürstchen – sehr lecker, aber eine Herausforderung an den Verdauungstrakt) geht es zum Trainingsplatz des La Manga Clubs, wo die Störche bereits fleißig schwitzen. Die intensive Vorbereitung auf die Rückrunde ist in vollem Gange – und auch Fotografen zeigen vollen Einsatz. ;) 

 

Frühstück

 

Sonne Tag 2

 

Hibiskus

 

Butschies 

 

 

Für den Nachmittag steht ein Test an – Kieler SV Holstein gegen die VV St. Truiden. Inzwischen haben sich für den Kick gegen den belgischen Erstligisten weitere bekannte Gesichter aus Kiel und Fußballprominenz auf der Tribüne eingefunden, dazu noch eine Gruppe Fans des Gegners. Auf dem kleinen Ground, der immerhin über einigen Ausbau und Flutlicht verfügt, wird auch der La Manga Cup ausgetragen, bei dem vor allem Teams aus Skandinavien und Osteuropa, wie Rosenborg, der FC Nordsjælland, CSKA Moskau oder Shakhtar Donetsk in der Vorbereitung um den Titel kämpfen (und wahrscheinlich einen übertriebenen Pokal).

 

LaManga Club

 

Kapitano

 

Kopsball

 

Miro

 

Weilandt

 

Anfang

 

Panorama La Manga

 

 

Das erste Testspiel des Jahres 2018 endet für die Störche mit einem 2:2-Unentschieden, wobei KSV-Trainer Markus Anfang bemängelt, dass er bei einigen Spielern das „Brennen“ vermisst habe. Es gibt aber auch positives, wie die Leistung von Tom Weilandt auf dem Flügel, der kämpferisch überzeugt und sich auch in die Torschützenliste einträgt. Den anderen Treffer für Holstein erzielt Kingsley Schindler.

 

Der Abend wird dann mit Fußball im TV und einigen Kaltgetränken verbracht.

 

Bergbau und Fischfang

 

Von den Sonnenstrahlen geweckt wird der Sonnabend dafür verwendet, ein wenig die Gegend zu erkunden. Zunächst einmal geht es zum Faro Cabo de Palos. Wer ein wenig des Spanischen mächtig ist, weiß, dass es sich dabei um einen Leuchtturm handeln muss. Dieser liegt auf einem Felsen am Anfang von La Manga, von dem man einen hervorragenden Blick über die Landschaft hat, zudem gibt es zwischen den Kakteen einige kleine „Tiger“ zu sehen. Zwischen La Unión und Portmán ist der Landschaft deutlich anzusehen, dass, bevor der Tourismus Einzug hielt, der Reichtum der Gegend vor allem aus Bergbau resultierte. Heute geben die terrassierten Berghänge mit den verfallenen Mienen und alten Fördertürmern eine prima Kulisse für Endzeitfilme ab. Zwischendrin gibt es aber einige pittoreske Fischerdörfer und hübsche Buchten, deren Strände wie im Fall von Portmán allerdings durch den Erzabbau arg mit Schwermetallen belastet sind. Als eine kleine (kulinarische) Überraschung stellt sich eine Hütte am Playa del Lastre heraus. Bei „El Cubano“ gibt es einfach das, was das Meer am jeweiligen Tag hergibt. Und das ist an diesem Tag Dorade, die frisch gegrillt in die norddeutsche Mägen wandert.

 

Kakteenkönig

 

Faro

 

Faro Bucht

 

Faro Fahne

 

Hafen

 

Fahnen

 

Netze

 

Bergwerk

 

Portman

 

Dorade

 

Meeresfrüchte, Länderpunkte und ein U-Boot

 

Am Sonntag geht es vorbei an einem liebenswerten oldschool Ground nach Cartagena. An der Hafenpromenade lässt es sich in der Sonne gut aushalten, selbst die Einheimischen trauen sich ohne dicke Winterkleidung auf die Straße. Bei einem Käffchen und ein paar huevos revueltos mit Schinken und Pimientos schweift der Blick über das Wasser und entdeckt etwas, an das das Kieler Auge gewöhnt ist. Die „A“, die in Kiel vor einem Jahr vom Stapel gelaufen ist, liegt derzeit im spanischen Mittelmeerhafen. Danach geht es in die Innenstadt, wo die Spuren der römischen Besiedlung zu erkennen und zu besichtigen sind. Wobei dies bis in die 1980er nicht der Fall war, da das römischen Amphitheater lange unter mehreren Schichten Schutt und Neubauten begraben lag. Heute ist es ein kleines archäologisches Juwel, das in die Gassen Cartagenas eingebettet ist. Nach einem kleinen Stadtbummel geht es weiter zum nächsten Programmpunkt des Tages, dem Estadio Cartagonova.

