30. Juli 2017, Endstand 2:2

 

36 Jahre verdammtes Warten auf die 2. Bundesliga. So richtig konnte es am Morgen immer noch nicht realisiert werden, dass die KSV zu den besten 36 Mannschaften Deutschlands gehört. Eigentlich hatte der Verein bei der DFL beantragt, die Saison mit einem Auswärtsspiel zu beginnen, dem konnte der Verband aber aus nachvollziehbaren Gründen nicht entsprechen. So kam der SV Sandhausen als Auftaktgegner an die Förde. Trainer Markus Anfang bezeichnete im Vorfeld des Spiels die Gäste sogar als eine Art Vorbild. Ohne großen Etat schaffen es die Kurpfälzer seit einigen Jahren nie in wirkliche Abstiegsnot zu geraten und holten bisweilen mit Neuzugängen aus der dritten Liga beachtliche Ergebnisse.

 

Bundesliga

 

Ball

 

Zuschauer

 

Gäste

 

Die Vorverkaufszahlen vor dem Spiel waren wirklich vernünftig, sodass sich am Ende etwas mehr als 9500 Zuschauer einfanden, davon auch 100 Gäste aus Baden-Württemberg. Die Zuschauer staunten beim Betreten des Stadions auch nicht schlecht über das, was sich so alles verändert hatte. Die erweiterten Zuschauertribünen wirkten doch eine ganze Ecke wuchtiger, das Flutlicht – ob der Fernsehbilder schon aktiv – strahlte heller, die neuen LED-Banden ebenso und die Haupttribüne verzeichnete einen kleinen Zuwachs an Sitzen.

 

Czichos

 

Team

 

Trainer Markus Anfang vertraute an diesem Spieltag seine kompletten Stammelf aus der letzten Saison. Nur auf der Bank fanden sich ein paar neue Gesichter ein: Neben Eigengewächs Utku Sen zählten auch Kinsombi, Heidinger, Kruse und Condé zum Kader. Nicht im Aufgebot waren dagegen Spieler wie Siedschlag und Azemi. Auch auf Gästeseite gab es einige bekannte Gesichter: Keeper Marcel Schuhen spielte letzte Saison noch bei Drittligakonkurrent Rostock, Lucas Höler schoss am ersten Drittligaspieltag 2015 die KSV mit Mainz II mit drei Toren im Alleingang ab. Bei den letzten Auseinandertreffen in Holsteins erster Drittligasaison gab es übrigens zwei Unentschieden gegen den SV Sandhausen.

Der Schiedsrichter Benjamin Cortus pfiff die Partie an und bei die Störche waren doch etwas nervös, das merkte der Zuschauer sofort. Bisweilen agierten die Hausherren unkonzentriert und hatten wenig Glück beim zweiten Ball, der sprang immer wieder zu den Gästen. Die hatten sich darauf beschränkt, die KSV früh anzulaufen und die Räume dahinter zuzustellen, gefolgt von schnellen Gegenstößen in die Spitze. Die Westtribüne ließ sich davon nicht entmutigen, von Anfang an wurden die Spieler bisweilen sehr laut unterstützt, absolute Zweitligastimmung.

 

West I

 

West II

 

Lucas Höler machte Betrieb vor dem Kieler Kasten, sein Schuss wurde in der Anfangsphase von Herrmann geblockt. Im Fokus nach einer Viertelstunde war aber sein Sturmpartner Sukuta-Paso. Der verwandelte per Foulelfmeter zu Gästeführung. Zuvor driftete Höler schon Richtung Grundlinie ab, Dominik Schmidt packte dennoch die Grätsche aus und traf den Stürmer – klarer Strafstoß.

Die KSV schüttelte sich einmal kurz und begann mutiger zu werden, ohne jedoch zu den ganz klaren Torchancen zu kommen. Nach einer halben Stunde vertendelte Kronholm den Ball und berührte den Ball nach Beurteilung von Cortus mit der Hand außerhalb des Sechzehner. Der Ball sprang nach dem Freistoß irgendwie zu Klingmann, der aus guter Distanz den Ball perfekt nahm und traf. Das bezahlte die KSV als Aufsteiger Lehrgeld – zwei Chancen und zwei Tore für den SVS. Der SVS beschränkte sich nun vollends auf die Defensive, die beste Kieler Chance bis zur Pause resultierte aus einem Herrmann-Pass, doch Ducksch setzte den guten Heber an die Latte.

In der Pause war man sich auf den Rängen einig: Holstein war in Liga Zwei noch nicht ganz angekommen.

 

Flutlicht

 

Nach dem Pausentee übernahm die KSV dann vollends die Kontrolle. Die Gäste liefen die Kieler nun deutlich später an und beschränkten sich aufs Verteidigen. Die beste Chance der ersten Phase hatte wiederum Marvin Ducksch, sein Kopfball segelte am Pfosten vorbei. Dann aber fast die Entscheidung für die Gäste, Sukuta-Paso löffelte aus kurzer Distanz den Ball aber glücklicherweise über die Latte. Inzwischen brachte Anfang Janzer für den durchwachsenen Schindler und der hatte sofort seinen großen Auftritt: Viertelstunde noch zu spielen, Janzer spielt auf Lewerenz, der das Leder unter die Latte hämmert. Hier geht was, erste Bude in der 2. Liga! Minuten später war es wieder der Ex-Heidenheimer, der den Ball an die Oberkante der Latte schoss. Auch Utku Sen kam zu seinem ersten Zweitligaeinsatz und machte gleich Betrieb, in der Nachspielzeit fehlte nicht viel zum Ausgleich. Die letzten Sekunden waren bereits angebrochen, da wurde Peitz bei einem der zahlreichen gefährlichen langen Bälle gestoßen. Freistoß, 18 Meter. Entweder Lenz oder Ducksch. Der Stürmer läuft an und ab ins Netz. Totale Extase auf dem Holler. Fans stolpern übereinander. Einfach pure Freude über den verdienten Ausgleich. Wenn man überhaupt sagen kann, dass ein Team nach 90 Minuten in einer Liga angekommen sein kann, dann ist es die KSV schon ein gutes Stück. Auf dem Rückweg sah man nur noch zufriedene Gesichter, das erste Zweitligaspiel hatte echt etwas geboten.

 

Ducksch

 

Jubel I

 

York

 

Kenny

 

Schon am Freitag geht es in die Hauptstadt in die Alte Försterei. Bereits knapp 1000 Kieler haben sich mit Karten versorgt, wer da nicht noch zuschlägt, ist doch selber schuld!

Wir sehen uns in Köpenick!

 

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