Sportpark Ronhof, 27. Januar 2018, Endstand 0:0

Vor genau zwölf Wochen feierte die KSV ihre "Frankenpremiere" in Nürnberg. Ein paar sieglose Spiele und eine Winterpause später fanden wir uns knapp 15 km weiter nordwestlich wieder. Vor dem sportlichen, gab es allerdings noch einen kulturellen Teil. Das Nachtlager wurde gegen Mitternacht erreicht und so lockte "Die Wacht am Rhein" - ein Nachtrestaurant in der Innenstadt Nürnbergs, in dem Leckeres auf Teller und im Glas serviert wird. Dass dabei der Schlaf etwas zu kurz kommt wird einfach ignoriert. Man ist ja nur einmal, also zweimal in Franken. Bei einigen Schnäpsen wurde mit den Anhängern des 1. FCN über Fußball philosophiert und eine Gewissensfrage gestellt: Würden die Nürnberger am nächsten Tag ausgerechnet den Fürthern die Daumen drücken, um dadurch Hilfe im Kampf um die Tabellenspitze zu bekommen? Antwort überwiegend „Ja“ - denn Aufstieg ginge vor Derbyhass. Nach einigen weiteren Absackern wurde dann die Reißleine gezogen. Immerhin zahlte sich die deftige Grundlage aus.

 

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Dass der Spieltag Kopfzerbrechen verursachte, lag dann allerdings nicht an der nächtlichen Exkursion, sondern an dem 90-minütigen Ausflug in den eher unansehnlichen Fußball. Zugegeben, bisher war der Kieler Zuschauer in dieser Saison auch verwöhnt. Denn selbst Niederlagen oder die andauernde Sieglosserie boten immerhin ansehnliche Spiele, wie das 2:2 unter der Woche gegen Union Berlin. Dort hatten sich vor allem auch die Spieler ausgezeichnet, die das gesperrte Trio um Kapitän Czichos ersetzt hatten. Vor dem Duell gegen die Fürther konnte Markus Anfang wieder auf einen größeren Spielerpool zurückgreifen – allerdings bildeten sich dennoch ein paar Sorgenfalten auf der Stirn der KSV-Fans. Grund: Kenneth Kronholm war mit Knieproblemen an der Förde geblieben. Lukas Kruse als Ersatz machte seine Sache allerdings gut, um das schon einmal vorweg zu nehmen.

 

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Für Freude sorgte indes der Blick Richtung Gästeblock, der für die Distanz gut gefüllt war. Zunächst gab es allerdings Hüben wie Drüben eine zurückhaltende Stimmung und hochgeklappte Zaunfahnen. Ein bundesweiter Protest der aktiven Fanszenen für eine umgehende Freigabe aller Fanutensilien. Nach zwölf Minuten wurden alle Fahnen wieder sichtbar ausgerollt und so konnte sich der Kieler Mob mehrfach gut Gehör verschaffen auf der Baustelle Ronhof, die nach und nach sein Gesicht verändert. Bereits 1910 wurde an Ort und Stelle ein Stadion errichtet. Immerhin mit kleiner Holztribüne und Platz für insgesamt 8.000 Zuschauer. Es folgten Erweiterungen ein Jahr später und 1919, sodass später schon 25.000 Zuschauer Platz fanden. Kriegsschäden machten eine Behelfstribüne erforderlich, die erst 1951 ersetzt wurde. Die in die Jahre gekommene Spielstätte müsste 1997 mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga grundlegend saniert werden. Es entstand das „Playmobil-Stadion“ - dieser Top-Name wurde 2010 durch die fast noch bessere Bezeichnung „Trolli Arena" ersetzt.

 

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24. Januar 2018, Endstand 2:2

 

„Vor dem Spiel hätte ich ein 2:2 super gefunden. Nach dem Spiel ärgert man sich wieder.“ - Dieses Zitat aus Kreisen der Podcaster trifft den emotionalen Zustand nach dem Spiel doch ziemlich genau. Vorher überwog vor allem die Vorfreude (wobei sie das meistens vorher tut und nicht nachher), dass es endlich wieder losgehen sollte und mit Union gleich mal ein feiner Gegner ins Haus stand. Das wahnsinnige Hinspiel war noch gut im Gedächtnis und dann war bei Flutlicht eigentlich mit optischen Akzenten aus dem Gästeblock zu rechnen. Zurecht, wie sich herausstellen sollte.

