12. August 2018, Endstand 1:1

 

Die Zeitenwende an der Förde geht in die zweite Spielzeit. Während noch vor ein paar Jahren, der THW nicht auf Werbung angewiesen war und Holstein in der ganzen Stadt plakatieren musste, ist es inzwischen so, dass die Zebras sich mehr anstrengen müssen, die Halle voll zu bekommen, während das Holstein-Stadion sogar gegen den 1. FC Heidenheim heimseitig ausverkauft ist. Sicher würde auch noch locker mehr gehen, aber derzeit ist die Zuschauerzahl durch die Baustelle auf der Ostseite begrenzt.

 

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Die Gäste kommen für die Zeit des Umbaus in Block L unter, was zumindest akustisch eine deutliche Verbesserung für die Schlachtenbummler aus dem Rest der Republik bedeutet. Trotz der fanunfreundlichen Anpfiffzeit am Sonntag, um 15:30 Uhr hatte sich ein kleiner, optisch ansprechender Mob auf den Weg von der Brenz an die Förde gemacht.

 

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Die aufkeimende Lee-Mania führte im Übrigen dazu, dass auch einige asiatisch anmutende Menschen auf den Rängen auszumachen waren. Ob dieses allerdings einmal quer um die Welt gejettet waren? Egal, auf jeden Fall auch eine Sache, die es an der Förde so noch nicht gab. Liebe Stadion-Caterer: Bitte neben Fischbrötchen (weiterhin sehr dringend) auch an die südkoreanischen Gäste denken. Gerneeee. :D Der Bruder des südkoreanischen Neuzugangs ist übrigens gleich mit an die Förde gekommen: Als Berater, Dolmetscher,... Was er vom Maskottchen der Störche so halten soll, wusste er wohl selbst nicht genau, am Ende war es immerhin ein freudiges Staunen.

 

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Auf Kieler Seite wurde mit neuer Block-(501)-Fahne und einer blau-weiß-roten Choreo in die Saison gestartet. Großes Banner, blau-weiß-rote Schwenker – einfach, aber klar und gut. Gefiel auf jeden Fall sehr. Insgesamt war dem anwesenden Volk die Euphorie nach dem grandiosen HSV-Spiel anzumerken, wobei den Realisten recht klar war, dass der Auftritt im Volkspark nicht das normale Zweitligaspiel war. Aber drei Punkte und gleich mal paar Tore auf der Habenseite – wer will sich da beschweren. Dass es ob des breiten Kaders zu Härtefällen kommen würde, war den Fans vor der Saison schon klar. In Hamburg war es u.a. Dominic Peitz, beim ersten Heimspiel dieser Saison traf es auch Steven Lewerenz und Benjamin Girth, beide fanden sich auf der Tribüne wieder. Dafür rutschten Manuel Janzer und Aaron Seydel in den Kader.

 

Der 1. FC Heidenheim hatte sich nicht vorgenommen, in Holstein-Stadion etwas zum Spiel beizutragen. Lieber verschanzte man sich in der eigenen Hälfte und wartete geduldig ab, was Holstein so anzubieten hatte. Dass das die richtige Marschroute für einen Holstein-Gegner an diesem Tag war, konnte man bereits nah wenigen Minuten sehen. Holstein versuchte das Spiel zu gestalten und zeigte auch ein paar gelungene Kombinationen und lief die Gäste früh an. Das bot aber immer wieder Räume für die Heidenheimer. War es nach einer Viertelstunde noch Honsak, der Gästeschlussmann Kevin Müller prüfte, war Holstein kurze Zeit später unaufmerksam im Spielaufbau. Heidenheim schnappte sich das Leder, der Ball kam zu Glatzel, der keine Mühe hatte, die Führung zu erzielen. Die KSV zeigte sich aber keinesfalls beeindruckt, fünf Minuten später flog der Ball in den Strafraum der Süddeutschen, Serra brachte den Ball zu Lee, der keine Mühe hatte, seine erstes Störche-Tor zu erzielen.

