Nogometni Klub Domžale vs. Knattspyrnufélagið Valur Reykjavík
Športni Park Domžale, 20. Juli 2017, Endstand 3:2

 

Das schwülwarme Budapest ließ einen am nächsten Tag schnell aus dem Bett kommen. Nach ein wenig Rumgeplänkel wurde noch versucht, mit den restlichen Forint ein Frühstück zu bekommen, im Anschluss hieß das Ziel Metrostation. Drei Stationen mussten zum Busbahnhof Népliget geschafft werden, die nächsten Stunden sollten in einem dieser grünen Busse absolviert werden, die nicht mehr nur auf deutschen Autobahnen gesichtet werden können, sondern auch auf vielen Trassen in Südeuropa. Eigentlich wäre einem der Zug doch genehmer gewesen, aber wer schon einmal im Osten des Kontinents war, der weiß, dass der Bus am Ende doch die schnellere Alternative ist. Macht nichts, denn kommt Zeit auf diesem Trip, kommt Zug. Ganze sechs Stunden brauchte der Bus heute von Budapest in die slowenische Hauptstadt Ljubljana. Glücklicherweise den größten Teil über autobahnähnliche Straßen, es soll in diesem Gefilden auch anderes möglich sein.

 

Schnell wurde Budapest hinter einem gelassen und kurz darauf konnte man immer wieder einen Blick auf den Balaton erhaschen, der sich ca. 80 km parallel zur Straße erstreckte. Es war inzwischen so unangenehm draußen geworden, dass die wenigen Pausen an Raststätten dazu genutzt wurden, bloß schnell wieder in den Bus zu kommen. Da kann man schon einmal gerne den Motor durchlaufen lassen. Noch kurz Maribor passiert und schon war man in der Hauptstadt Sloweniens. Kurz vor dem Busbahnhof erblickte man das Stadion Stožice von Olimpija Ljubljana. Beinahe, aber nur beinahe wäre man schon am Ziel seiner Träume gewesen, denn die Auslosung zur Europa League versprach bei „normalem“ Verlauf ein Spiel zwischen Ljubljana und Brøndby IF. An den Dänen sollte es nicht scheitern, nur die Slowenen meinten, dass die Finnen von Vaasa PS doch eine zu hohe Hürde darstellen sollten. Wirklich jeder slowenische Dorfclub überstand die erste Runde, nur die Hauptstädter nicht. Glücklicherweise auch der NK Domzale, ein kleiner Verein, etwa 15 km entfernt. Also musste das Stadion eben für das zweite slowenische Kreuz herhalten.
Die Unterkunft war ein paar Meter südlich von Bahnhof gelegen und befand sich in einer alten Kaserne oder Knast. Sachen ins Zimmer geworden und ab ging es wieder zum Zug. In knapp 20 Minuten brachte einen ein altes Vehikel in die Kleinstadt. Domžale hat um die 13.000 Einwohner und neben dem Fußball auch noch ein ganz vernünftiges Basketballteam. Das Stadion lag - Kunststück bei der Stadtgröße - nur 10 Minuten vom kleinen Bahnhof entfernt. Bereits vor den Toren des Športni Park kam man mit einem HSVer, der mittlerweile im Pott ansässig ist, ins Gespräch, sodass man das ganze Spiel gut verquatschen konnte. Das Stadion ist eher unspektakulär. Neben einer recht großen überdachten Haupttribüne und Laufbahn gibt es noch ein paar Sitzreihen auf der Gegengeraden. Nichts besonderes, aber immerhin tauglich für den internationalen Wettbewerb.

 

Bild 1

 

Bild 3

 

Bild 4

 

Der Club ist in Slowenien übrigens recht erfolgreich. In den letzten zehn Jahren gewann man je zweimal Meisterschaft und Pokal, letzteres auch in diesem Jahr, sodass die UEFA den Verein mit einer kleinen Island-Reise belohnte, mit 3000 Flugkilometern in den Knochen meisterten die Slowenen die Aufgabe bei den Vulkanen mit 2:1.

 

Die Verpflegung bot schon 45 Minuten vor dem Anstoß einiges an. Man entschied sich am Ende für Pljeskavica im Fladenbrot, was denn auch gleich mit 5€ zu Buche schlug. Verpflegung, welche so viel wie der Eintritt kostet, gibt’s auch nicht überall. Das ganze war ein wenig zäh, aber in Ordnung.