 

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Aufgrund der Sperren von Czichos, Schmidt und Mühling musste für den Jahresauftakt 2018 ordentlich umgebaut werden. Zum Glück gab es dafür ja die Wintervorbereitung inklusive Trainingslager. Und keinesfalls musste von einer B-Elf gesprochen werden. Die Akteure belohnten das in sie gesetzte Vertrauen. Besonders Tom Weilandt, der in der Hinrunde nicht so recht zum Zuge kam, konnte sich unter der spanischen Sonne für einen Startelfeinsatz empfehlen und bedankte sich direkt mit einem schönen Treffer zum 1:0. Nur ganze neun Minuten hatte es gebraucht, um auch die Kieler Euphorie aus dem Winterschlaf zu holen.

 

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Die Defensive Kiels machte einen guten Job. Besonders Kinsombi konnte mit seiner Schnelligkeit viel rausholen und Herrmann, laut Statistik der Spieler mit drittmeisten Kilometern auf dem Tacho, ackerte was das Zeug hielt. Dazu noch ein Niklas Hoheneder, der verlorene Bälle per Grätsche zurückeroberte. Es wirkte ein wenig so, als wenn jeder auf dem Feld einen Meter mehr für die gesperrten Akteure lief. Das brachte wirklich mal wieder Laune, dieser Truppe zu zu sehen.

 

Auch offensiv waren die Störche weitestgehend spielbestimmend. Zehn Minuten nach Weilandt, netzte Drexler zum 2:0. Und das war bei Weitem noch nicht alles, was nach vorne ging. Doch ärgerten sich Kieler Publikum, wie auch Akteure und Offizielle auf und neben dem Rasen über die eine oder andere verpasste Chance zum 3:0. Und das durchaus zurecht. Denn noch vorm Pausenpfiff erzielten die Gäste, wenn auch eher glücklich, den Anschlusstreffer.

 

BWT-Stadion am Hardtwald Sandhausen, 17. Dezember 2017, Endstand 3:1

 

Nach dem Schneespiel des SV Sandhausen am vergangenen Wochenende gegen Arminia Bielefeld war der Zustand des Rasens im Stadion am Hardtwald vermutlich eines der meistdiskutierten Dinge der letzten Woche in Kiel. Es gab sogar ernstgemeinte Fragen: Findet das letzte Spiel des Jahres statt? Wäre ein Ausfall gut oder schlecht? Im Endeffekt ging das Spiel dann aber ungefährdet über die Bühne, auch wenn mehr von Acker, als von Rasen gesprochen werden konnte. Das bedeutete kurz vor Weihnachten aber noch einmal eine Hammertour in den Südwesten, zum Glück bei zu für diese Jahreszeit ausgesprochen guten Straßenverhältnissen. Für einige jüngere Kieler bedeutete der Besuch im Hardtwaldstadion eine Premiere, da der letzte Auftritt der Störche in Sandhausen immerhin schon sechseinhalb Jahre zurückliegt.

 

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Insgesamt war der Gästeblock für einen Sonntag und bei der Distanz auch relativ gut gefüllt. Wer konnte, hatte bereits den Sonnabend als Reisetag genutzt, um ein wenig Fußball in fremden Stadien zu schauen und/oder ein Gläschen Punsch auf einem Weihnachtsmarkt zu schlürfen. Für vier Kieler ging es über die Grenze zum westlichen Nachbarn um im Capitale de Noël (wie sich Strasbourg ganz selbstbewusst nennt) ein wenig über den oder besser die Weihnachtsmärkte zu schlendern.

 

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Die Innenstadt war mit den Buden, Lichtern und geschmückten Fassaden auch wirklich beeindruckend, leider aber auch sehr überfüllt mit Mengen von unentspannten Touristen. Nun gut, auf einen Sonnabend vielleicht keine Überraschung. Und so ging es nach ein paar heißen Maronen und einem Flammekuchen mit der Tram zum Stade de la Meinau. Ein ausführlicher Bericht von diesem Tagesordnungspunkt inklusive Wursttest folgen – nur so viel sei schon mal verraten: Racing hat mit dem Storch natürlich das bestmögliche Wappentier.