 

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Die Kieler waren im Anschluss das dominante Team, so wirkliche Großchancen sprangen aber nicht heraus. Die Heidenheimer blieben selbst auch weiter gefährlich. Im Falle aller Fälle war Kenneth Kronholm aber auch dem Posten.
Nach der Pause war eigentlich alles bereitet für eine weiter wachsende Kieler Dominanz. Allerdings ging Johannes van den Bergh an der Mittellinie kurz nach Wiederanpfiff etwas zu rabiat zu Werke, was Schiedsrichter Storks mit der Ampelkarte quittierte. Diese Unterzahl brachte Holstein zunächst etwas aus dem Konzept. Honsak rückte für den fehlenden Außenverteidiger nach hinten. Viel ging jetzt für die Heidenheimer über die umformierte Kieler Seite, wirklich zündende Ideen hatte der Gast aber nicht. Die wenigen Kontersituationen spielte die KSV ebenfalls schlecht aus, sodass richtige Torchancen bis zur Schlussphase eher selten blieben. Dann aber hatte der FCH einige Chancen auf den Auswärtsdreier: Erst verfehlte Thiel in der 84. Minute nur knapp, schon in der Nachspielzeit bekam Schmidt im Sechzehner nicht genug Druck hinter den Ball, Minuten später setzte der Ex-Saarbrücker einen Kopfball gegen die Latte.

Volksparkstadion, 3. August 2018, Endstand 0:3

 

Saison 2007/2008, Oberliga Nord. Die Realität für Holstein Kiel hieß Oberneuland, Cloppenburg, Osterholz-Scharmbek oder Heeslingen. Der HSV hingegen scheiterte erst im Achtalefinale der Europa League und hatte sich bis dahin gegen Vereine wie AC Florenz oder Galatasaray Istanbul ordentlich auf dem internationalen Parkett geschlagen. In Kiel wurde auf den postwendenden Aufstieg gehofft, um den Abstieg in die Oberliga als kleinen Ausrutscher abstempeln zu können. Der HSV schloß am Ende der Saison mit einem sensationellen vierten Platz ab und in Hamburg träumte man schon von einer großartigen Zukunft. Etwas mehr als zehn Jahre später fanden sich die aktuellen Mannschaften beider Vereine beim Eröffnungsspiel der 2. Bundesliga wieder. Eine Entwicklung die nur die wenigstens vermutet hatten. Und doch war es in diesem Rekordsommer 2018 Realität. Bitter für die Gastgeber. Bittersüß für die Gäste. Denn schließlich fühlte sich dieser Auftakt sehr stark an wie das, was den Störchen in der Relegation gegen den VfL Wolfsburg wie Sand durch die Finger gerieselt war. Grund für Trübsal auf Kieler Seite ist das aber nicht.

 

Da waren es eher der Aderlass des letztjährigen Erfolgskaders oder die suboptimal verlaufene Saisonvorbereitung, die vereinzelt als Grund zur Besorgnis schienen. Hinzu kam der "Fluch der verlorenen Relegation", dem schon einige Vereine, zuletzt Eintracht Braunschweig, zum Opfer gefallen waren. Doch spätestens mit dem Transferkracher Jae Sung Lee stieg die Fieberkurve bei den meisten Anhängern an der Kieler Förde. Und auch wenn DFL-Spektakel nicht jedermanns Sache sind, am Eröffnungsspiel der zweithöchsten deutschen Liga beteiligt zu sein, kann durchaus als etwas Besonderes angesehen werden. Nicht zuletzt die Tatsache , dass es bei dem Saisonauftakt auch direkt zum ersten Nordderby auf Ligaebene seit 55 Jahren kam, machte gegen Ende der Vorbereitung dann doch Laune.

 

So war es nicht verwunderlich, dass selbst bei gestandenen Fußballfans, die vielleicht sogar schon mal Heimspiele des HSV besucht haben, das blau-weiß-rote Herz kurz aussetzte, als sie vorm Volkspark standen. Ein Moment, der für Vieles entschädigte.

