Millerntor-Stadion, 28. Oktober 2018, Endstand: 0:1

 

Der echte Norden ist blau-weiß-rot und liegt nochmal knapp 100 km nördlich des Millerntor-Stadions. Als Kieler ist das einem natürlich bekannt, aber den Hamburger Gastgebern wurde es noch mal über die gesamte Breite des Auswärtsblocks gezeigt.

 

Kurve

 

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Umstellung auf Winterzeit und zweitkürzeste Distanz (Volksparkstadion ist knapp drei Kilometer dichter am Holstein-Stadion dran) machten diese Begegnung zu einem entspannten Sonntagsausflug. Heimseitig immer bestens besetzt, war auch der Gästeblock pickepackevoll. Zum Glück, denn bei kaum mehr als 5°C Außentemperatur war dichtes Beisammenstehen keine schlechte Idee.

 

Eine gute Idee sollte es aus Kieler Sicht auch sein, nach dem Unentschieden zu Hause gegen den Tabellenführer sich mit einem Dreier zu belohnen. Auch wenn die Erfüllung dieser Aufgabe ausgerechnet auswärts beim Nordderby natürlich nicht einfach war. Zumal der Gegner in der Tabelle vor der KSV stand und an diesem Tag sogar um die Tabellenführung (und das Vorbeiziehen am HSV) spielte.

 

Vor also ausverkauftem Haus (29.546) gab es auf beiden Seiten ein dem Anlass angemessenes Intro. Besonders stimmungsvoll das Anspielen von „Keine andere Stadt“, das zumindest der Gästeblock gerne bis zum Schluss gehört hätte. Hatte irgendwas von Coitus interruputus, aber solche Themen werden ja eher etwas weiter behandelt. Und ein Happy End sollte es für den Kieler Anhang ja auch noch geben - aber dazu später mehr.

 

Zuschauer

 

Choreo USP

 

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Sportlich zeigten sich zunächst die Gastgeber bissig und engagiert. Kenny Kronholm musste durchaus einige Male zupacken, machte dies aber souverän. Spätestens damit zeigte sich, dass es keine einfache Partie werden würde. Aber nach rund 20 Minuten hatten sich die Störche vollständig aklimatisiert und es entstand ein munteres aber auch sehr kampfbetontes Spiel - in dem Chancen für die Störche aber Mangelware blieben. St. Pauli hingegen nutzte seine Chancen nicht, wodurch es zum Halbzeit-Tee torlos unentschieden stand.

 

Während das Wetter schlechter wurde, zu den kalten Temperaturen gesellte sich noch Regen, wurde das Spiel in Halbzeit zwei noch besser. Beim Lattentreffer von Kapitän Kinsombi (der im Stadionmagazin ungewohnt redselig war :D ) in der 51. Minute deutete sich der Kieler Torhunger schon an. Doch es dauerte noch einmal neun Minuten, der "echte Norden" jubeln konnte. Eine abgefälschte Flanke von Dehm kam nahezu perfekt auf Serras Kopf, der sich nicht lange bitten ließ und zur verdienten Führung köpfte.

 

Jubel

 

Wenige Minuten später wieder Aufregung im Rücken von Himmelmann. Dudziak bekam den Ball an den Arm und es wurde ein Handelfmeter gefordert. Doch Dankert bewertete die Situation anders und ließ weiterspielen. Und obwohl die Paulianer sich weiter ins Zeug legten und es nicht an Chancen auf den Ausgleich mangelte, sorgten die Kieler Defensive und vor allem auch ein starker Kenneth Kronholm dafür, dass es nicht dazu kam. In den vier Minuten Nachspielzeit mussten die Störche nochmal zittern, immer fehlten bei dem letzter Schuss aufs Kieler Tor nur Zentimeter.

 

Ergebnis

 

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Am Ende blieb es bei dem Auswärtssieg. Damit haben die Störche in der laufenden Saison die Spiele in Hamburg ohne Gegentor und sechs Punkten absolviert und können sich guten Gewissens als Nummer eins nördlich der Elbe titulieren. ;) Mit diesem positiven Ergebnis geht es in die Pokalwoche. Wir freuen uns, Christian Streich und seinen SC Freiburg bei uns an der Förde begrüßen zu dürfen.

