Rostock, Lübeck, Haddeby - während die neuen Vereine der meisten ehemaligen Holsteinspieler in überschaubarer Distanz von der alten Heimat liegen, fällt der FK Rabotnicki aus der mazedonischen Hauptstadt Skopje sicher etwas aus dem Rahmen. Rabotnicki, zu deutsch "Arbeiter" wurde 1937 als Eisenbahnerclub gegründet und bekommt heutzutage in der einheimischen Presse gerne den Beinamen "die Romantischen".

 

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Zu jugoslawischen Zeiten konnte es der Klub nie in die höchste Spielklasse schaffen, und auch im eigenständigen Mazedonien gelang es erst 2001 nach der Übernahme durch den Kometal-Konzern in höhere Tabellenregionen vorzudringen und nachfolgend zu einem der erfolgreichsten Vereine des Landes zu werden. In den Jahren 2005 und 2006 holte Rabotnicki den Meistertitel, 2009 folgte der Pokal , zudem konnte man in der Champions League Qualifikation 2005 nach Siegen gegen F91 Dudelange und Debreceni VSC bis in die dritte Runde vorrücken.

 

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Heimstadion von Rabotnicki: Arena Filip II

 

Heimatstadion von Rabotnicki, wie auch vom Lokalrivalen Vardar, ist die Arena Filip II, das mazedonische Nationalstadion, das sich zur Zeit komplett im Umbau befindet. Nach dem Umbau werden in das 1947 eröffnete Stadion dann 35.000 Zuschauer passen.

Dort tritt zur Zeit auch der Ex-Storch Stephan Vujcic gegen den Ball und berichtete Calcio Culinaria über Land, Leute und natürlich Fußball aus Skopje.

 

CCK: Stephan, wie geht es Dir?

Stephan Vujcic: Mir geht's gut, ich wurde hier gut aufgenommen und bin mittlerweile mit den Sitten gut vertraut, mit der Sprache wird es auch immer besser - von daher kann ich sagen, dass ich mich sehr wohl fühle.

CCK: Skopje ist ja für einen Norddeutschen (geboren 1986 in Hamburg und aufgewachsen in Alveslohe) ein ungewöhnliches Ziel. Wie bist Du da hin gekommen?

Stephan Vujcic: Als ich im Urlaub in Kroatien war, hab ich den Trainer von Rabotnicki dort kennengelernt, ein Freund meines Vaters - der hat mich dann eingeladen, mir doch dort das Europa League Spiel in Skopje gegen Liverpool anzuschauen und etwas mit den Jungs zu trainieren...das hab ich dann getan und war von den Bedingungen  dort überrascht. Nicht groß anders als in Deutschland muss man sich den fußballerischen Alltag vorstellen - ich fands nett, hab dort überzeugt und deshalb mich dafür entschieden.

 

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die schönsten Seiten Mazedoniens

 

CCK: Dann hast Du nicht lange überlegt, den Schritt zu machen? Oder gab es zwischen dem Angebot und der Entscheidung auch mal kleine Momente des Zweifelns?

Stephan Vujcic: Natürlich gab es die...ich hab meine Freundin und Familie in Deutschland zurückgelassen, das war natürlich ne schwere Entscheidung. Trotzdem wollte ich diese Herausforderung, weil ich es einfach für ne tolle Erfahrung halte. Zudem hab ich nie die Heimatsprache meines Vaters gelernt und wollte dies schon immer tun.
Insofern war es für mich eine gute Möglichkeit, den Schritt ins Ungewisse zu wagen.

CCK: Du sagtest, der Fußballalltag unterscheidet sich nicht sehr von dem in Deutschland. Gibt es dennoch etwas, an dass Du Dich erst sehr gewöhnen musstest?

Stephan Vujcic: Ja, die Art und Weise hier Fußball zu spielen ist doch eine ganz andere. Im groben könnte man es so beschreiben, dass es geflegter gespielt wird. Das heißt, der Durchschnitt hier ist doch technisch versierter, allerdings ist das Tempo auch nicht so hoch wie in Deutschland. Zudem wird hier im Training wirklich fast ohne Fouls gespielt. Die Trainingsbediengung sind aber ansonsten in etwa diesselben, wobei unser Trainingsplatz nicht den Kieler Standard hat ;)

 

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Ligaalltag in Skopje

 

CCK: Der ist ja aber auch für unsere Ligaverhältnisse, besonders jetzt nach Abschluss der Umbaumaßnahmen, erstklassig. Im wahrsten Sinne. Nächste Frage: Du hast ja nun schon einige Spiele für Skopje gemacht. Wie war das Gefühl bei Deinem ersten Ligaspiel. Wie groß war die Aufregung und wie lief es, bzw. wie läuft es auch generell momentan für Dich?