 

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Noch mehr tat es die Stimmung innerhalb des Stadions. Egal, wie die Sympathien für den HSV gelagert sind, die Aufbruchsstimmung, die seit dem historischen Abstieg in der Hansestadt herrschte, war beeindruckend. Dabei wurde zwar auch allzu oft vom direkten Wiederaufstieg gesprochen. Doch nachdem die Ausgliederung der Fußballsparte vor einigen Jahren für Unmut unter den Anhängern des Dinos geführt und einen deutlichen Knick in der Stimmung zur Folge hatte, scheint dieser Abstieg zumindest nach Außen hin eine reinigende Wirkung gehabt zu haben. Ein bisschen "Jetzt erst recht!" kann ja auch nie schaden. Dementsprechend hoch war auch der Lautstärkepegel bereits vor Anpfiff.

 

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Vor ausverkauftem Haus, insgesamt 57.000 Zuschauer, davon mindestens 6.000 aus Kiel, fand das wahre Spektakel dann aber ab der 45. Minute statt. Nicht, dass die erste Hälfte wenig unterhaltsam war, sie war bloß nicht so ansehnlich. Der HSV trat ohne echten Stürmer an, bekam aber von Holsteins anfänglich noch sehr unausgewogenen Defensive einige Präsente, die sie wiederum nicht verwerten konnten. Holstein hingegen mit Offensivdrang - Kingsley Schindler sollte in Kiel festgekettet werden, sonst ist der vor Ende des Monats noch weg - der gegen Ende der letzten Spielzeit so manches Mal vermisst wurde. Wer war eigentlich nochmal Marvin Ducksch? ;) Doch obwohl es nach Ansicht einiger Anwesender schon nach den ersten 45 Minuten 2:2 hätte stehen können, blieb es zunächst torlos.

 

Dieser Umstand änderte sich elf Minuten nach Wiederanpfiff. Ein schnell ausgeführter Einwurf, Vorlage Lee, Traumtor Meffert. Der Kieler Block explodierte förmlich. Das Hamburger Publikum musste sich kurz schütteln, der Support riss aber nicht ab.

 

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Auf dem Rasen hingegen schien der Dino den Faden verloren zu haben und agierte zunehmend nervös. Dieser Umstand spielte der KSV natürlich in die Karten, da das Tor einen ordentlichen Schub Selbstbewusstsein gegeben hatte. Erste vereinzelte "Herrmann, Herrmann"-Rufe kündigten den ersten Wechsel bei der KSV an. Der Fußballgott ersetzte Janni Serra, Kinsombi kam für den verletzungsbedingt ausgewechselten Dehm und brauchte gefühlt 0,3 Sekunden, um sich zu aklimatisieren. Nach acht Minuten legte Lee ihm den Ball auf und der frisch ernannte Kapitän netzte sehenswert zum 2:0. Dieses Tor hatte nun deutlichen Einfluss auf die Stimmung. Während der Gästeblock angesichts des unerwarteten Spielstandes um Fassung rang, ertönten erste Pfiffe und Unmutsbekundungen von den Heimrängen. Es schien fast so, als ob78 Minuten Holstein Kiel ausgereicht hätten, um die Aufbruchsstimmung beim HSV im Keim zu ersticken. An den Kopf fassen mussten sich die Anhänger der Störche in den letzten Minuten der Nachspielzeit. Ein Konter, von Kinsombi super weiter verarbeitet, landete bei Honsak. DREI ZU NULL! Spätestens jetzt hatte das Hamburger Publikum die Nase gestrichen voll. Erste Abwanderungen waren zu sehen.

 

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Der Schiedsrichter hatte nach Ende der fünf Minuten Nachspielzeit ein Erbarmen und pfiff pünktlich ab. Die Kieler rieben sich ungläubig die Augen, viele lagen sich vor Freude in den Armen. Ein Auftakt, wie man ihn sich nicht besser hätte erträumen können.