 

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20. Oktober 2018, Endstand: 1:1

 

Länderspielpausen sind einfach immer zu lang. Zumal der Wettbewerb Nations League, der die ligafreien Wochenenden füllt, nicht unbedingt bei jedermann auf großes Interesse stößt (Tendenz geht sogar Richtung niemand). Viel spannender war da doch die Begegnung an diesem Sonnabendmittag. Der Tabellenführer der 2. Bundesliga, der 1. FC Köln war zu Gast. Das alleine sorgte schon für Vorfreude, immerhin fand die letzte Begegnung 1953 statt. Die Freude auf das Duell schien nicht einseitig zu sein, der Anhang des Effzehs hatte natürlich keine Probleme den provisorischen Gästeblock zu füllen, verbreitete aber schon weit vor Anpfiff beste Stimmung, präsentierte zum Einlaufen ein schickes Intro und gab auch danach wirklich gut Gas (definitiv einer der besseren Auftritte).

 

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Die Gäste mit drei ehemaligen Kielern, Markus Anfang auf der Trainerbank sowie Rafael Czichos und Dominick Drexler, wurden mit Spannung erwartet. Besonders Letzterer stand nach seinem umstrittenen „Doppelwechsel“ bei vielen Kieler Fans in der Kritik.

 

Es zeigte sich schon bei der Durchsage der Aufstellung, dass lediglich dem Trainer und dem Ex-Kapitano ein herzlicher Empfang beschert wurde. Die Ablehnung gegenüber dem ehemalige Publikumsliebling Drexler hingegen zog sich durch das gesamte Spiel. Es war gar nicht nötig aufs Spielfeld zu schauen – jeder Ballkontakt der Kölner Nummer 24 konnte akustisch wahrgenommen werden.

 

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Vorm Spiel bejubelt hingegen wurde das Live-Ständchen vor Anpfiff. Jan und Matze von den Denkedrans (von Die Denkedrans?) gaben eine Akustikversion von „Keine andere Stadt“ zum Besten und das Kieler Publikum sag nach Leibeskräften mit.

Die gute Stimmung schaffte es bis weit in die erste Hälfte hinein. Das imVorfeld bei dem einen oder anderen Stirnkräuseln verursachende Fehlen von Lee, Honsak, Seydel (jeweils verletzt) und Schindler (gesperrt, dafür aber Sky-Experte) entpuppte sich nicht als Nachteil. Erstmalig stand der von Salzburg geliehene Okugawa (der von Teilen des Publikums fröhlich mit "Lee" angefeuert wurde) in der Startaufstellung und auch Benjamin Girth bekam eine neue Chance. Und der zeigte von der ersten Minute an Einsatz. Nach nur vier Minuten hatte er eine erste halbwegs gute Chance. Zur Freude der Kieler unter den insgesamt 9.700 Zuschauern ließen sich die Störche nicht im Geringsten von Name und Tabellenposition der Gäste beeindrucken. Ganz im Gegenteil: Selbstbewusst und mit Vorwärtsdrang wurden die Geißböcke teilweise in die eigenen Hälfte gedrückt. Insgesamt entwickelte sich eine muntere erste Hälfte, die besonders vom Engagement der Gastgeber lebte. Einen Dämpfer gab es für das Kieler Publikum erst, als der Mainzer Schiedsrichter Dr. Robert Kampka kurz vor der Pause in seine Pfeife blies und auf den Elfmeterpunkt zu Füßen von Kenneth Kronholm zeigte. Nach einem Check von Dominik Schmidt an seinem Namensvetter mit ck und ehemaligen Kollegen entschied der Unparteiische auf Strafstoß, den Kölns Toptorjäger Terodde souverän verwandelte. Das Ganze kam dann doch eher aus heiterem Himmel.

Nach Wiederanpfiff waren es zunächst die Gäste, die besser ins Spiel kamen. Die KSV-Akteuere hielten allerdings weiterhin fleißig dagegen. Obwohl die Partie etwas weniger gefällig war als noch in Halbzeit eins, schien es keineswegs, als stünden die Gäste schon als Sieger fest. Die schienen mit dem knappen Vorsprung ganz leben zu können. Auf Heimseite brachte vor allem die Einwechslung von Heinz Mörschel für Benjamin Girth frischen Wind ins Spiel. Auszahlen sollte sicher dieser Wechsel allerdings erst wenige Minuten vor Schluß. In der 88. erreicht ein langer Ball von Schmidt den 21-jährigen, der aus Mainz an die Förde gekommen war. Ein Missverständnis zwischen Kölner Keeper und Abwehr nahm Mörschel dankend an und sorgte für Jubel auf den heimischen Rängen.

 

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Wie der Führungstreffer auch eher aus heiterem Himmel, da Torchancen doch eher Mangelware waren. Sei es drum - endlich mal ein eigener Last-Minute-Treffer. Doch ging vielleicht noch mehr?

