5. April 2014, Endstand 4:0

 

Ausgerechnet letztes Wochenende setzte es die erste richtige Klatsche der Saison, das 0:4 an der Bremer Brücke und die nicht gerade netten Begleitumstände (siehe CCK) sollten einem noch lange im Gedächtnis bleiben. Da konnte der Holstein-Fan nur hoffen, dass die Mannschaft diese Leistung schnell wegstecken würde, Punkte in Osnabrück wären zwar ein Bonus gewesen, doch heute gegen die Münchener Vorstädter aus Unterhaching hörte man das Wort „Pflichtsieg“ doch sehr oft. Im Stadion konnte man neben dem üblichen Gedudel auch mal etwas handgemachte Musik hören, mit „Goodwill Intent“ spielte wohl die erste Band live im Holstein-Stadion – nicht schlecht!

 

goodwill

 

Überhaupt eine nette Idee, jungen Künstlern so eine Plattform zu bieten und das Publikum mal Abseits vom üblichen Evententertainment zu beschäftigen. Einige Minuten später spielte die Musik dann auf dem Platz. Karsten Neitzel setzte heute auf einige andere Akteure, Marcel Gebers (nach Suspendierung) und Patrick Herrmann (wieder genesen) sollten für mehr Stabilität in der Abwehrreihe sorgen, Danneberg und Heider durften ebenso die Einlaufmusik vom Platz aus verfolgen.

 

west

 

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Ein ganz kleiner Hauch von internationalem Fußball wehte dank Unterhachings neuem Trainer durchs Stadion, Christian Ziege (Europameister 1996) war nach seinem Gastspiel als DFB U19 Trainer gegen Wales heute zum zweiten Mal innerhalb von kurzer Zeit zu Gast in Kiel.

 

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So wohl wie er sich damals gefühlt hat, dürfte es heute aber nicht sein, dafür sorgte die KSV von Anfang an auf dem Platz. Die ersten Minuten präsentierte sich Holstein vollkommen verändert zu letzter Woche, spielte mutig nach vorne. Den ersten Hochkaräter bekam der Zuschauer aber vor dem Kasten des Heimteams zu sehen. Eine Viertelstunde vorbei, Haberer fand sich völlig frei vor Niklas Jakusch wieder, aber der Kieler blieb wie in vielen Eins-gegen-Eins Situationen der Sieger. Wenige Sekunden später musste sich Hachings Zetterer das erste Mal geschlagen geben, Erb rettete für seinen Torwart und schoß Schäffler an – knapp über das Tor. Für ein paar Minuten verflachte das Spiel dann ein wenig, Holstein nur durch ein paar Standards gefährlich, Unterhaching wenn überhaupt nur durch nicht zu Ende gespielte Konter.

Nach einer halben Stunde, die Stimmung mittlerweile von der Westtribüne immer lauter, sollte sich die Anspannung endlich entladen können: Kazior mit feinem Pass auf Heider, keine Chance für die Gäste, 1:0! Die gute Stimmung sollte sich aber sofort wieder in Spannung verwandeln, Jakusch erreichte eine Welzmüller-Hereingabe nicht, Gebers und Hartmann konnten im letzten Moment gemeinsam klären. Holstein nun mit noch mehr Druck nach vorne, erst verpasste der agile Kazior die höhere Führung nach einem Distanzschuss, dann köpfte Gebers nach Breitkreuz Pass Unterhachings Hacks an. Minuten später konnte dann aber auch die Defensive der Gäste nichts machen, Eckstoß durch Kazior, Wetter köpft Richtung Tor und Gebers vollendet volley zum 2:0!

 

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jubel

 

Der eben noch Suspendierte völlig losgelöst, die Tribünen natürlich vollauf begeistert und spätestens jetzt hatten alle das in den letzten Wochen perfektionierte „... Holstein steigt niemals ab“ im Ohr. Wenige Minuten später verpasste der bemühte aber glücklose Manuel Schäffler seinen ersten Treffer im Holstein-Dress. Für den letzten Aufreger vor dem Wechsel sorgte dann aber Schiedsrichter Schröder: Welzmüller foult Schäffler in aussichtsreicher Position, ein Griff in die Gesäßtasche, Rote Karte. Sicherlich konnte man über diese Entscheidung streiten, man erinnere sich nur an das eigene Spiel zu Hause gegen des MSV Duisburg. Beruhigt ging es dann in die Pause. Diese nutzte man prima für die Lektüre der Nellie, heute mit einem sehr guten kritischen Kommentar zur Lage der Fanszene, Prädikat lesenswert! Ebenfalls begrüßenswert war eine weitere Freikartenaktion, die auch Menschen, die es vielleicht sonst nicht ins Stadion schaffen einmal ermöglicht, 90 Minuten mit der KSV zu fiebern. Dies taten nun auch die über 5.000 Zuschauer auf den Tribünen. Wenige Sekunden waren vergangen, da wurde der heute starke Mikkel Vendelbo vor dem gegnerischen Tor gefoult, Freistoß für die KSV. Kurzes Besprechen, Kazior trifft den Ball perfekt, keine Chance für den Gästetorwart!