 

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Natürlich werden diesem Spiel noch viele schwere Begegnungen folgen und ein 3:0 - Sieg in Hamburg zum Auftakt muss kein Maßstab für die Saison sein. Aber gewiss ist, dass das Holstein-Stadion am kommenden Sonntag zum Zerbersten voll sein dürfte. Ganz Kiel freut sich auf den Heimauftakt gegen Heidenheim. Jetzt erst Recht!

 

Alle Bilder in der Galerie.

 

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„Warm, anstrengend und intensiv“, so lautet das Fazit von Dominic Peitz zum Trainingslager in Bad Gögging, aber auch „lehrreich“ sei die Woche gewesen. Der 33-Jährige sagte, dass die Mannschaft viele weitere Bereiche gelernt und das System des Trainers weiter verinnerlicht habe.

 

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Am Donnerstag hatten die Störche das Testspiel gegen Dynamo Moskau in Heimstätten mit 2:6 verloren (beide Tore für Holstein erzielt der von Mainz gekommene Heinz Mörschel). „Ergebnistechnisch noch nicht das, was wir uns vorgestellt haben“, so Peitz, „aber die Ansätze waren schon erkennbar.“

 

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Am Sonnabend folgte dann der Test gegen Drittligist VfR Aalen. Mit einer Woche Vorbereitung in den Beinen und zur ungewöhnlichen Anstoßzeit um 12 Uhr mittags entwickelte sich im Ostalbstadion ein intensives Spiel. Die Hausherren präsentierten sich als ein echter Prüfstein, am Ende konnte die Walter-Elf aber einen 1:0-Sieg verbuchen. Das Tor des Tages erzielte Benjamin Girth nach 53. Minuten per Kopf, Absender der Flanke war Dominic Peitz. Trainer Tim Walter bilanzierte: „In der zweiten Halbzeit war die Bereitschaft trotz Müdigkeit besser, das hat mir gut gefallen“. Assist-Geber Peitz schränkte allerdings ein, dass es noch vieles gebe, was verbessert werden könnte. „Aber das war uns klar. Wir werden vor die Herausforderung gestellt mit neuen Spielern und neuem Trainer die neue Spielidee umzusetzen und gleichzeitig alte Verhaltensmuster abzulegen, um das Neue zu verinnerlichen“, so Peitz. Nichtsdestotrotz sei es aber eine sehr gute Trainingswoche gewesen.

 

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Am Sonnabend, den 28. Juli treffen die Störche zum abschließenden Test um 18.30 Uhr auf den spanischen Erstligisten SD Eibar. Die Basken belegten in der Primera División in der letzten Saison den neunten Tabellenplatz. Gespielt wird im Prof. Erich Greipl Stadion in Ismaning.

 

21. Mai 2018, Endstand 0:1

 

Vermutlich wurde schon alles gesagt, um diese überragende Saison zu beschreiben. Superlativen noch und nöcher. Da hätte ein Aufstieg nach zwei Relegationsspielen die Möglichkeiten, das Erreichte in Worte zu fassen vermutlich gesprengt.

 

Marsch

 

Aber soweit ist es nun nicht gekommen. Leider? Gott sei Dank? Die Gemütslage ist nach Abpfiff gemischt. „Endlich ist es vorbei...“, ist sogar zu hören. Anstrengend war es, auf jeden Fall. Der emotionale Ausnahmezustand der das Saisonfinale mit sich gebracht hat, ist vermutlich nicht an allen spurlos vorbei gegangen. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass diese geniale Mannschaft, die einem eine so wunderbare Saison beschert hat, zum letzten Mal in dieser Konstellation zusammen gespielt hat. Es wird Veränderungen geben. Viele. Denn auch der Trainer geht. Und mit ihm ebenfalls ein großer Teil dessen, was Holstein in den letzten Monaten ausgemacht hat. Da ist es vielleicht nur ein schwacher Trost, dass Momente wie diese in der Vergangenheit immer wieder dafür gesorgt haben, dass Mannschaft und Fans enger zusammen geschweißt wurden.