Beflügelt vom Ausgleich versuchte die Kieler offensive kurz vor Ende des Spiels sogar noch den Sieg zu erzwingen, aber die Elf von Markus Anfang (der wie zu Kieler Zeiten mehrfach lautstark seinen Unmut über die Linie des Schiedsrichters äußerte und wohl kurz vor dem Verweis auf die Tribüne stand) hielt nach allen Kräften dagegen.

 

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Am Ende stand ein aus Kieler Sicht voll verdientes 1:1 auf der Anzeigetafel. Statt Länderspielpause erwartet uns nun eine Englische Woche, die am kommenden Sonntag mit dem Auswärtsspiel am Millerntor eingeläutet wird.

 

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Erzgebirgsstadion, 6. Oktober 2018, Endstand: 2:1

 

Eine Fahrt nach Aue ist für Kieler fast wie eine Reise durch die sportliche Vergangenheit. Vorbei an Magdeburg und Halberstadt, Halle und Leipzig, in Richtung Dresden, nur unweit von Meuselwitz die A72 entlang, die nach Chemnitz, Zwickau und Plauen führt - all das weckte Erinnerung an die alte Regionalliga Nordost (die rückblickend betrachtet gar nicht so uninteressant war) und auch an die noch gar nicht so weit zurück liegende 3. Liga. Und während Leipzig inzwischen in ganz anderen Sphären wandelt, Dresden und Magdeburg zu aktuellen Ligakonkurrenten zählen, Zwickau und Halle fester Bestandteil von Liga Drei sind, stellte sich die Frage, was mit anderen einstigen Gegner geschehen ist. Der CFC zum Beispiel bricht mit elf Siegen in elf Spielen in der Regionalliga Nordost alle Rekorde, während mit Erfurt ein anderer ehemaliger Weggefährte im Mittelfeld der Viertklassigkeit festhängt. Deutlich dahinter Meuselwitz und Halberstadt, für die die Regionalliga ein Zuhause geworden ist. Der VFC Plauen hat seine neue Heimat in der Oberliga gefunden. Mit einer Portion nostalgischer Gefühle und der Dankbarkeit, dass die Störche sich in den letzten Jahren sportlich mehr an Dresden, als an Plauen orientiert haben, ging es also an diesem Wochenende nach Aue. Ebenfalls eine Begegnung, die es schon einige Male und in unterschiedlichen Ligen gegeben hat.

 

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Wer schon mal nach Aue gefahren ist, kennt diesen Anblick: Kaum ist die letzte, langgezogene Kurve genommen, erscheinen die mächtigen, "ostalgischen" Flutlichter des Erzgebirgsstadions auf der linken Seite. Besonders schön sah es an diesem Sonnabendmittag aus. Die vier betongrauen Konstruktionen hoben sich von den sonnenangestrahlten Bäumen ab, deren Laub bereits in herbstlichen Farben erstrahlte. So gar nicht herbstlich hingegen die Temperaturen (erinnerte fast an das Spiel in Erfurt im November 2009, das in kurzen Hosen verfolgt werden konnte). Beim Verlassen des Autos wurde deshalb kurzerhand beschlossen, die Jacke im Kofferraum zu lassen. Bei 23°C war die auch nicht nötig. Ein Pflichtgang ist in Aue zunächst immer zum Nudeltopf-Stand. Sicher hat man Pasta schon deutlich besser gegessen, aber es gibt bestimmte Kult-Gerichte, die so gehören, wie sie sind. Und die "Ost-Penne" erinnern CCK zusätzlich immer an Kalle Neitzel, der einmal verriet, dass die Tomatensoßen-Zubereitung mit Fleischwurst sein Lieblingsgericht sei. Von daher...

 

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Im Vergleich zum Heimsieg über Darmstadt gab es nur eine personelle Änderung: Aufgrund der Gelb-Rot-Sperre Jannik Dehms rückte Patrick Herrmann in die Startaufstellung. Vor dem Spiel herrschte aufgrund des eher durchwachsenen bis schlechten Saisonverlaufes auf Auer Seite eher Pessimismus. Es wurde den Veilchen im Höchstfall ein Unentschieden zugetraut. Den Störchen hingegen wurde mit viel Respekt begegnet. Zurecht?

