13. Mai 2018, Endstand 6:2
 
Sommer, Sonne, Sonntag – und dazu noch ein Spiel, das nicht mehr mit dem ganz großen Druck daher kommt. So die Ausgangslage vor der letzten regulären Partiel der Saison. Für die Gäste hingegen war es der letzte Strohhalm, zudem war der BTSV allerdings auch darauf angewiesen, dass die direkten Abstiegskonkurrenten nicht zu ihren Ungunsten punkten.
 
Lieberknecht
 
Unterschiedlicher konnte auch die Gemütslage der Zuschauer nicht sein. Die knapp über 2.000 Braunschweiger waren vermutlich größtenteils mit der Hoffnung angereist, dass Holstein keine reine A-Elf aufstellen würde und lieber ein paar „Stammspieler“ für die kommenden Aufgaben schonen würde. Und tatsächlich hatte Markus Anfang gegenüber dem Spiel in Düsseldorf auf gleich sieben Positionen gewechselt. Unter anderem mussten die Verletzten Herrmann, Schmidt und Drexler ersetzt werden. Darüber hinaus fehlte Kinsombi, Weilandt, Schindler und Ducksch hüteten die Bank. Stattdessen standen Sicker, Heidinger, Peitz, Seydel, Lewerenz und Dürholtz in der Startaufstellung.
 
Sicker
 
Vor Anpfiff sorgten die Denkedrans in Richtung Westtribüne für ordentlich Gänsehautstimmung – da blieb kein Auge trocken (und auch die Protagonisten selbst nicht) und spätestens bei Refrain – Keine andere Stadt, keine andere Liebe, kein andrer Verein, nur Holstein – konnte sich keiner des Kieler Publikums dem Song entziehen. Mitsingend stiegen sogar die Sponsoren die Stufe zu ihren Plätzen auf der Haupttribüne hinauf, während „Bankdrücker“ Marvin Ducksch sich in einem neuen Tätigkeitsfeld versuchte. Der für Kiel typische leichte Wind ließ die Fahnen im Gästeblock wehen – insgesamt herrschte eine fantastische Stimmung. Auf Kieler Seite war das Ergebnis im Vorwege eher egal und dieses Spiel wurde als entspannter Ausklang der regulären Saison genossen. Trotzdem wurde nochmal mit Nachdruck auf die aktuelle Stadionfrage reagiert und deutlich gemacht, dass es seitens der Fans keine Alternative zum Holstein-Stadion gibt. Und auch der weiterhin bestehende Mangel an Fischbrötchen kam zur Sprache.
 
Denkedrans
 
Duckschi
 
Stadion
 
Fischbrötchen
Es war dann auch nicht die ganz große Enttäuschung, dass bereits in der sechsten Minute die Gäste nach einem Ballverlust von Mühling in Führung gingen. Großer Jubel im leuchtend gelben Gästeblock. Die Freude währte allerdings nur zehn Minuten. Die erste richtige Offensivaktion wurde nach Vorarbeit von Sebastian Heidinger durch Aaron Seydel genutzt – Ausgleich. Braunschweig aber trotz akuter Abstiegsangst weiter bei der Sache. Drei Minuten nach dem Ausgleichstreffer ging die Eintracht erneut in Führung. Wieder großer Jubel in der Ostkurve, doch wieder folgte die kalte Dusche für den Gästeanhang schneller als es den mitgereisten Braunschweigern lieb gewesen sein durfte.
 
Jubel in gelb
 
Seydel
 
Steven Lewerenz hatte sich an diesem Tag anscheinend einiges vorgenommen: Erst erzielte er nach schöner Soloaktion das 2:2 (22.) und konnte wiederum nur acht Minuten danach eine Flanke von Arne Sicker zum 3:2 verwerten. Kapitän Rafael Czichos netzte per Kopf kurz danach zum 4:2 ein. Während die Stimmung in dreivierteln des Stadions langsam einer Party glich, machte sich bei den gelb-blauen Fans bereits nach etwas einer halben Stunde Resignation breit. Denn die vermeintliche B-Elf zeigte sich hoch motiviert und fand nach einer kurzen Anlaufphase auch ohne Marvin Ducksch (der auf der Bank sitzend übrigens Torschützenkönig wurde) zu ihrer brutalen Effektivität vor dem Tor.
 
Lewo
 
Luca
 
Czichos
 
Die Gäste kamen einige Minuten früher aus der Pause – machten, wenn man ehrlich ist, aber nicht den Eindruck, bis in die Zehenspitzen motiviert zu sein. Ein Spiel, das quasi stellvertretend für die gesamte Saison stand, denn auch Holstein bot den wunderbaren Offensivfußball, mit dem sie in der Spielzeit für große Freude unter den Anhängern gesorgt hatten.
 
Lewo 2
 
Lewo 3
 
In der 57. und 60. Minute unterstrich Steven Lewerenz mit den Treffern drei und vier seine herausragende Form und durfte sich unter standing ovations danach auswechseln lassen. Unter großem Jubel wurde Manuel Janzer auf dem Platz begrüßt (der Relegationsjoker?), ihm folgte sieben Minuten später Tim Siedschlag, der sein Zweitliga-Minutenkonto gleich mal deutlich hochschraubte. Und wenn es noch einige gute Chancen gab – am Ende blieb es beim 6:2, das so wohl nur wenige erwartet hatte. Holstein scheint im Relegations-Mode zu sein, auf dem Feld und auf den Rängen. Bleibt zu hoffen, dass von den angeschlagenen Spielern noch einzwei wieder schnell fit werden. Ansonsten weiterhin einfach alles genießen – und dankbar sein, dass man ein Teil davon ist.
Zuschauer
 
Trauer
 
Stadion
 
Jubel
 
Bei all dem Jubel mischte sich auch auf Heimseite ein kleiner Klos in den Hals, als nach dem Spiel Torsten Lieberknecht erblickt wurde. Zehn Jahre großartige Arbeit in Braunschweig enden mit Abstieg und Tränen – das wünscht man keinem.
 
Siedo
 
Kenny und York
 
Für alle Kieler steht der Bonus, vielleicht sogar etwas historisches an. Wir sehen uns in Wolfsburg.
 
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