 

Bild 2

 

Knapp 2000 Zuschauer, davon vielleicht eine Hand voll aus Island, wollten sich den Knaller heute nicht entgehen. Und denen wurde einiges geboten. Der mazedonische Referee zeigte gleich je einmal für die Mannschaften auf den Punkt und nach 25 Minuten stand es 1:1. Als Kieler aber fiel natürlich ein Valur-Spieler besonders in Auge: „Siggi“ Sigurbjörnsson hatte schließlich sein Abenteuer auf dem Kontinent diesen Sommer bei Holstein beendet und war in seine isländische Heimat zurückgekehrt. Bei Valur avancierte er sofort zur Stammkraft und spielt in der Liga, als auch in der vergangenen Runde gegen Ventspils und gegen Domžale stets über die volle Distanz. Wünschen wir ihm in der Zukunft noch weitere große Namen Europas, mit Stephan Vujcic schaffte es schon ein anderer Ex-Kieler einmal gegen Namen wie Lazio Rom anzutreten.
Außer ein paar Trommeln der Heimfans gab es keine großartige Atmosphäre, auch, weil Valur vor der Pause noch die Führung erzielte.

 

Nach Wiederanpfiff sollte sich die Laune der NK-Anhänger aber schnell bessern. Selber war man gerade dabei, neue Flüssignahrung zu holen, da klingelte es doppelt im Valur-Tor und das Weiterkommen für die Isländer war passé. Am glücklichsten darüber dürften Mannschaft und Fans des SC Freiburg gewesen sein, denn die Breisgauer hatten die Wahl zwischen Slowenien oder Island in der nächsten Runde. Ein Island-Reise ist zwar um einiges spektakulärer, hätte aber die Reisekasse schon zu einem frühen Zeitpunkt der EL etwas mehr belastet.

 

Bild 5

 

Bild 6

 

Bild 7

 

Bild 8

 

Gemeinsam mit ein paar Leuten aus der aktiven Fanszene aus Hannover ging es mit dem Bus wieder ins Stadtzentrum von Ljubljana und während die Roten eine Nachtbusfahrt vor sich hatten, waren es für einen selbst nur ein paar Schritte bis ins Bett.

 

Am nächsten Tag sollten die Stunden bis zur Busabfahrt nach Zagreb noch sinnvoll genutzt werden. Bereits im Vorfeld versprachen die virtuellen Eindrücke von Ljubljana nur das Beste. Die Stadt ist mit 287.000 Einwohnern etwas größer als Kiel und das kulturelle und wirtschaftliche Zentrums Sloweniens.
Zunächst gab es erstmal einen großen Börek zum Frühstück, dann zog es einen zur Ljubljanica, dem Fluss, der durch die Altstadt fließt. Das ganze Leben spielt sich an den Ufern des Flusses ab. Zahlreiche Kneipen und Restaurants liegen an ihm und verleihen der Stadt eine nette Atmosphäre. Die komplette Altstadt ist sehr gut erhalten und macht wirklich einen tollen Eindruck. Die Stadt wirkt wie eine gelungene Mischung aus Österreich und dem mediterranen Raum, das haben auch viele Touristen schon entdeckt, die Preise heben sich nicht von Westeuropa ab. Der gerade stattfindende Markt tat sein übriges, sodass es wirklich ein wenig schade war, dass einen schon wieder der Bus nach Zagreb rief.

 

Bild 9

 

Bild 10

 

Bild 11

 

Bild 12

 

Bild 13

 

Bild 14

 

Ein Besuch auf der Burg hoch über den Dächern der Stadt musste aber schon noch sein. Der Weg dorthin wurde wieder wie in Budapest per pedes absolviert, aber der Aufstieg sollte sich lohnen. Neben einem sehr guten Blick über den Talkessel konnte man noch einiges interessantes erfahren. So sollte die Burg einst für ein neues Parlament Sloweniens („slowenische Akropolis“) komplett dem Erdboden gleichgemacht werden. Glücklicherweise wurden diese Pläne nie realisiert, die Staatsversammlung tagt weiter im Tal und die Burg thront wie gehabt über der Stadt. Seit 1991 ist die Stadt Hauptstadt der damals gegründeten Republik Slowenien, seit 2007 gehört das Land zur EU und avancierte zum bestentwickelten Nachfolgestaat des früheren Jugoslawiens. Das war es aber auch für dieses Mal Ljubljana. Olimpija muss ebenfalls noch besucht werden, irgendwann wird es demnach wieder hierher gehen.