 

Zunächst waren es auch die Gastgeber, die den Ton angaben. Hoch motiviert starteten sie in die Partie und machten sich die erste Chance des Spiels zu eigen. Vor den insgesamt 7.500 Zuschauern entwickelte sich direkt ein munteres Hin und Her. Das ließ zuweilen zwar qualitativ zu wünschen übrig, hatte aber immerhin Unterhaltungswert. In der 7. Minute hätte Holstein bereits in Führung gehen können, nachdem ein Rückpass Lee erreichte. Doch auf die Schnelle konnte er den Ball nur fünf Meter neben das Tor setzen. Auf beiden Seiten wurde um den ersten Treffer gekämpft. Das Rennen machten die Störche nach 41 Minuten dank eines schönen Tores von Alexander Mühling, dem ein doppelter Doppelpass mit Lee vorausging. Sahnemäßig! Die Frustration der Auer Fans war zu spüren, einige begaben sich verfrüht zum Halbzeit-Bier. Dabei hatten sich die Hausherren bis dahin teuer verkauft - doch die Führung nahm die KSV mit in die Pause.

 

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Hannoverscher Sportverein von 1896 II vs. Kieler SV Holstein II

Eilenriedestadion, 3. Otober 2018, Endstand: 1:1

 

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Passend zum Tag der deutschen Einheit standen heute die Zweitvertretungen der Störche aus Kiel und die der 96er aus meiner Heimatstadt Hannover auf dem Rasen. Dass es sich bei dieser Begegnung um ein Spitzenspiel der durchaus hochkarätig besetzten Regionalliga Nord handeln würde, hätten vor der Saison wohl vor allem dem blau-weiß-roten Aufsteiger die Wenigsten zugetraut. Gespickt mit jeweiligen Vereinslegenden wie Tim Siedschlag und Christian Schulz war eine gewisse Vorfreude auch nach einem eher durchschnittlichen Schinkengriller durchaus zu spüren.

 

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Im seit einiger Zeit umgebauten Eilenriedestadion, in dem die Gastgeber bereits 1932 ihre erste Meisterschaft feierten, wehte ein starker Wind, der wohl eher den Gästen von der Förde einen gefühlten Heimvorteil bescherte. Doch besonders nach der Pause kam die Sonne auch länger mal raus und tauchte neben dem Spielfeld auch den zwar spärlich, aber immerhin mit einer Zaunfahne besetzten Kieler Block in ein gutes Licht.

 

Bei meinem letzten Besuch gab es beim Niedersachsenderby der zweiten Mannschaften noch die Unterstützung der aktiven Fanszene. Ohne diese setzte sich diesmal eine entspannte Feiertagsstimmung durch, die gesanglichen Highlights setzten die Jungs der U9 von 96, die ihre Mannschaft mit Sprechchören unermüdlich anfeuerten und für das ein oder andere wohlwollende Schmunzeln auf der Tribüne sorgten.

 

Das Spiel pendelte sich mit einigen Verschnaufpausen auf beiden Seiten auf ansehnlichem Niveau ein und war früh mit einem Lupfertor von Holsteins Narek Abrahamyan nach schlampigem Ballverlust der Roten auf Hochtouren (5.). Der Bundesliganachwuchs war um eine direkte Antwort und Spielkontrolle bemüht und wurde dafür in der 27. Minute belohnt. Nach einem schönen Angriff über die rechte Seite verlängerte Stürmer Benjamin Hadzic, vor der Saison vom VFB Stuttgart gekommen, den Ball wunderschön mit der Hacke ins lange Eck.

 

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Unione Sportiva Italiana Lupo-Martini vs. Kieler SV Holstein II, Lupo Stadio, 30. September 2018, Endstand: 2:3

 

„Komm ein bisschen mit nach Italien“ - der Schlager von Caterina Valente ist ein wenig das Motto der Tour des Tages. Dabei geht es gar nicht bis nach Sanremo, sondern nur bis nach Burgo del Lupo, besser bekannt als Wolfsburg. Eine Stadt, deren Charme oder Esprit bei den bisherigen Besuchen noch nicht wirklich entdeckt wurde, immerhin geht es diesmal aber zu Lupo Martini. Die Unione Sportiva Italiana Lupo-Martini erblickte 1962 das Licht der Welt und ist damit der älteste von Gastarbeitern gegründete Sportverein in Deutschland. Korrekterweise wurde 1962 zunächst einmal der SC Lupo gegründet (Lupo = Wolf), acht Jahre später folgte US Martini Wolfsburg, ehe es 1981 zur Fusion kam. Bis heute ein kleines Stück Italien, dass in Bayern vielleicht selbstverständlicher ist als so weit im Norden.