 

Die Nacht wurde wieder auf der deutschen Rheinseite in Offenburg verbracht und so erfolgte die Anreise zum Auswärtsspiel der Störche ausnahmsweise aus dem Süden. So rechtes Zweitliga-Feeling wollte beim Erreichen des Ortes nicht aufkommen, immerhin hatten es rund 250 Anhänger der Kieler Störche nach BaWü geschafft. Und immerhin ist inzwischen in Sandhausen ein richtiges Stadion zu finden. Im Jahr 1951 wurde dies nämlich als Sandplatz eröffnet, durchlief dann aber - bis März 2017 noch unter dem Namen Hardtwaldstadion - mehrere Umbauten. Zuletzt wurden 2014 zwei neue Tribünen errichtet. Mit einer Kapazität von 15.414 Zuschauern gehört es zu den kleineren Stadien der 2. Bundesliga. Weniger Platz bieten nur die Arenen in Regensburg (15.224) und Heidenheim (15.000) sowie unser Holstein-Stadion (11.386).

 

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Doch während wir in Kiel derzeit die eigentlich Mindestanforderung von 15.000 Plätzen locker mit Menschen befüllen könnten, haben sich in der Hinrunde im Schnitt kaum mehr als 6.000 Zuschauer ins BWT-Stadion verirrt. Damit ist Sandhausen Schlusslicht in der Zuschauertabelle (zum Vergleich: Holstein Kiel auf Platz 14 mit durchschnittlich 10.400 Zuschauern). Am 3. Advent waren es sogar nur 4.829 Zuschauer, die das Duell Dorfklub (upps, darf dieser Ausdruck noch verwendet werden, ohne von Großaspach verklagt zu werden?) gegen den Herbstmeister sehen wollten. Das führte also auch nicht wirklich zu einer großen Stimmungssteigerung. Beim Catering gab es neben Schatten (eklige Pommes), wenigstens einige Sonne (die bereits von CCK getestete Feuerwurst ist immer noch top).

 

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Apropos Sonne - das Wetter hatte sich über die Woche einigermaßen gehalten, so dass der Rasen, wenn auch in einem ackerähnlichen Zustand, als bespielbar eingestuft wurde. Da „bespielbar“ aber ein dehnbarer Begriff ist, wurde bei der Kieler Aufstellung ein wenig reagiert. Mit Seydel und Weilandt sollte der Erfolg auch einmal über den langen Ball gesucht werden. Echte Attraktivität kam in der ersten Hälfte nicht auf. Der Ball war schwer zu kontrollieren, präzise Pässe nahezu unmöglich. Der Strafraum glich mehr einer Sandkiste. Statt Handschuhen, hätte Kenny Eimerchen und Schäufelchen einpacken sollen – für eine Sandburg wäre genug Material vorhanden gewesen. Doch beide Mannschaften machten das Beste draus und kämpften um jeden Meter. Der Gastgeber erspielte sich von Anfang an gute Chancen. Die KSV tat sich durchaus etwas schwer mit Geläuf und Gegner. Sandhausen hatte die Defensive gut im Griff und ließ wenig bis gar nichts zu. Resultat: ein torloses Remis zur Pause.

 

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Der Kieler Block konnte den direkt benachbarten „Stimmungs-“Block der SVS-Anhänger übrigens diverse Male ohne Probleme übertönen. Wofür man bei 50 Leuten als Vorsänger eine Mikrofonanlage braucht, weiß auch kein Mensch.

 

Eintracht-Stadion, 8. Dezember 2017, Endstand 0:0

 

"Aus einer philosophischen Perspektive beschreibt die Zeit das Fortschreiten der Gegenwart von der Vergangenheit kommend und zur Zukunft hinführend." (wikipedia.de)

 

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Blickt der Kieler also in die Vergangenheit, als die Gegenwart noch nicht gen Zukunft geschritten war, so sieht er sich vermutlich vorm Fernseher, in der Kneipe, oder im besten Fall im Stadion in Großaspach und versucht auch mit einigen Monaten Abstand zu begreifen, was damals und auch seit dem eigentlich passiert ist. Kurz gesagt: jede Menge.

 

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Denn nicht umsonst sind die Störche als Tabellenerster zum letzten Hinrundenspiel der laufenden Saison gereist. Das führte dazu, dass der Favorit in dem Duell Deutscher Meister unter sich die Gäste von der Kieler Förde waren. Obwohl die Gesamtbilanz eher für die Löwen sprach, machte nicht zuletzt die gar nicht so weit zurück liegende Begegnung gegen die Eintracht im DFB-Pokal weitere Hoffnung. Schließlich bescherte uns diese die zweite Runde gegen den FSV Mainz 05. Der letzte Besuch im Eintracht-Stadion dagegen ist schon etwas her. Im Mai 2011 gewann die KSV in der Regionalliga Nord gegen die Zweite des BTSV mit 5:2. Torschützen seinerzeit übrigens Kevin Schulz sowie damals in ihrer jeweils ersten Saison für Holstein Fiete Sykora und Marc Heider. Neben Holsteins Kader und Ligenzugehörigkeit haben sich seit dem auch viele andere Dinge getan. Besonders am Braunschweiger Stadion. War die Gästekurve seinerzeit noch offen und bot Raum für rankendes Grün, so ist innen wie außen inzwischen reichlich modernisiert worden.