 

Kirche

 

Stadion

 

Orangen

 

Mercado

 

Cartagena Hafen

 

A

 

Cartagena City

 

Cartagena

 

Theater

 

Bevor es aber Fußball gibt, steht zunächst noch die Suche nach Nahrung an. Beim Abstellen des Autos auf dem Stadionparkplatz erblickt das Auge dabei eine Bude mit Zeltanbau, wo sich drei Stunden vor Anpfiff schon einiges an Volk versammelt. Ein gutes Zeichen, doch sind die Norddeutschen vom Angebot doch ziemlich geplättet. Muscheln, Gambas, Pulpo, Sardinen,... - alles, was das Mittelmeer an Köstlichkeiten bietet, wandert hier frisch auf den Grill und mit Olivenöl, Knoblauch und frischen Kräutern auf den Teller. Auch die beiden nachfolgend eintreffenden Kieler Autobesatzungen (also quasi so viele Holstein-Fans wie damals auf einen Freitagabend in Plauen) sind sehr angetan. Zusammen mit einer kalten Cerveza oder einem Tinto de verano wird das Leben auf der Iberischen Halbinsel voll genossen.

 

Estadio

 

Seafood

 

Verkäufer

 

Nach einigen Drinks geht es zum Ticketschalter (die Preise in der Segunda División B, also der dritthöchsten Liga liegen zwischen 10 und 15 Euro) und rein ins 1988 eröffnete Stadion, dass von außen einen gewissen, rotten Charme hat. Innen wirkt der Bau, der sehr stark an das Mini Estadi des FC Barcelona erinnert, hingegen deutlich moderner. Der Allseater verfügt über 14.712 Plätze, ursprünglich betrug die Kapazität der doppelstöckigen Tribünen 20.000 Plätze. Eine kleine Gruppe Anhänger der Gäste aus Ejido hat sich eine der Kurven als Standort ausgesucht, muss aber mit einigen älteren Fans der Hausherren gestenreich diskutieren, da diese ihre Stammplätze nicht verlassen wollen und nicht auch nur eine Reihe nach oben rücken wollen. Der Disput endet aber friedlich. Der Supportkern der Heimfans ist ein wenig schwieriger auszumachen. Die Ultràs befinden sich auf der einen Hintertorseite, ihnen gegenüber steht allerdings auch eine Gruppe singender Fans. Dazu sind noch weitere Gruppen im Rund auszumachen – gebündelt wäre es vielleicht was die Lautstärke betrifft sinniger.

 

Maskottchen

 

Kleber

 

BWArmy

 

Stadionpanorama

 

Empanadas

 

Beide Teams haben vor dem Spiel eine Vier-Spiele-ungeschlagen-Serie zu verzeichnen, allerdings zeigt nur Cartagena ansatzweise ein akzeptables Niveau und geht auch zurecht nach nur 12 Minuten per Strafstoß in Führung. Danach kommen auch die Gäste zu ihrem Chancen, wie wissen sie wohl auch nicht so recht. Die Hochkaräter werden allerdings kläglich vergeben. Nach dem Seitenwechsel können die Hausherren noch zweimal einnetzen, womit die Tabellenführung unter dem Strich doch recht souverän verteidigt wird. Größtes Highlight bleibt aber das Maskottchen, ein lebendiges U-Boot (Cartagena ist die Heimat des U-Boot-Pioniers Isaac Peral und auch das Wappen des Vereins ziert ein U-Boot). Zur Verpflegung werden dem Stadionbesucher neben alkoholfreiem Bier relativ leckere Empanadas mit Tomatenfüllung geboten, sowie Tonnen von Sonnenblumenkernen.

 

Murcia - eres hermosa!

 

Training 1

 

Training 2

 

Der Montag wird mit Regen und einem weiteren Trainingsbesuch eingeleutet. Auch wenn sich kleine Bäche auf dem Trainingsplatz bilden, bleibt die Stimmung im grünen Bereich und zum Ende der Einheit bricht die Sonne schon wieder durch die Wolken. Zum Interviewtermin mit Holsteins Youngster Utku Sen (Nachzulesen >>hier<<) ist schon wieder herrliches Wetter und so wird das Treffen auf die Terrasse verlegt. Nach getaner Arbeit geht es ein weiteres Mal auf die Straße mit Ziel Murcia. Hoch über der Stadt thront auf dem Monteagudo eine große Jesusstatue, erbaut auf den Resten eines arabischen Kastells als Symbol für den Sieg des Christentums. Im Vergleich zu ihrem etwas größeren Bruder in Rio de Janeiro ist die Statue in Murcia vergleichsweise unbekannt – der Ausflug zu ihr ist aber eine Empfehlung, auch weil sich von dort aus ein hervorragender Blick über die Stadt bietet. Mit einem kleinen Schlenker über das 1924 erbaute Estadio La Condomina (viel charmanter als der langweilige Neubau Estadio Nueva Condomina, der 2006 eröffnet wurde), das in direkter Nachbarschaft zur Stierkampfarena liegt, geht es mitten in die Innenstadt. Beeindruckend hübsch, was sich hier an Gebäuden aneinander reiht. Als ein Meisterwerk des spanischen Barocks gilt dabei die Hauptfassade der Kathedrale, die einen gewaltigen Eindruck hinterlässt.