Stephan Vujcic: Mein erstes Ligaspiel war schon ne merkwürdige Geschichte. Wir spielten in Bitola, was ungefähr 180km von Skopje entfernt ist, die zweitgrößte Stadt. Aber da nur die Hälfte der Strecke Autobahn ist und noch ein Unfall war, brauchten wir 3 Stunden - kalkuliert waren 2. Wir kamen also ca. 30 min vor Beginn an und
dieses Stadion war wirklich in einen katastrofalem Zustand. Ich hatte aber nicht viel Zeit darüber nachzudenken, was hier grad los ist, und das hat mich wohl beflügelt. Wir gewannen 0:3 und ich schoss das 0:2. Dies half mir natürlich ungemein für die Integration im Team. weiter lief es für mich persönlich wirklich gut, alle Spiele hab ich hier von Beginn gemacht, auch wenn das bis jetzt mein einziges Tor geblieben ist, aber dafür war ich auch in Kiel schon nicht bekannt ;). Auch wenn unsere Ergebnisse für unseren Anspruch etwas enttäuschend waren, denke ich, dass wir am Ende weit oben landen werden.

CCK: Immerhin ist nach dem 14. Spieltag noch alles drin. Zu den Fans: Inwieweit unterscheidet sich in Deinen Augen die Fankultur in Mazedonien zu der in Deutschland. Wie sind die Fans bei Euch im Verein und natürlich die wichtigste Frage zu diesem Punkt, was wird dort im Stadion gegessen. ;)

Stephan Vujcic: Eine wirkliche Fankultur gibt es bei unserem Verein hier nicht. Wir spielen zuhause in der Regel vor 300 Zuschauern.

 

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Vule in action...

 

Die Leute trauern den erfolgreichen Zeiten Jugoslawiens hinterher und so kommt es das nur 3 Vereine eine richtige Fanszene haben. Vadar Skopje, Pelister Bitola und Skendjia Tetova, wobei Skendija der Verein der Albaner, auch eher ein neuer Verein hier ist. Da diese Vereine, also die Traditionsvereine aber zur Zeit schlechte Zeiten durchleben, kommen die Leute nur bei Derbys aus ihren Löchern. Unser Spiel gegen Pelister zählte ca 1000 Zuschauer, gegen Vadar waren es 2000. Wenn Pelister gegen Vardar spielt, werden es aber immer so 10000-15000. Insofern gibt es auch wenig Catering im Stadion - in der Regel gibt es keine Würste oder ähnliches wie bei uns zu kaufen. Die Leute erfreuen sich an verschiedensten Arten von Nüssen ;) Sonnenblumenkerne, Erdnüsse, etc. Eine Karte für unsere Spiele kostet übrigens 100 Dinar, was ca. 1,70 Euro entspricht.

CCK: ...Kartenpreise ist ja auch bei uns auch immer Thema. ;) Was macht denn der Vu eigentlich, wenn er nicht gerade trainiert oder spielt? Wie sieht Dein Alltag in Skopje aus?

Stephan Vujcic: Naja, ich versuche, so gut es geht, die Umgebung zu erkunden. Auch wenn dieses Land wirklich arm ist, gibt es doch einiges an Landschaft und Historie zu endecken.

 

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...und über den Dächern von Skopje

 

Ich versuche die Sprache zu lernen, und natürlich meinem Fernstudium gerecht zu werden. Ansonsten gibt es auch hier Cafés, Konzerte und Nachtleben wie in Deutschland, bzw. dieser Entertainmentsektor spielt hier noch ein größere Rolle als bei uns..

CCK: Wenn Du jetzt zu Weihnachten nach Hause kommst, worauf (außer auf Familie und Freunde) freust Du Dich am allermeisten in Deutschland?

Stephan Vujcic: Auf die Kälte ;) Ne, im Ernst, eigentlich vermisse ich nur meine Freunde und Familie, auf die freue ich mich sehr. Auch hier hab ich zum Beispiel deutsches Fernsehen und ich habe festgestellt, das würde ich nicht vermissen ;). Wie gesagt: Die Leute die mir am Herzen liegen wieder zu Gesicht zu kriegen, darauf freue ich mich am meisten...

CCK: Gibt es irgendwas, was Du den Kielern ausrichten möchtest?


Stephan Vujcic: Danke für die schöne Zeit in Kiel, an alle, die es für mich zu solch einer gemacht haben. Ich hatte ein paar schöne Jahre bei euch, auch wenn die letzte Saison ein Wermuthstropfen war. Ich wünsch euch alles Gute und hoffe der Verein findet seinen Weg, fernab von babylonischen Idealen ;)
Haut die Lübecker weg!!! Die werden langsam zu vorlaut ;) Aber lasst mir den Sido ganz, der ist nämlich im Grunde ein guter Junge.

 

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die guten alten Zeiten

 

Viele Grüsse aus Skopje, euer Vule.

 
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