 

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marc

 

Die Störche nun mit endgültigem Oberwasser und weiter mit offensivem Spiel. Die größte Chance sollten die KSV-Fans in der 69. Minuten zu sehen bekommen. Der inzwischen für Kazior gekommene Sykora auf Fabian Wetter der direkt auf den heran eilenden Patrick Herrmann flankt, dieser knallte den Ball an die Latte. Neben Sykora entschied Trainer Karsten Neitzel auch noch für Marcel Schied, er kam für den glücklosen Schäffler. 120 Sekunden später erreichte ein Abpraller den völlig allein gelassenen Schied, der Hachings Torwart bei seinem vierten Gegentor keine Chance lässt. Spätestens jetzt zweifelte wohl keiner mehr an diesen extrem wichtigen drei Punkten. Holstein spielte die Partie nun konzentriert zu Ende, große Chancen auf das fünfte oder gar sechste Tor waren noch vorhanden, so richtig störte es aber wohl keinen, dass es hier beim 4:0 blieb. Immerhin haben wir damit die halbe Miete zum Klassenerhalt.

 

humba

 

Es ist wirklich mittlerweile wieder schön zu sehen, welches Potential das Team in Heimspielen abrufen kann und so zum Teil die Teams mit hohen Niederlagen wieder nach Hause schickt. Und nach dem Spiel konnte man wieder so einige zufriedene Gesichter sehen und wer weiß, denn „nächste Saison gewinnen wir auch mal auswärts!“. Die nächsten Punkte warten dann schon beim Gastspiel in Heidenheim. Sicherlich hängen diese hier besonders hoch, von einem Ausflug in den Süden sollte das aber doch niemanden abhalten. Hierfür wird wieder ein Bus angeboten. Bei Interesse stellen wir gerne den Kontakt her.

 

Alle Bilder in der Galerie.

Stadion an der Bremer Brücke/osnatel-Arena, 29. März 2014, Endstand 4:0

 

Wieder eine kurze Distanz. Am dritten Auswärtswochenende in Folge eine echte Wohltat, „nur" 640 km zu fahren. Um etwaige Behinderungen rund um den erneut teilgesperrten Elbtunnel zu vermeiden, geht es früh los. Um viertel nach sieben ist es noch frisch. Das Thermometer klettert im Laufe des Tages jedoch auf angenehme 20°C. Trotz zweier ausgedehnter Pausen ist die Autobesatzung noch immer viel zu früh in der Stadt. Also genießen vier Kieler noch ein Eis in der Altstadt. Und dank des zentral gelegenen Fanshops hat die Entensammlung bereits vor dem Spiel Zuwachs bekommen.

Nachdem ausreichend Zeit totgeschlagen ist, geht es an die Bremer Brücke. Das 1931 eröffnete und nach dem Krieg komplett neu aufgebaute Stadion ist den Kielern bestens bekannt. Mehr als 15 mal haben die Störche hier seit den sechziger Jahren gespielt. Elf mal ging der Gastgeber dabei als Sieger hervor. Das letzte Mal am 30. April 2010 – ein Spiel, dass nicht alleine aus sportlichen Gründen noch gut in Erinnerung ist. Die damaligen Ereignisse sind natürlich auch den Sicherheits- und Ordnungskräften im Gedächtnis geblieben. Und die Erwartungen werden durchaus erfüllt. Je näher man dem Stadion an diesem Tag kommt, umso stärker ist die Polizei vertreten. Tatsächlich führen einige Komplikationen und Missverständnisse dazu, dass der Supportkern erst zwanzig Minuten nach Anpfiff im Block ist.

 

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Zu diesem Zeitpunkt ist das Spiel bereits in vollem Gange. Allerdings ohne die Verletzten Tim Siedschlag und Patrick Herrmann. Letzterer hatte sich am Morgen eine Blessur am Sprungengelenk zugezogen. Dazu fehlt der nach seinem Ausraster am Mittwoch suspendierte Marcel Gebers. Osnabrück so bereits zweimal mit der Gelegenheit in Führung zu gehen und auch Kiel konnte schon einige Akzente in Richtung des lila-weißen Tors setzen.

26. März 2014, Endstand 3:0

 

Spätestens nach dem 0:0 in Elversberg war fast allen klar, dass das Thema „Abstiegkampf" bei Holstein wahrscheinlich eher bis zum Ende der Saison auf dem Plan stehen wird. Was der Punkt genau wert ist, wird sich dann zeigen - wobei man die Auswärtsleistung gerne im Heimspiel krönen wollte. Und das kam relativ schnell - Englische Woche sei Dank. Vorfreude pur. Arbeitstag schnell hinter sich gebracht und dann zu den vier großen Lichtern gepilgert.