 

Durch genaueste Recherche weiß die Kieler Reisegruppe natürlich schon vom Vereinsheim, in dem es auch was das Kulinarische betrifft italienisch zugehen soll. Der Name des Besitzers Daniele di Dio fordert quasi das Wortspiel „Was von Gott kommt, muss gut sein“ heraus. Tatsächlich wird es noch besser erwartet. Das dazu später mehr.

 

Zunächst geht es über die Bundesstraße 4 Richtung Süd-Ost, dann in Gifhorn vorbei am Mühlenmuseum und dem an ein russisches Kloster erinnerndes Kulturinstitut „Die Brücke“ und relativ entspannt ist Wolfsburg erreicht. Dessen Skyline besteht im Wesentlichen aus den vier Schornsteinen des Alten Heizkraftwerks und beschreiben das, was mit der Stadt verbunden wird: Industrie, Volkswagen. Auch die Reihenhäuser, die den Weg zum Lupo Stadio an der Leonordo da Vinci Gesamtschule säumen, bestätigen das Klischee.

 

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Dann den Wagen abgestellt, direkt neben einem Fiat, dessen Besitzer zusätzlich des Vereinslogo auf die Kühlerhaube geklebt hat. Ob es für einen italienischen Wolfsburger wohl ein Gewissenskonflikt ist, sich zwischen Volkswagen und Fiat entscheiden zu müssen? Diesen hätten dann rund 5.000 Menschen, denn so viele Wolfsburger besitzen einen Pass der Repubblica Italiana, zu Hochzeiten standen sogar 7.500 Italiener bei VW am Fließband. Bis heute hat sich dieses Stück Italien an vielen Ecken erhalten, fast scheint es aber ein wenig so, als wenn es nach außen hin ein wenig geheim gehalten wird.

 

Immerhin ist der Fußballverein, der derzeit in der Regionalliga kickt, quasi eine Art Botschafter für Burgo del Lupo und da im besonderen des bereits erwähnte Vereinsheim. Denn die fein aufgeschichteten Canoli und anderes Backwerk, die Calzone, die frisch gegrillte Salsiccia und der mit Wurst und Käse gefüllte Kühltresen stellen so manchen Feinkostladen in puncto Qualität in den Schatten. Dann können auch mal paar mehr Euro investiert (der Plan im Anschluss noch VW-Currywurst im örtlichen Supermarkt zu besorgen, wird jedenfalls mit einem Lächeln gecancelled). Da der Besitzer ursprünglich aus Sizilien stammt, finden sich Spezialitäten der Insel „auf der Karte“. Highlight sind die von der Mama in der Küche hergestellten Arancini. Die kleinen Kegel bestehen aus einer Art Reisteig und sind mit einem Hackfleischragout gefüllt. Einfach nur unbeschreiblich gut. Bei über 20 Grad lässt es sich mit lecker Essen und einem kühlen Radler auf der Terrasse gut aushalten. Am Nebentisch steht irgendwann der Weinkühler auf dem Tisch. Wenn man die Augen schließt und die wenig norddeutschen Stimmen hört, fühlt es sich nicht an wie in der Industriestadt im Osten Niedersachsens.

 

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Wäre es aber südlich der Alpen, würde Holsteins Zweite dort kein Auswärtsspiel haben. Genau wie die Zweite der Störche ist Lupo Martini Aufsteiger. Allerdings gelang die Rückkehr in die Regionalliga (schon 2016 gelang für eine Saison der Sprung in die vierthöchste Spielklasse) als Meister der Oberliga Niedersachsen ohne die extra Qualifikationsrunde. Dafür läuft es in der aktuellen Saison nicht ganz so optimal. Mit acht Punkten nach zwölf Spielen haben die Wolfsburger die Rote Laterne (während die Zweite des VfL Wolfsburg von der Tabellenspitze grüßt). Trotzdem ist die Stimmung unter den 380 Zuschauern (wovon vielleicht sechs aus Kiel kommen) nicht negativ. Neben ein paar Herren, die ihre Fahnen am Stankett angebracht haben, supportet auch die kleine Gruppe der Lupo-Ladies. Diese haben sich, wie der Großteil der Zuschauer, auf der überdachten Haupttribüne eingefunden, wobei der restliche Ausbau der rund 1.100 Zuschauer fassenden Anlage aus ein paar Stufen neben dem Bauwerk besteht. Ein guter Teil der Anwesenden bleibt auch einfach in der Nähe zu Vereinsheim und Grill. Letzterer wird übrigens auch vom Kieler Trainerteam, das in der vergangenen Spielzeit zwecks Beobachtung potenzieller Gegner in der Aufstiegsrunde vor Ort war, angepriesen (ist aber zu dem Zeitpunkt schon getestet).

 

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