 

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Ralle und Bruno

 

Markus

 

Aber so ernüchternd diese Erkenntnisse alle sein mögen, sie täuschen nicht darüber hinweg, dass Holstein seinen Fans überproportional viele Glücksmomente verschafft hat. Wer in Wolfsburg war, der hat diesen positiven Geist schon vor Anpfiff gespürt. Glück, Stolz, Dankbarkeit. Und auch vor dem Rückspiel an heimischer Stätte gab man sich zwar realistisch, aber weder ängstlich, noch demütig. Vielmehr kamen eine gesunde Mischung aus Optimismus und Trotz zusammen. Schließlich hatte David Goliath am Ende auch besiegt.

 

West

 

Fähnchen

 

Pyro

 

Die Ausgangslage vor Anpfiff war aus Kieler Sicht nicht die Beste, aber auch für den VfL alles andere als sicher. Zwei Dinger sind schnell gemacht, wenn es bei Holstein läuft. Ducksch und Drexler machen das schon. Doch leider gab es hier schon den ersten Dämpfer. Drexler hatte sein vermutlich letztes Spiel für die KSV bereits in Wolfsburg gemacht. Für das Rückspiel stand er nicht zur Verfügung. Aber spätestens seit dem Heimspiel gegen Braunschweig wusste der Kieler Fan ja, dass es auch ohne Drexler funktionieren kann.

 

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Das Spiel könnte theoretisch schnell erzählt sein, gäbe es da nicht Historisches zu berichten. Holstein von Beginn an hochmotiviert, mit deutlich weniger Respekt als noch im Hinspiel. Es dauerte nicht lange, bis Gast und Gastgeber erste Offensivszenen für sich verbuchen konnten. Wolfsburg dabei immer wieder ein bisschen abgewichster, aber die Kieler Defensive mit starker Leistung. Besonders Herrmann, der trotz gelber Karte in der 31. Minute bis zum Ende ein starkes Spiel gemacht hat und Schmidt zeigten sich in Bestform. Trotzdem zappelte der Ball in der 17. Minute im Holsteiner Netz. Zunächst jubelte der Gästeblock, während die echten Norddeutschen etwas muksch mit dem Mundwinkel zuckten. Doch eine kleine Geste des Schiedsrichters – in der 1. Bundesliga inzwischen ungeliebter Alltag – änderte die Situation. Der erste Videobeweis in der Geschichte von Holstein Kiel. Ambivalenter kann man sich kaum fühlen. Das System, dem die meisten Fußballfans aus vielen Gründen ablehnend gegenüber stehen, rettete Holstein zunächst das 0:0. Lange Gesichter in Grün, gemischte Gefühle, kurzfristige Ratlosigkeit und schließlich Erleichterung beim Heimpublikum. Der Treffer von Malli zählte nicht – Origi stand im Abseits und behinderte Kronholms Sicht. Bis zur Pause blieb die Partie torlos. Nicht zuletzt, weil die Wolfsburger Abwehr eine ihrer besseren Tage hatte und es den Kielern, die mitunter zu kompliziert spielten, schwer machten, einen echten Abschluss zu erzielen.

 

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So setzte das Heimpublikum alle Hoffnungen auf die zweite Hälfte. Immerhin wäre es nicht das erste Mal, dass Holstein erst gegen Ende der Partie so richtig aufdreht. Und zunächst sah es auch so aus, als hätten die Störche die Partie weitestgehend im Griff. Die meisten Angriffe gingen von den Gastgebern aus. Doch das Tor wollte weiterhin nicht fallen. Zumindest nicht für Kiel. Doppelt bitter - just in der 75. Minute, als nach Jahren des Schweigens die alte Glocke den Holstein-Geist herauf beschwören sollte, trafen die Wölfe ins Kieler Herz. Ecke, Kopfball, Tor – der einfachste Dreisatz der Welt. Banger Blick zum Schiedsrichter – vielleicht...?! Doch zwei Mal schlug das Glück nicht zu. Das Tor zählte. Noch war der Trotz auf Kieler Seiten aber nicht aufgebraucht. Dann eben vier Tore in 15 Minuten. Machbar – oder?

