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"Hinfahren, rumpöbeln, alles kaputt hauen"*
Geschrieben von: Martin   
Sonntag, den 05. Februar 2012 um 00:00 Uhr

*Zitat zur Intention auswärts zu fahren aus dem Film "Das Leben ist kein Heimspiel" der zum Rahmenprogramm des Fankongresses zählte. Einige Medienvertreter hatten aber wohl auch ähnliches für die Veranstaltung an sich befürchtet/erwartet/erhofft.

 

Fankongress Berlin, 14. und 15 Januar 2012

 

erhalt_fankultur

 

Am 14.1. machten sich die beiden Holstein-Fans Martin und Leif, ihreszeichens ehemalige Mitglieder der Kieler Ultraszene und aktive Fußballfans der KSV, auf den Weg nach Berlin, um Holstein auch beim von „Pro Fans“ organisierten Fankongress teilzunehmen.
Pünktlich um 10:30 startete das Programm, begleitet von einem riesigen Medien-Interesse. So waren mehrere Kamerateams sowie eine Vielzahl Vertreter der schreibenden Zunft zugegen. Selbst im aktuellen Sportstudio im ZDF, mit einer über eine Stunde dauernden Diskussion über die Fankultur in Deutschland , wurde ausführlich über den ersten ausschließlich von Fans organisierten Kongress berichtet. Der Kongress wurde im ehemals größten Kino der DDR, dem „Kosmos“, abgehalten.

50 + 1, ein Zukunftsmodell?

Der Samstag-Vormittag stand ganz im Zeichen der Themen und Problematiken aus Deutschland. So wurde zum Beispiel unter der Überschrift „Wie schaut der Fußball der Zukunft aus und welche Rolle spielen die Fans dabei?“ über die Mitsprache-Möglichkeiten der Fans und die 50+1 – Regel diskutiert. Referent hierbei war unter anderem der Präsident von Hannover 96 – klarer Gegner der 50+1 – Regel. In Zuge dieser Diskussion wurde mehrmals, insbesondere vom Fananwalt René Lau, an die anwesenden Zuhörer appelliert, Mitglied im Verein zu werden,, aktiv am Vereinsleben teilzunehmen, um zum Beispiel die Misswirtschaft oder die Übernahme von Investoren mit Hilfe von Mitbestimmung als Vereinsmitglied zu verhindern.

Stadionverbote, eine legitime Maßnahme?

Zeitgleich fand ebenfalls eine Diskussionsrunde statt mit dem Thema „Stadionverbote: Präventivmaßnahme oder Ersatzstrafrecht?“ Prominente Vertreter hier waren unter anderem der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große-Lefert und Sozialwissenschaftler Gerd Dembowski. Auch hier wurde lebhaft diskutiert und über ein Thema gesprochen, dass bekannterweise auch in Kiel sehr präsent ist.

Störungsfaktor Fankultur in deutschen Stadien?

Am Nachmittag ging es dann unter anderem um das Thema Anstoßzeiten und inwieweit sich diese heute noch nach den Interessen der Fans richten. Referenten hierbei waren der Geschäftsführer der DFL Holger Hieronymus und Dirk Grosse als Vertreter von Sky Deutschland.
Darüber hinaus fanden Diskussionen unter anderem zu den Themen Eintrittspreise, Identifikation mit dem Verein und Pyrotechnik statt. Zum letzteren sei noch einmal gesagt, dass die Positionen der beteiligten Institutionen feststehen. Es wurde von Seiten des DFB und der DFL noch einmal klargestellt, dass es in naher Zukunft keine Annäherung zur Legalisierung von Pyrotechnik unter bestimmten Auflagen kommen wird.

 

fankongress

 

Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen internationaler Themen. So berichtete der Norweger Arne Christian Eggen über das norwegische Pyromodell, wo es nur einer Anmeldung bei der örtlichen Feuerwehr bedarf, um bei Heimspielen den Einlauf der Mannschaften mit Pyrotechnik zu untermalen.
Darüber hinaus gab es auch interessante Themen und Gäste unter anderem aus England, Land der hohen Eintrittspreise und der verbotenen Stehplätze, und Spanien, die über die Situation in ihren Ländern berichteten.

Als Fazit kann also von einem durchaus gelungenen Kongress gesprochen werden, in dem es gelang, über 550 Fans aus 60 Vereinen zu versammeln um die brennenden Thema deutscher Fans und Ultràs zu diskutieren. Sicherlich negativ zu vermelden ist die kurzfristige Absage von Vertretern der Polizei aus „dienstlichen Gründen“, die für breites Unverständnis und Kopfschütteln sorgte. Dieses wurde am Sonntag noch verstärkt, als bekannt wurde, dass fünf Mannschaftswagen und zwei Zivilbeamte den Veranstaltungsort am Samstag-Abend gründlich inspizierten. Wohlgemerkt nachdem alle Teilnehmer und Organisatoren die Örtlichkeiten verlassen hatten.
Trotzdem ist der Kongress als voller Erfolg anzusehen und es bleibt auf eine Fortsetzung des Dialoges aller am Fußball beteiligten Personen und Institutionen zu hoffen.

Ergebnisse der einzelnen Diskussionen hier zu nennen würde aufgrund der Komplexität des Unterfangens den Rahmen sprengen. Die Meinungen zu den angesprochenen Themen dürften wohl bei allen Lesern dieser Seite nahezu deckungsgleich sein.

Dennoch noch mal der Aufruf: Engagiert euch für euren Verein, macht auf Missstände aufmerksam und habt Mut zur Veränderung, in der heutigen Zeit des Wandels zu einem nicht gerade vorteilhaftem Konstrukt für uns Fans müssen wir als Gegenpol vorhanden sein und mit aller Kraft diese Wandlung beeinflussen!

Nähere Infos und ein genaues, offizielles Abschlusspapier mit näheren Details findet ihr auf www.profans.de


P.S. Vielen Dank an den Verein, der die gesamten Fahrtkosten übernahm.

 

Noch mehr Infos und das Abschlussdokument gibt es auf dem offiziellen Blog des Fankongresses.

 
 
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