Willy-Sachs-Stadion, 13. Juli 2013, Endstand 3:1

Dank des Deutschland-Pass hat der Schreiber ab Mitte Juli einen Monat freie Fahrt im gesamten deutschsprachigen Raum. Diese neu gewonnene Freiheit wollte man natürlich dazu nutzen, die Fußballwelt außerhalb von bekannten norddeutschen Sphären zu erkunden. Erstes Ziel sollte ursprünglich einen kleiner Abstecher in das Land von Franken und Steuerhinterziehung sein. Einige Wochen vorher sprang einem dann doch noch ein interessantes Aufeinandertreffen im Rahmen des Eröffnungsspiels der Regionalliga Bayern ins Auge. Diese Spielklasse steht ja nun nicht gerade für tolle Stadien und stimmungsvolle Fanszenen, das heutige Spiel zwischen Aufsteiger Schweinfurt und dem Nachbarn aus Würzburg sollte wohl das Interessante der Hinrunde sein.

 

FANS

 


So ging es am Spieltag erst einmal nach Hamburg, um dann den ICE Richtung München zu besteigen, der ja bekanntlich auch in der Residenzstadt Würzburg hält. Im Eiltempo dann in Richtung Süden durch das mitteldeutsche Hügelland, sodass man nach relativ kurzer Zeit Bayern erreichte, wo irgendwie, Weinberg neben dem Hauptbahnhof sei Dank, sofort süddeutsche Stimmung Einzug hielt. Schnell wurde der Ballast im Hotel gelassen und die wenigen Meter zurück zum Bahnhof gelatscht, wo sich in einer Affenhitze schon Teile des Würzburger Anhangs versammelt hatte, kein Wunder stellt doch das Gastspiel im „Drecksloch“ (Zitat Forum Würzburg) doch wohl auch eines der wenigen Highlights da. Am Bahnsteig warteten bereits die viel zu warm angezogenen Ordnungshüter auf ihren heutigen Arbeitsgrund. Nach kurzer Frage, wo Würzburg denn einsteigen würde und der Antwort meinerseits, da wolle man auf keinen Fall sitzen, saß man schon im Zug nach Schweinfurt, welches bereits eine Weile später erreicht wurde. Raus aus dem Bahnhof , rein in die Stadt. Schweinfurt stellt dabei wirklich den kompletten Gegensatz zu Würzburg dar, das Badner Lied könnte man in diesem Falle mit „In Würzburg steht die Residenz, in Schweinfurt die Fabrik“ umschreiben, denn was einem architektonisch auf dem Weg vom Bahnhof zum Stadion geboten wurde, da war Halle-Neustadt fast charmanter. Dank eines Hinweisschildes zum Open Air Konzert (ein paar Tage später spielen im Stadion die Hosen) fand man nach zwanzig Minuten Fußmarsch sofort das Willy-Sachs-Stadion, einige Autos mit ostdeutschem Kennzeichen mit einschlägigem Klientel konnten schon auf dem Parkplatz gesichtet werden, das Spiel wollten sich wohl noch andere Interessierte antun. Für den unüberdachten Stehplatz durfte man dann 10€ bezahlen, für ein Regionalliga-Spiel schon ziemlich frech. Dafür wusste das Stadion absolut zu gefallen. Neben einer recht einfach gehaltenen Haupttribüne führten wie im alten Holsteinstadion ungefähr 10 Stufen einmal um das Spielfeld herum. Schick! Insgesamt fasst das Willy-Sachs-Stadion etwa 15.000 Menschen, der Name ist etwas umstritten, zum einen sollte der Namensgeber in der Vergangenheit viel für die Stadt getan haben, zum anderen war er im vergangenen Jahrhundert eine aktive Person des Nationalsozialismus. 

 

TRIBUENE

 

GEGENGERADE

 

Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt waren schon echt viele Menschen im weiten Rund, der 1. FC scheint die Menschen in Unterfranken wieder zu interessieren. Der 1905 gegründete Verein hat den sportlichen Tiefpunkt als Aufsteiger gerade so überwunden. Nach Spielzeiten in der der 3. Liga sowie ein paar Ausreissern nach oben Mitte der 70er Jahre, musste man sich von 1975 bis 1990 mit dem Amateurfußball zufrieden geben. 1991 stieg man aus der 2. Liga sofort wieder ab, wagte auf Bayerebene einen Neuanfang, 2001 übernahm man sich wiederum mit der Zweitklassigkeit, dank einem RL-Lizenzentzug ein paar Jahre später war es dann erstmal vorbei mit den Ambitionen.

 

EROEFFNUNG

 

SCHWEINFURT

 

 

Nach dem übrigen Prozedere zur Saisoneröffnung pfiff der Unparteiische endlich an. Das Niveau war für diese Spielklasse und den frühen Zeitpunkt bereits echt sehenswert. In der Mitte der Gegengerade hatte sich die aktive Szene Schweinfurt um die Kaputte Moite niedergelassen und präsentierte zu Anfang einige große Schwenker und legte danach sofort mit ein paar Leuten los. Mehr als Standardwerk bekam man dabei dann nicht zu hören, ich bin dann aber keiner, der als Neutraler wie andere Touristen das totale Durchdrehen erwartet (Hallo BR aus HH). Insgesamt war das schon echt in Ordnung. Auf der Gegenseite konnte man ca. 250 Gäste aus Würzburg beobachten, von denen ein Großteil kompakt hinter einer Kickers Würzburg Fahne standen. Bestimmt 100 Leute stimmten ab und an in die Gesänge, auf beiden Seiten wurde es nur recht laut, wenn man sich gegenseitig verbal in den Dreck zog Schweinfurt war auf dem Platz das engagiertere Team und spielte munter nach vorne, sodass aus kurzer Distanz nach einer Viertelstunde bereits das 1:0 stand, auf einer absolut kultigen Anzeigetafel verkündet. Nur ein paar Minuten später überwand Würzburg den Abwehrriegel und traf zum Ausgleich, netter Torpogo auf Gästeseite inklusive. Die Stimmung war bei den hohen Temperaturen ein wenig abgeflacht, man konzentrierte sich auf das Spiel. 

 

TOR

 

KICKERS


Nach Wiederanpfiff verflachte auch das Spiel ein wenig, 15 Minuten vor Schluss raffte sich Schweinfurts Mache noch zu einem Geniestreich auf, sah den Gästekeeper weit vor seinem Tor stehen und versenkte den Ball von der Höhe der Mittellinie von rechts zum 2:1 in die Maschen. Ein Wahnsinnstor! Das Stadion war auch wieder erwacht, und feierte seinen Torschützen. Kurz danach sah ein Würzburger noch die zweite Verwarnung, der Freistoß schlug direkt zum 3:1 ein. Würzburg konnte zu zehnt auf dem Platz und auf den Rängen nichts mehr entgegenzusetzen. Wenig später war Schluss, sodass die meisten der 6200 Zuchauer (Rekord der RL Bayern) zufrieden den Weg nach Hause antraten, man selbst machte sich zurück auf den Weg zum Bahnhof, beobachtet noch das Katz und Maus Spiel des Gästenanhangs mit dem Freund und Helfer und machte sich auf nach Würzburg zur Unterkunft. Als Auftakt ein nettes Spiel!