Eintracht-Stadion, 8. Dezember 2017, Endstand 0:0

 

"Aus einer philosophischen Perspektive beschreibt die Zeit das Fortschreiten der Gegenwart von der Vergangenheit kommend und zur Zukunft hinführend." (wikipedia.de)

 

nass

 

Blickt der Kieler also in die Vergangenheit, als die Gegenwart noch nicht gen Zukunft geschritten war, so sieht er sich vermutlich vorm Fernseher, in der Kneipe, oder im besten Fall im Stadion in Großaspach und versucht auch mit einigen Monaten Abstand zu begreifen, was damals und auch seit dem eigentlich passiert ist. Kurz gesagt: jede Menge.

 

braunschweig

 

kieler

 

Denn nicht umsonst sind die Störche als Tabellenerster zum letzten Hinrundenspiel der laufenden Saison gereist. Das führte dazu, dass der Favorit in dem Duell Deutscher Meister unter sich die Gäste von der Kieler Förde waren. Obwohl die Gesamtbilanz eher für die Löwen sprach, machte nicht zuletzt die gar nicht so weit zurück liegende Begegnung gegen die Eintracht im DFB-Pokal weitere Hoffnung. Schließlich bescherte uns diese die zweite Runde gegen den FSV Mainz 05. Der letzte Besuch im Eintracht-Stadion dagegen ist schon etwas her. Im Mai 2011 gewann die KSV in der Regionalliga Nord gegen die Zweite des BTSV mit 5:2. Torschützen seinerzeit übrigens Kevin Schulz sowie damals in ihrer jeweils ersten Saison für Holstein Fiete Sykora und Marc Heider. Neben Holsteins Kader und Ligenzugehörigkeit haben sich seit dem auch viele andere Dinge getan. Besonders am Braunschweiger Stadion. War die Gästekurve seinerzeit noch offen und bot Raum für rankendes Grün, so ist innen wie außen inzwischen reichlich modernisiert worden.

 

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Eintracht-Stadion, anno 2011

 

Panorama

Eintracht-Stadion 2017
(zum Vergrößern aufs Panorama klicken)

 

Doch während besonders die Außenfassade an klassische Arenen erinnert, so versprüht das Eintracht-Stadion im Inneren durchaus noch etwas von dem einstigen Charme. Nicht zuletzt wegen der verbliebenen, aber inzwischen in schickem Blau erstrahlendem Laufbahn. Auch die von 18 Pfeilern getragene Dachkonstruktion der Südkurve, die durchaus Assoziationen zu englischen Stadien weckt, gefällt noch immer. Aber vermutlich nur, wenn man nicht direkt hinter einem der Pfeiler stehen muss.

 

mühling

 

kinsombi

 

rafa

 

Sportlich waren die Parameter vor dem Spiel folgende: Holstein, immer noch ungeschlagen und zuletzt mit drei Unentschieden in Folge, zwar nicht in der Not aber schon mit dem Wunsch, die Herbstmeisterschaft direkt am Freitagabend zu zementieren, Braunschweig auf drei Punkte angewiesen, um nicht endgültig den Anschluss nach oben zu verlieren.

 

Das Spiel begann entsprechend munter. Zwar kann nicht unbedingt von Chancen geredet werden, aber zumindest zeigten beide Teams, Holstein zunächst etwas mehr, viel Vorwärtsdrang. In der 10. Minute sorgte Herrmann für eine Schrecksekunde, da er nach einem Check des Gegners für einen Moment auf dem Rasen liegen blieb. Doch das schien bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und von abwechselnden Schnee und Regen durchweichter Rasen keine Alternative. Nach nur einer Minute stand der Fußballgott wieder, das Spiel konnte weiter gehen. Echte Highlights hielt es jedoch nur wenige bereit. Wie zum Beispiel die 41. Spielminute, in der ein frustrierter Dominik Schmidt sich seiner schützenden Maske entledigte. und diese vom Spielfeld schmiss.

 

 

Das änderte aber nichts am Spielstand. Weder vor der Pause, noch danach. Die Braunschweiger, die nach dem Montagsspiel gegen Ingolstadt nur eine kurze Woche hatten, waren zunehmend abgekämpfter. Doch Holstein konnte kein Kapital draus schlagen. So sehr sich die Offensive bemühte, das Tor wollte nicht fallen. Auch die an diesem Freitag rund 1.500 mitgereisten Kieler – es gab Zeiten, da haben wir vor dieser Anzahl an Zuschauern zu Hause gespielt – konnten den Ball nicht über die Linie „supporten“. Nur einmal zappelte er im Netz, der Treffer wurde aber abgepfiffen, denn er Keeper hatte schon seine Hände dran als Czichos den Ball hinter die Linie köpfte. Vorher wurde noch Co Tom Cichon des Innenraums verwiesen. Was genau in Richtung des Offziellen gerufen wurde, ist unklar. Aber er hat ihm vermutlich keine Frohe Weihnachten gewünscht.

 

Insgesamt sahen die 21.075 Zuschauer kein langweiliges Spiel, doch um den Abend wunschlos glücklich zu beenden, hätte es vermutlich hüben wie drüben ein Tor bedurft.  Aber wat schallst moken, wie der Norddeutsche sagt. Schließlich kann der Kieler Fan weiterhin entspannt auf einer Welle der Glückseligkeit dahin schweben. Dank der besten KSV aller Zeiten.

 

herrmi

 

kenny

 

Apropos Superlativen: Die kulinarische Auswahl an der Hamburger Straße ist schon fulminant. Und was gibt es bei diesem Schietwetter besseres, als in eine leckere, fettige Krakauer zu beißen?

 

Braunschweig Krakauer
Die Krakauer war echt gut. #bringbackkrakauer #wurstvielfaltimholsteinstadion
(ausführlicher Test folgt)

 

Vielleicht höchstens, nach nur gut drei Stunden Fahrt wieder in heimischen Gefilden, im besten Fall im warmen Bett zu sein. Gemessen an den Strecken, die unsereins sonst so zurück legt, war die Tour nach Braunschweig doch eher entspannt. Besonders schön dabei, auf der Strecke zurück unentwegt auf Plöner, Rendsburger und Kieler Kennzeichen zu treffen, deren Tagesziel vermutlich überwiegend dasselbe gewesen sein dürfte. Letzte Chance in 2017 das zu erleben besteht am kommenden Wochenende. Da geht es noch mal ein paar Kilometer weiter gen Süden um einen bequemen Platz zum Überwintern einzunehmen. Eine Disziplin, die Störche besonders gut beherrschen dürften. ;)

 

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