 

Bild 15

 

Bild 16

 

Bild 17

 

Građanski nogometni klub Dinamo Zagreb vs. Hrvatski nogometni klub Cibalia Vinkovci
Stadion Maksimir, 21. Juli 2017, Endstand 4:0

 

Mit dem Bus ging es nun weiter in die kroatische Hauptstadt. Etwas aufgeschreckt wurde man an der slowenisch-kroatischen Grenze, als die Herren und Damen gleich zweimal den Pass sehen wollten und ein Australier den EU-Bürger aufklären musste, dass Kroatien nicht mehr zum Schengenraum gehört. Kurze Zeit später tauchten dann schon die ersten Vorboten von Zagreb in Form von Plattenbauten auf und Minuten später war man am wuseligen Busbahnhof angekommen. Wieder erschlug einen die Hitze außerhalb des Busses, wenn eben 32°C sind, hilft auch eine niedrige Luftfeuchtigkeit nicht mehr. Das Hostel lag heute günstigerweise in Sichtweite des Bahnhofs. Der wurde auch gleich angesteuert, schließlich brauchte es noch zwei Fahrkarten nach Rijeka und Pula. Nach Stunden im Bus sollte es die nächsten Tage mit der Kroatischen Staatsbahn durchs Land gehen. Was folgte war Verständigung mit Händen und Füßen, da am größten Bahnhofs des Landes so gar kein Mensch richtiges Englisch konnte. Nach einer Ewigkeit wurden die beiden Fahrkarten in Empfang genommen. Nach Rijeka kostete der Spaß keine zehn Euro für drei Stunden Zugfahrt, die Bahn haute gerade Sonderpreise für Verbindungen zum Meer raus. Gerne! Nach dieser kleinen Odyssee konnte nun endlich die Stadt unter die Lupe genommen werden. Bereits bei der Ankunft fiel der große Grünstreifen auf, der sich vom Bahnhof bis in die Innenstadt zog. Der Park Park Josipa Jurja Strossmayera ist das mit Herzstück der Stadt, hier trifft man sich und trinkt das ein oder andere Getränk. Mittendrin befinden sich auch noch der Kunstpavillion sowie die Akademie der Wissenschaften. Schnell zog es einen aber weiter auf den Ban-Jelačić-Platz, dem zentralen Ort Zagrebs, hier führen viele Tramlinien zusammen. Überhaupt machte Zagreb einen sehr guten Eindruck. Längst nicht hektisch wie Budapest, aber trotzdem mit Großstadtflair.

Bild 18

 

Die Altbauten sind fast alle saniert, in der Innenstadt gibt es in den Straßen ein weit aus größeres Angebot als die üblichen Ketten und außerdem spielte das Wetter auch noch mit. Die Stadt hat knapp 800.000 Einwohner und wurde im Jugoslawien-Krieg teilweise zerstört, viele Bauten blieben aber intakt oder wurden wiedererrichtet. Sehenswert ist auch die etwas höher gelegene Oberstadt aus dem 13. Jahrhundert mit vielen erhaltenen Gebäuden. Die Kathedrale von Zagreb hat sicherlich jeder schon einmal irgendwo gesehen und ist ein imposanter Anblick.

 

Bild 19

 

Bild 20

 

Bild 21

 

Zum Stadion sollten einen die eigenen Füße bringen. Das „Maksimir“ liegt doch ein gutes Stück im Osten der Stadt, sodass schon Zeit eingeplant werden muss. Letzteres auch für den im zweistündigen Besuch in irgendeinem Supermarkt, um sich dort mit Wasser zu versorgen. Als kleinen Snack boten sich ein paar Cevap mit Brot natürlich an, da wurde prompt zugeschlagen, auch wenn das bei dem Wetter schon schwer im Magen lag.

 

Bild 22

 

Bild 23

 

Bild 24

 

Bild 25

 

Eine Stunde vorher lag das Stadion Maksimir dann vor einem. Von außen sieht es schon ziemlich wuchtig aus. Vier einzelne und baulich verschiedene Tribünen bieten etwa 35.000 Zuschauern platz. Der Ticketverkäufer brauchte blöderweise noch den Ausweis zum Kartenkauf - und der lag im Hostel. Aber kein Problem, die Tram fuhr direkt zum Bahnhof und dank der frühen Ankunft am Stadion brauchte man nicht in Hektik verfallen. Fix den Perso aus dem Zimmer geholt und ab ging es wieder in Richtung Stadion. Für ungefähr 4€ gab es einen Platz auf der Haupttribüne. Das Stadion war noch leer und das sollte sich bis zum Anstoß auch nicht mehr ändern.