 

sonnenuntergang

 

Regen beschränkt sich zum Glück auf kurz vor dem Spiel und so ist die Laune gar nicht mal so schlecht für den Tabellenplatz.

 

west

 

stuggi

 

Und das Spiel hält, was Heimspiele dieses Jahr gerne mal versprechen. Gleich zu Beginn setzt Rafael Kazior den Ball nur knapp neben das gegnerische Tor. Allerdings spürt man deutlich: Die Störche sind motiviert heute drei wichtige Punkte zur Absicherung nach unten zu holen.

Waldstadion Kaiserlinde, 22. März 2014, Endstand 0:0

 

Saarland, die Zweite. Doch sollte es diesmal nicht in die Landeshauptstadt gehen, sondern in die 13.000-Einwohner-Gemeinde Spiesen-Elversberg. Von der Stadt im Landkreis Neunkirchen hätte bestimmt niemand außerhalb der Region vorher gehört, würde hier nicht die SV Elversberg 07 spielen.

 

sve

 

Deren Aufstieg bis in die 3. Liga ist eng verbunden mit dem Namen und der finanziellen Unterstützung von Frank Holzer, Besitzer eines Pharma-Unternehmens und ehemaliger Profispieler, der beim 1. FC Saarbrücken und Eintracht Braunschweig und in der Jugend eben bei Elversberg gegen den Ball getreten hat. In den Aufstiegsspielen gelang im letzten Sommer als Vize-Meister der Regionalliga Süd-West gegen die Zweitvertretung von 1860 München der Sprung in den Profifußball. Klassenerhalt ist das Saisonziel für das Team von Trainer Dietmar Hirsch und das ist durchaus im Bereich des möglichen, während der 18 km entfernt spielende 1.FCS wohl inzwischen für eine Spielklasse tiefer planen darf.

Als Holsteiner hoffte man trotzdem auf einen erneuten dreifachen Punktgewinn im Südwesten und ging so die Reise genauso an, wie den Fahrt im Dezember, als im Ludwigspark nach langer Durststrecke endlich wieder ein Sieg gelang. Freitagmittag den Arbeitstag beendet, ab auf die Autobahn, Staus geschickt umfahren, sieben Stunden später das gleiche Nachtquartier im französischen Forbach bezogen und dort in der Innenstadt am nächsten Morgen das gleiche, köstliche Pre-Match-Dinner zu sich genommen. Fußballfans sind abergläubisch.

 

zeche

 

Vorbei an den Relikten vergangener Blütezeiten der Schwerindustrie ging es nach Elversberg zum „Waldstadion Kaiserlinde" oder eher zur Baustelle davon.

 

baustelle

 

kaiserlinde

 

Ein perfekter Blick auf das ganze Areal bietet sich von angrenzenden, höher liegenden Tankstelle, was auch von rund 40 Leuten während des Spiels genutzt wird. Vor dem Spiel wird die kleine Gruppe von der Ostsee aber erstmal von einem aufgebrachten Bürger darauf hingewiesen, dass die Zufahrt zu einem „offiziellen ADAC-Stützpunkt" immer und zu jeder Zeit frei bleiben muss. Deutsches Spießertum gibt es also auch in Ost-Frankreich ;)

Wedaustadion / Schauinslandreisen Arena, 15. März 2014, Endstand 1:1

 

Nachdem furiosen 3:0 gegen Wehen Wiesbaden (Peter Vollmann - gerächt) ging es für die Kieler Autobesatzung mit einem guten Gefühl in den Pott. Sonnabend morgen reibungslose Durchquerung des Elbtunnels, den Lieblings-Griesgram ;) in Bremen eingesammelt und schon um 12 Uhr war Duisburg-Wedau erreicht.

Seit der Gründung der Bundesliga im Jahr 63 trägt der MSV seine Heimspiele auf der im Duisburger Sportpark gelegenen Spielstätte aus. Anfangs noch im 1928 eröffneten Wedaustadion, dann im nach dem Abriss an gleicher Stelle 2003/2004 errichteten MSV-Arena.

 

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Nach der Gründung 1902 waren die blau-weißen Zebras noch in den unteren Spielklassen unterwegs. Nach dem 2. Weltkrieg mauserte sich der Verein aber zu einer festen Größe in der damals höchsten Spielklasse, der Oberliga. So gehörte der Verein seinerzeit zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga und wurde gleich in der Premierensaison zur Überraschung vieler Vizemeister, geschlagen nur vom 1. FC Köln. Lange Zeit gehörte der MSV zum festen Inventar des Fußballoberhauses ehe sich die Duisburger ab 1982 zu einer Fahrstuhlmannschaft zwischen erster und zweiter Liga entwickelten. Eine der bittersten Stunden dann im Sommer des letzten Jahres: Aufgrund des fehlenden Nachweises der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit stand der Gang in die Dritte Liga an. Trotz weiterhin klammer Kassen sucht der Ruhrpottklub unter Trainer Karsten Baumann in dieser Saison wieder den Weg nach oben.