 

Doch es sollte nicht sein. Das war spätestens in der 87. Minute klar. Czichos hatte nur eine Minute zuvor den Ball über die gegnerische Linie gedrückt – mit dem Arm, wie Schiedsrichter Siebert auf dem mittig der Gegengerade installierten Monitor feststellte. VAR – die Zweite.

 

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VOLKSWAGEN-ARENA, 17. Mai 2018, Endstand 3:1

 

Über den Sinn oder Unsinn der Relegation wurde schon viel diskutiert. Während Anhänger des HSV gefühlt mehr als die zwei Male und auch der VfL Wolfsburg in diesem Jahr zum zweiten Mal hintereinander sich derzeit vermutlich pro Relegation aussprechen würden, waren die von unten aufstrebenden Mannschaften viel zu oft die Gekniffenen. Da ist man drittbester der Liga und muss nochmal zwei Spiele lang zittern und wird im Negativfall noch um den Lohn harter Arbeit gebracht. Umgekehrt spielt sich eine Mannschaft eine Saison lang nur Grütze zusammen und bekommt trotzdem nochmal die Chance, sich dank eines furios inszenierten Finales selbst zu feiern. Gerecht ist anders. Hinzu kommt die fehlende Planungssicherheit für beide Kandidaten.

 

Relegation

 

Eine Erfahrung, die Holstein schon 2015 machen durfte. Wie es ausgegangen ist, wissen wir alle. Und trotzdem war schon damals und auch im Jahr 2018 das Erreichen der Relegation für die Störche ein echtes Highlight. Bloß mit dem Unterschied, dass man 2015 zumindest schon mal verstohlen in die nächsthöhere Liga geschielt hatte, während in dieser ersten Zweitligasaison niemand davon zu träumen gewagt hatte, an die große, schwere Tür zur Beletage anzuklopfen.

 

Doch bevor der Kieler Fan sich emotional auf dieses Großereignis einstellen konnte, hagelte es aus Richtung der DFL noch ein paar Steine, die den Weg schwerer machen sollten... Es gab kein Vorbeikommen an dem Thema Holstein-Stadion. Nicht die Sicherheitsbedenken oder manch eine improvisierte Struktur waren das Problem. Es war schlicht die Anzahl der zur Verfügung stehenden Plätze. Das Ringen um die Lizenz begann, es wurden Ausweichmöglichkeiten diskutiert, in den Medien machte sich Stimmung pro Holstein und contra DFL breit. Die Anhängerschaft bangte um die möglichen Bundesligaheimspiele am Westring. Hamburg? Rostock? Oder gar Hannover? Das Holstein-Stadion war alternativlos, unantastbar. Am letzten Spieltag äußerten nicht nur die Kieler Fans ihren Unmut. Auch Solidaritätsbekundungen unter Anderem aus Berlin und München machten die Runde. Denn schließlich ging es nicht alleine um die KSV und das Holstein-Stadion. Es ging um die Einstellung, die die DFL einem Verein wie Holstein gegenüber hatte. In einer Zeit, in der sich viele Vereine hoch verschulden um eine Arena zu errichten und nicht selten an den eigenen Ansprüchen scheitern, kommt die Einstellung Holsteins fast schon spießig daher. Es wird investiert in ein Nachwuchsleistungszentrum, Investitionen ins Stadion beschränken sich aufs für die aktuelle Spielklasse Nötige. Es geht nicht um „neu“ und „schick“ - der Norddeutsche nimmt es, wie es ist. Hauptsache es löppt. Und trotzdem wird im Hintergrund an der Zukunft gearbeitet. Damit sie solide ist, geht der Verein es langsam an. Nich' auf Deubel komm' raus, nich' mit Hauruck. Stück für Stück. Nachdem nicht wenige Vereine in den letzten Jahren besonders unter der Last hoher Stadionmieten zusammen gebrochen sind, muss das Vorgehen Holsteins den Verbänden doch solide und vernünftig vorkommen.