 

Bild 26

 

Bild 27

 

Bild 28

 

Etwas über 3000 Zuschauer gönnten sich das Spektakel heute gegen Cibalia Vinkovci. Absolute Minuskulisse, aber das ist im Osten Europas bei großen Clubs oft der Alltag. Sparta Prag, Legia, Dinamo - alle diese Clubs sind trotz ihrer klangvollen Namen im Ligaalltag nicht unbedingt ein Zuschauermagnet, das heute war dennoch recht dürftig. Der Name Dinamo Zagreb steht natürlich immer noch für eine große Vergangenheit. Alleine die seit 1991 ausgespielte kroatische Meisterschaft gewann der Club in 18 Spielzeiten. Der größte Erfolg dürfte die Gewinn des Messepokals 1967 gegen Leeds United sein, aber die Zeiten sind lange vorbei und nach der Unabhängigkeit sind attraktive regelmäßige Gegner außer Rijeka und Hajduk rar gesäht. Alle Jubeljahre hat die aktive Fanszene um die Bad Blue Boys auf internationaler Ebene ihren großen Auftritt, wie z.B. 2016 gegen Juventus Turin. Aber selbst dann ist das Stadion selten komplett voll. Das liegt vielleicht auch am szeneinternen Konflikt rund um Präsident Mamic, dem die BBB Korruption und Kriminalität vorwerfen und daher die Spiele des eigenen Teams für eine lange boykottierten. Dieser Konflikt kann auch schon in Gewalt münden (http://www.faszination-fankurve.de/index.php?head=Ausschreitungen-zwischen-Mami%C4%87-Treuen-amp-Bad-Blue-Boys&folder=sites&site=news_detail&news_id=10360). Diese ganzen Vorkommnisse sind sicherlich nicht förderlich für die Konzentration auf den Sport.

 

BBB waren aber heute trotzdem zugegen, etwa 500 Leute versammelten sich hinter dem Tor und legten eine flotte Sohle aufs Parkett. Durchgehend lautstark, aber nicht unbedingt spielbezogen feuerte man Dinamo an. Auch die Musikauswahl war recht ansprechend, die Hymne des Vereins kann einiges (https://www.youtube.com/watch?v=YI6YlZAA7cc) und man konnte sich gut vorstellen, wenn tausende Kehlen zu wichtigen Spielen das Lied mitgrölen.

 

Bild 30

 

Bild 31

 

Aus dem drei Stunden entfernten Vinkovcic waren auch etwa 10 Gäste mitgekommen, unspektakulär. Auf dem Rasen hatten die Gäste dem zum Teil auch international aufgestellten Team aber auch nicht entgegenzusetzen. Alle Jahre wechseln Talente aus der Schule von Dinamo Zagreb für viel Geld nach West- oder Südeuropa, eine kleine Kostprobe gab es heute. Zur Halbzeit stand es bereits 3:0 für die Hausherren. Am Verpflegungsstand brach man auch nicht in Freudentränen aus, wohlgemerkt bei keinem besuchten kroatischen Spiel gab es irgendwas vom Grill. Während die Heimfans sich über die Bockwurst hermachten, lehnte man dankend ab, da ist man im Kiel weiter bei der Verpflegung und das will was heißen. Immerhin präsentierten sich die BBB im zweiten Durchgang noch einmal von ihrer besten Seite, Pyro über 50 Meter in den Strafraum zu befördern kann auch nicht jeder. In Deutschland eine Bild-Schlagzeile, hier eine nette Abwechslung im einseitigen Spiel.

 

Bild 32

 

Bild 33

 

Bild 34

 

Am Ende machte Dinamo mit dem 4:0 einen Schritt Richtung Tabellenspitze. Der Länderpunkt war damit abgehakt und die Tram nahm einen wieder mit Richtung Unterkunft. Beim Bäcker wurde noch Ersatz für die ausgefallene Mahlzeit im Stadion gefunden, dann ging es ins Reich der Träume. Am nächsten Tag wurde genau der gleiche Plan gefasst wie in Ljubljana auch, schließlich musste auch der östliche Teil der Innenstadt noch besichtigt werden. Und das kann man wirklich mal machen, der andere Teil der Oberstadt ist wirklich sehenswert und auch das kroatische Nationaltheater steht Bauten in Städten wie Wien in nichts nach.

 

Bild 35

 

Bild 36

 

Bild 37

 

Bild 38

 

Also wer einmal in sehenswerte Städte ohne den großen Touriansturm reisen möchte, dem kann man Zagreb wirklich nur empfehlen. Da reicht es dann auch einfach sich ein bisschen durch die Stadt treiben zu lassen, da muss man nicht wie in irgendwelchen Lifestyle-Magazinen vorgeschlagen hipstermäßig auf irgendwelchen Dachgärten rumhängen oder in irgendwelche Crossoverkitchens reinschnüffeln. In 24 Stunden wurde schon ein guter Eindruck von dieser Stadt erlangt und neben Dinamo gibt es auch noch drei andere Erstligisten im näheren Umkreis. Verabschiedet wurde man im Zug von zwei Typen, die einem herzerwärmende Geschichten auftischten, die letzten Kuna-Münzen wurden dann auch gegen etwas Ruhe eingetauscht, die erwartete einen auf den nächsten drei Stunden im Zug aber sowieso zu genüge.