 

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Eintracht-Stadion, anno 2011

 

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Eintracht-Stadion 2017
(zum Vergrößern aufs Panorama klicken)

 

Doch während besonders die Außenfassade an klassische Arenen erinnert, so versprüht das Eintracht-Stadion im Inneren durchaus noch etwas von dem einstigen Charme. Nicht zuletzt wegen der verbliebenen, aber inzwischen in schickem Blau erstrahlendem Laufbahn. Auch die von 18 Pfeilern getragene Dachkonstruktion der Südkurve, die durchaus Assoziationen zu englischen Stadien weckt, gefällt noch immer. Aber vermutlich nur, wenn man nicht direkt hinter einem der Pfeiler stehen muss.

 

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Sportlich waren die Parameter vor dem Spiel folgende: Holstein, immer noch ungeschlagen und zuletzt mit drei Unentschieden in Folge, zwar nicht in der Not aber schon mit dem Wunsch, die Herbstmeisterschaft direkt am Freitagabend zu zementieren, Braunschweig auf drei Punkte angewiesen, um nicht endgültig den Anschluss nach oben zu verlieren.

 

Das Spiel begann entsprechend munter. Zwar kann nicht unbedingt von Chancen geredet werden, aber zumindest zeigten beide Teams, Holstein zunächst etwas mehr, viel Vorwärtsdrang. In der 10. Minute sorgte Herrmann für eine Schrecksekunde, da er nach einem Check des Gegners für einen Moment auf dem Rasen liegen blieb. Doch das schien bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und von abwechselnden Schnee und Regen durchweichter Rasen keine Alternative. Nach nur einer Minute stand der Fußballgott wieder, das Spiel konnte weiter gehen. Echte Highlights hielt es jedoch nur wenige bereit. Wie zum Beispiel die 41. Spielminute, in der ein frustrierter Dominik Schmidt sich seiner schützenden Maske entledigte. und diese vom Spielfeld schmiss.

 

2. Dezember 2017, Endstand 2:2

 

Dass die KSV irgendwann um die Herbstmeisterschaft in der 2. Bundesliga spielen würde, hätte das Kieler Publikum vermutlich eher weniger gedacht. Im letzten Heimspiel vor der Winterpause war das allerdings tatsächlich der Fall.

 

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Holstein als Spitzenreiter empfing Fortuna Düsseldorf als zweiten. Während die Störche inzwischen acht Spiele in Folge ungeschlagen waren, zeigte die Formkurve bei dem Aufstiegsfavorit aus Düsseldorf eher nach unten.

 

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Nichtsdestotrotz hat vermutlich keiner der anwesenden den Gast vom Rhein unterschätzt. bevor es jedoch auf dem Rasen zur Sache ging, setzte sich die Anhängerschaft der Fortunen in Szene. Bereits bei der Ankunft am Bahnhof machten sich diese lautstark bemerkbar. Im Gästeblock selber war der Block M nahezu geschlossen in rote und weiße Ponchos gehüllt. Dazu ein gut gefüllter Block O - das Herz des Kielers war erfüllt von Vorfreude.

 

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Doch zunächst gab es einen kurzen Gedenkmoment für zwei verstorbene Tribünenoriginale.

 

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Pünktlich zum Einlauf der Mannschaften legte der Gästeblock mit der erwarteten Stimmung los. Auch die 22 Mann auf dem Spielfeld ließen sich nicht lumpen, brannten bereits in den Anfangsminuten ein erstes Feuerwerk ab. Die erste große Chance von Seydel, es folgten auf beiden Seiten weitere Torschüssen. Schnell war klar, Düsseldorf wollte die Tabellenführung zurück, Holstein die vorzeitige Herbstmeisterschaft. Das Publikum sah eine unterhaltsame erste Halbzeit, die aber nicht nur aufgrund des Tors in der 43. Minute an die Gäste ging.

 

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