 

Aber genau dieses Vorgehen drohte den Störchen nun auf die Füße zu fallen. Doch 26 ½ Stunden vor Anpfiff des Relegationshinspiels schlug die Nachricht, dass eine Einigung erzielt wurde ein, wie eine Bombe. Erst nur über ein Newsportal, verbreitete sich die Nachricht rasend schnell durch das World Wide Web. Die DFL erteilte Holsten unter strengen Auflagen die Lizenz für die 1. Bundesliga. Inklusive Heimspielen im Holstein-Stadion. Der Stein, der den Holstein-Fans vom Herzen fiel war vermutlich bis an die Aller zu hören. Ein zusätzlicher Schub für den Donnerstag.

 

Nicht wenige dürften in der Nacht davor eher unruhig geschlafen haben. Egal ob morgens in aller Ruhe, Mittags nach einem halben Arbeitstag oder unmittelbar nach Feierabend. An die 4.000 Holstein-Fans machten sich auf den Weg. Bereits drei Stunden vor Anpfiff war das Gelände vorm Gästeblock teilweise in Rot getaucht. Viele genossen auf dem Deich des Mittellandkanals, der direkt hinter der Kurve entlang fließt, die warmen Sonnenstrahlen. Es wurde viel gelacht, gefachsimpelt und vor allem über die aktuellsten Geschehnisse gesprochen. Ein Gefühl von Sommerfest. Dass es hier um ein sportliches Großereignis handelte, war fast Nebensache. Vielmehr war es Teil eins der Abschlussfeier einer großartigen Saison. Trotzdem war eine gewisse Spannung vorm Spiel nicht von der Hand zu weisen. Spätestens bei einem Blick auf den Gästeblock innerhalb des Stadions kribbelte es. Hier konnte der Grundstein für etwas ganz Großes gelegt werden.

 

Arena

 

Stadion

 

Doch bevor Schiedsrichter Deniz Aytekin zur Attacke blies, gab es noch die übliche „Wolfsburg-Show“ mit künstlichem Gewitter (Gebt York einen Dimmer fürs Flutlicht!) und Wolfsgeheul (Müssten wir dann klappern?). Ganz ohne Special Effects sorgte auch der Gästeblock für ordentlich Stimmung. Das rote Dreieck in der Arena sang schon vor Anpfiff nach vollen Kräften, die Atmosphäre aus Kieler Sicht einmalig. Und nicht nur der Gästeblock sollte mit Kiel mitfiebern. In zahlreichen Kneipen, Biergärten und anderen Public Viewing Locations in Kiel, eigentlich in ganz Schleswig-Holstein wurden die Daumen gedrückt. Anfeuerungs-Nachrichten kamen von Freunden aus ganz Deutschland aufs Handy. Jeder der ansatzweise Sympathien für Holstein hegte war dabei. Ob am Ticker, am Radio oder, weil die DFL den Fans ja mehr Spannung durch die K.O. - Spiele im TV versprochen hat, kostenpflichtig im Eurosport-Player (genau unser Humor...) - selten hatte Holstein so viele Fußballfans hinter sich.

 

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Die Aufstellung sorgte bei den KSV-Anhängern erstmal für große Erleichterung. Gegen Braunschweig noch verletzt auf der Tribüne standen Schmidt, Drexler und Herrmann wieder in der Startelf. Im Vorfeld herrschten in erster Linie fast schon euphorische Gefühle. Aber mit Anpfiff war klar, dass gute Laune, blendende Stimmung und überragender Support alleine keine Tore schießen. Die Gastgeber, im Vorfeld wurde stellenweise angezweifelt, ob der Millionen-Kader sich überhaupt der Tragweite der Wolfsburger Situation bewusst war, bestand schlussendlich aber aus Profis.

 

Wöfi

 

Bruno

 

Markus

 
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