 

Christus

 

001 Christus 2

 

Christus 3

 

Plaza de Toros

 

Stadion Murcia

 

Flutlicht

 

Hausnummer

 

Murcia

 

Murcia 2

 

Murcia 3

 

Katedrale Murcia

 

Katedrale Murcia 2

 

Wookies

 

Die Stadt hat sich definitiv einen zweiten Besuch verdient, vielleicht findet im nächsten Winter das Störchetrainingslager ja wieder in der Region statt. Um die Zeit bis dahin zu verkürzen, werden in Murcia noch Lomo, Jamón, Salchichón und Chorizo eingepackt – auch ein wenig spanischer Käse wandert neben all den Wurstwaren in Gepäck.

 

Schinken

 

Schinkenbär

 

Flamingos – und Störche gegen Drachenträger

 

Nachdem sich ein Teil von CCK am Dienstagmorgen eine „Privat-Einheit“ bei Holsteins Athletik-Trainer Timm Sörensen abholt...

 

 

...geht es auf eine kleine Erkundungstour rund um das Mar menor. An dessen nördlichem und südlichem Ende wird in Salinen Salz gewonnen. Schon in der Luft ist der erhöhte Salzgehalt zu spüren, außerdem kann der Schlamm der Salinen für die Behandlung von Hauterkrankungen und in Fällen von Rheuma, Arthritis und Gicht genutzt werden. Für Spa und Wellness ist die Zeit dann aber doch zu knapp. Stattdessen geht es auf Vogelbeobachtungsexkursion durch den Naturpark, in dem unter anderem Flamingos in freier Wildbahn zu sehen sind. Sehr putzige Tierchen.

  

002 Flamingos

 

003 Mingo

 

004 Mingo

 

005 Mühle

Nach einem späten Frühstück am Hafen von Los Cuarteros geht es wieder zurück nach La Manga, wo zum Abschluss des Trainingslagers der Test gegen den FC Seoul auf dem Programm steht. Die Südkoreaner erweisen sich als schwer zu bespielender Gegner, zudem wirken die Beine der Holsteiner nach eineinhalb Wochen intensiver Vorbereitung einen Hauch schwer. Trotz des 1:2 ist der Trainer nach dem Spiel aber nicht unzufrieden, da Seoul als tiefstehender Gegner eine gute Vorbereitung auf das ist, was die KSV in der Liga häufiger erwarten wird. Unter dem Strich ist es wohl am wichtigsten, dass es keine größeren Verletzungen gab und die Langzeitverletzten Manuel Janzer und Christopher Lenz wieder mit an Bord wahren, letzterer sogar wieder mit Ball am Fuß.

 

Holstein Seoul 16.01.2018 14 21 10

 

Holstein Seoul 16.01.2018 15 29 51

 

Holstein Seoul 16.01.2018 16 02 44

 

Holstein Seoul 16.01.2018 16 32 39

 

Zum Abschluss des (leider wirklich zu kurzen) Kurztripps geht es noch einmal über die Landzunge. Neben einem unglaublich kitschigen Sonnenuntergang ist noch die Puente de la Risa am Ende von La Manga ein Erlebnis. Plötzlich ist sie vor einem und der Fahrer fragt sich, ob da wirklich rüber gefahren werden kann – trotz des steilen Winkels (an der Spitze ist die Abfahrt nicht zu sehen) funktioniert es aber. Auf der Rücktour werden im Supermarkt noch ein Tapas eingekauft, die anschließend im Hotelzimmer verspeist werden.

 

BunBrücke

 

006 Sonnenuntergang

 

007 La Manga Klappbrücke

 

Rückflug mit Frittenstopp

 

001Sonnenaufgang Faro

Am letzten Tag heißt es noch einmal den Sonnenaufgang über dem Mittelmeer genießen und nach einem entspannten Frühstück werden die Koffer für den Rückweg zum Flughafen verstaut. Am Flughafen checkt die Mannschaft bereits in den Flieger in Richtung Brüssel ein. In der belgischen Hauptstadt trennen sich dann aber wieder die Wege. Während Spieler und Trainerteam einen direkten Anschlussflug haben, muss CCK ein paar Stunden am Flughafen verbringen. Aber was heißt hier eigentlich Flughafen? Kurzerhand wird das Gepäck in die von der Armee gut bewachten Schließfächer verfrachtet und ein Ticket für den IC in Richtung Brussel Centraal gelöst. Im Stile einer Reisegruppe aus Fernost werden innerhalb kürzester Zeit Mannekin Pis, Frittenbude, Waffelbäckerei und der Marché aux Herbes gekreuzt. Für ein gemütliches Bierchen bleibt leider keine Zeit mehr – kommt aber wie der der Zweitbesuch von Murcia auf die Liste.

 

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Glücklich, aber auch recht k.o. geht es wieder zum Flughafen, wo bald danach der Flieger in Richtung Hamburg bestiegen wird. Norddeutschland empfängt einen dann mit Wind und Schneeregen. Grau, nasskalt, ungemütlich - schön wieder dazusein.